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Rückholung aus Brasilien

Rund 9.000 km von Brasilien nach Deutschland

„Transport eines schwerkranken Tumorpatienten von Brasilien nach Deutschland“, mit diesem Einsatzauftrag besteigt die fünfköpfige Besatzung der DRF Luftrettung Ende Mai ihr Ambulanzflugzeug nach Brasilien. Aufgrund der fast hoffnungslosen Diagnose des Patienten macht sie sich auf einen schwierigen Einsatz gefasst.

Übernahme des Patienten an Bord des Ambulanzflugzeugs

Bei dem 28-jährigen Patienten wurde schon vor einiger Zeit eine schwere Tumorerkrankung im Gesicht diagnostiziert. In Deutschland schienen die Ärzte ihn nicht mehr therapieren zu können. So wollte er in Brasilien alternative Hilfe suchen und hoffte durch die Reise auch neuen Lebensmut zu finden.

Nach einem Ausflug passierte es: Der junge Mann stürzte im Hotelzimmer und zog sich eine Unterkieferfraktur zu – ausgerechnet in dem Bereich, in dem sich der Tumor ausgebreitet hatte. Durch den Sturz kam es zudem zu schweren Komplikationen. Nach Einschätzung der brasilianischen Ärzte waren die medizinischen Behandlungsmöglichkeiten vor Ort ausgeschöpft. Die Versicherung des jungen Mannes beauftragte deshalb am Abend des 25. Mai die DRF Luftrettung mit der Rückholung des Patienten. „Einsätze in das entfernte Brasilien sind auch für die DRF Luftrettung nicht an der Tagesordnung. So bedurfte es neben den Arzt-zu-Arzt-Gesprächen auch umfangreicher organisatorischer Abklärungen durch unsere Alarmzentrale (MCC). Die Einsatzkoordinatoren der DRF Luftrettung planten beispielsweise die Zwischenstopps, holten Überflug- und Landegenehmigungen ein und hielten den Kontakt zur Besatzung und zum Krankenhaus vor Ort“, berichtet Peter Schroth, der als Pilot im Einsatz war.

 

Über die Kapverden nach Brasilien

Nach den nächtlichen Vorbereitungen startete der Ambulanzjet der DRF Luftrettung am 26. Mai morgens vom Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden aus in Richtung Südamerika.

Nach Tankstopps in Agadir, auf den Kapverden und Natal betrat die Besatzung nach insgesamt rund 14 Stunden Flugzeit und 8.900 zurückgelegten Kilometern brasilianischen Boden. Notarzt und Rettungsassistent machten sich direkt auf den Weg in die Klinik. "Wir wollten uns so schnell wie möglich ein Bild von dem Zustand des Patienten machen“, erklärt der diensthabende Rettungsassistent Marc Schwehr. Als die medizinische Besatzung das Krankenzimmer betrat, wurde sie positiv überrascht. „Wir hatten aufgrund der Diagnose und des bisherigen Verlaufs einen sehr schwachen, vermutlich nicht ansprechbaren Patienten erwartet. Tatsächlich war es ihm nicht möglich zu sprechen, da am Hals ein Luftröhrenschnitt durchgeführt worden war. Er konnte sich jedoch schriftlich mit uns verständigen“, berichtet Marc Schwehr.

Dank der bevorstehenden Rückholung nach Deutschland hatte der Patient wieder neuen Mut gefasst. Die Besatzung führte ein langes Gespräch mit ihm und erklärte ihm, wie der Rücktransport ablaufen würde.  Am nächsten Morgen wurde der 28-jährige in Begleitung der medizinischen Besatzung mit einem Rettungswagen zum Flughafen transportiert. Kurz darauf startete der Learjet der DRF Luftrettung aus Goiania in Richtung Stuttgart. Während des Flugs wurde der Patient mit Infusionen, Sauerstoff und Sondenkost versorgt. Zur Überwachung seiner Vitalwerte wurde er an einen Monitor angeschlossen.

 

Ca. 19.000 km insgesamt

Der Rückflug führte die Besatzung wieder über Natal, die Kapverden und Agadir nach Stuttgart. Am Zielflughafen verabschiedete sich die Crew von dem Patienten und übergab ihn an eine andere medizinische Besatzung der DRF Luftrettung. In deren Begleitung wurde er in die Zielklinik gebracht.

"Für uns war es ein gutes Gefühl, dass wir dem jungen Mann helfen konnten, auch im menschlichen Sinne. Wenige Tage später schrieb mir der Patient aus dem Krankenhaus. Er bedankte sich für die gute Betreuung und berichtete mir, dass es ihm besser gehe. Er habe neuen Mut gefasst. Das hat diesem Einsatz eine ganz besondere Dimension gegeben. Lebensqualität ist für jeden, schwerkranke wie gesunde Menschen, ein sehr hohes Gut“, erklärt Marc Schwehr.

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