Freiburg war in diesem Jahr Veranstaltungsort für die 10. Medizinische Jahrestagung der DRF Luftrettung: Rund 100 Notärzte und Rettungsassistenten der DRF Luftrettung sowie Gäste der Bundespolizei-Luftrettungsstationen und der ADAC Luftrettung kamen zusammen, um sich über notfallmedizinische Themen auszutauschen. Die Veranstaltung bot dem medizinischen Personal der DRF Luftrettung, das an 31 Stationen in Deutschland, Österreich und Dänemark im Einsatz ist, ein qualitätsorientiertes Diskussionsforum, aus dem wichtige Richtlinien für die tägliche Arbeit abgeleitet werden. Die Ministerin für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Senioren des Landes Baden-Württemberg Dr. Monika Stolz eröffnete die Veranstaltung.
Die Ministerin betonte in ihrer Rede den wichtigen Beitrag, den die DRF Luftrettung allein in Baden-Württemberg mit ihren sieben Hubschrauberstationen für die medizinische Notfallversorgung leiste. Sie ging auf aktuelle Entwicklungen im Gesundheitswesen ein, wie zum Beispiel die von Experten prognostizierte weitere Zunahme von Intensivtransporten. Vor diesem Hintergrund begrüßte sie die Bestrebungen, eine 24-Stunden-besetzte Luftrettungsstation in Baden-Württemberg für Intensivtransporte in der Nacht einzurichten.
Anschließend berichteten Vorstand Steffen Lutz und Dr. Jörg Braun, der Ärztliche Leiter der DRF Luftrettung, über organisationsübergreifende Entwicklungen und medizinische Projekte. 2011 sind Tests eines neuen Beatmungsgeräts geplant. Eventuell soll dieses für die Ambulanzflugzeuge und Hubschrauber, die vorrangig Intensivtransporte durchführen, angeschafft werden. Außerdem investiert die DRF Luftrettung weiter in die Qualifizierung ihres medizinischen Personals: „Um die Crews optimal auf ihre Einsätze vorzubereiten und einen einheitlich hohen Ausbildungsstand zu gewährleisten, bietet die DRF Luftrettung 2011 verschiedene Fortbildungen an. 16 Simulatorkurse, sechs HCM-Pflichtfortbildungen, sechs PHTLS (Prehospital Trauma Life Support-Kurse) und zwei Kurse Rettungstechnik werden durchgeführt. Außerdem legen wir unseren Fokus auf die Festlegung von einheitlichen Verfahren und Kriterien bei Transporten mit Organersatzverfahren, die bundesweit eine zunehmende Bedeutung erlangen“, erläuterte Dr. Jörg Braun. Er informierte auch über die Einführung der neuen Dienstbekleidung an allen Stationen der DRF Luftrettung in Deutschland. Innerhalb eines Jahres sollen alle Hubschrauberbesatzungen mit der neuen Kleidung ausgestattet werden – an der Station der DRF Luftrettung in Weiden ist diese bereits seit Inbetriebnahme von „Christoph 80“ am 1. April 2011 im Einsatz.
Beteiligung des medizinisch-wissenschaftlichen Beirats
Informationen zur Arbeit des medizinisch-wissenschaftlichen Beirats der DRF Luftrettung gab der Vorsitzende Prof. André Gries, der diese Funktion von seinem Vorgänger, Prof. Friedrich-Wilhelm Schildberg, übernommen hatte. Ziel des 14-köpfigen Gremiums ist es, künftig eine noch bessere Vernetzung und Vertretung der Luftrettung auf den unterschiedlichen Entscheidungsebenen zu erzielen. So sollen beispielsweise auch die Stationen der DRF Luftrettung sowie relevante Fachgesellschaften, Verbände und Gremien in die Arbeit des medizinisch-wissenschaftlichen Beirates einbezogen werden. „Im Fokus aller Bemühungen steht die hochqualifizierte notfall- und intensivmedizinische Versorgung der Patienten. Aktuelle Studien und Forderungen der Fachgesellschaften sehen hier als wesentliches Ziel, Notfallpatienten in eine für sie geeignete Zielklinik zu bringen“, erläuterte Prof. Gries in seinem Vortrag.
Studien und neue Entwicklungen innerhalb der Luftrettung und des Rettungsdienstes standen auch auf der Tagesordnung der internen Sitzung des medizinisch-wissenschaftlichen Beirates. Es folgten Vorträge zum bodengebundenen Notarztdienst von Prof. Klaus Runggaldier, Geschäftsführer der Falck Emergency AS/Falck Rettungsdienst GmbH Köln, und zu den Entwicklungen des Nachtflugs von Dr. Jörg Braun. Außerdem berichtete Dr. Wolfgang Lenz, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst Main-Kinzig-Kreis, über den aktuellen Stand einer systemübergreifenden Schnittstellenanalyse des bodengebundenen und luftgestützten Notarztdienstes in Hessen (BoLuS-Studie). Prof. Christian Krettek, Direktor der Unfallchirurgischen Klinik Medizinische Hochschule Hannover, rundete den Themenblock mit interessanten Daten zur Traumaversorgung durch boden- und luftgebundene Rettungsmittel ab.
