Traumaversorgung, Ultraschallmöglichkeiten in der Präklinik, Videolaryngoskopie, ethische Aspekte in der Luftrettung: Diese und weitere notfallmedizinischen Themen standen im Mittelpunkt der diesjährigen Medizinischen Jahrestagung der DRF Luftrettung in Regensburg. Rund 130 Notärzte und Rettungsassistenten der DRF Luftrettung sowie Gäste der Bundespolizei-Luftrettungsstationen und der ADAC Luftrettung kamen am 11. und 12. Mai zusammen, um sich über neue medizinische Entwicklungen auszutauschen. Die Veranstaltungsteilnehmer konnten außerdem eine Premiere erleben: Erstmals wurde der Forschungspreis der DRF Luftrettung verliehen, den der medizinisch-wissenschaftliche Beirat im vergangenen Jahr ausgelobt hatte. Ziel ist es, Impulse für die Intensiv- und Notfallmedizin zu setzen.
Den mit 5.000 Euro dotierten Preis erhielt der am Universitätsklinikum Kiel tätige Anästhesist Dr. Erol Cavus für seine Veröffentlichung zur Video-Laryngoskopie im präklinischen Einsatz. Seine Untersuchung, die den medizinisch-wissenschaftlichen Beirat