Weiteres Thema: Notfallversorgung in Südbaden
Auf der Agenda der zweitägigen Jahrestagung der Leitenden Notärzte und Rettungsassistenten stand zunächst die Luftrettung in der Region Südbaden: Dr. Frank Lerch, Leitender Notarzt an der Station Freiburg, berichtete über die historische Entwicklung der Station und das Einsatzspektrum von „Christoph 54“. Anschließend referierte Prof. Dr. Norbert Südkamp, geschäftsführender Direktor des Departments Orthopädie und Traumatologie am Universitätsklinikum Freiburg über die Bedeutung der Luftrettung in Bezug auf Klinik-Netzwerkstrukturen. Er stellte das Traumanetzwerk Südbaden vor, ein Verbund aus mehreren durch die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) zertifizierte Kliniken.
Ziel dieses Netzwerk ist es, die Behandlung von Schwerverletzten durch abgestimmte Kommunikationswege und Versorgungsstandards sowie qualitätsgestützte Kooperationen zu verbessern. Prof. Südkamp betonte unter anderem, dass bei der Versorgung polytraumatisierter Patienten die Luftrettung eine bedeutende Rolle spiele: In weiten Regionen des Schwarzwaldes kann beispielsweise oftmals nur der Rettungshubschrauber einen schnellen Transport in die Kliniken gewährleisten.
Weiterhin standen das Sicherheitsmanagementsystem der DRF Luftrettung und die psychosoziale Begleitung von Einsatzkräften bei belastenden Einsätzen auf der Agenda.
Den Bogen zu schwierigen Einsätzen in der Luftrettung spannte am zweiten Tag der Veranstaltung Dr. Nina Eulitz, Oberärztin Palliativmedizin des Rot-Kreuz-Krankenhauses Kassel, zum Thema "Umgang mit Palliativpatienten". Danach standen der Umgang mit multiresistenten Keimen und das Hygienemanagement der DRF Luftrettung auf der Agenda.
Den Abschluss der Vorträge bildete eine Zusammenfassung der neuen Reanimationsrichtlinien des European Resuscitation Council 2010 durch Dr. Marcus Roessler, Leitender Arzt der Station Göttingen, sowie die damit verbundenen Umsetzungen. Prof. Matthias Fischer aus Göppingen präsentierte interessante Daten aus dem DGAI-Reanimationsregister und PD Dr. Frank Palmaers, geschäftsführender Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie der Medizinischen Hochschule Hannover, verschaffte den Zuhörern einen Überblick über die Reanimation bei Traumapatienten. Dr. Mark Frank, Leitender Arzt an der Station in Dresden, stellte zum Abschluss die Vor- und Nachteile mechanischer Reanimationshilfen im Hubschrauber vor. Die Qualität der Herzdruckmassage als bestimmender Faktor für eine erfolgreiche Wiederbelebung rückt innerhalb der neuen Leitlinien immer stärker in den Vordergrund. Mechanische Systeme können hier wertvolle Unterstützung leisten, verschiedene Typen werden derzeit getestet und z.B. an Bord des Greifswalder und Regensburger Hubschraubers eingesetzt.
„Wie schon in den vergangenen Jahren ist die Veranstaltung auf sehr positive Resonanz gestoßen und hat zu regen fachlichen Diskussionen geführt. Jedes Jahr veranstalten wir unsere Jahrestagung bewusst in der Nähe einer unserer bundesweit 28 Hubschrauberstationen. Da ´Christoph 54` schon seit Gründung der Station im Jahr 1993 einen wesentlichen Beitrag für die intensiv- und notfallmedizinische Versorgung in der Region leistet, haben wir uns gefreut, diesmal hier zu Gast zu sein“, erläutert Dr. Jörg Braun.
Die DRF Luftrettung
Die DRF Luftrettung setzt an 31 Stationen in Deutschland, Österreich und Dänemark rund 50 Hubschrauber für die Notfallrettung und den Transport von Intensivpatienten zwischen Kliniken ein, an acht Standorten sogar rund um die Uhr. Darüber hinaus werden eigene Ambulanzflugzeuge für weltweite Patiententransporte eingesetzt. Rund 500 Notärzte, 260 Rettungsassistenten, 170 Piloten sowie 70 Techniker sind für die DRF Luftrettung im Einsatz. Im Jahr 2010 leisteten sie insgesamt 36.900 Einsätze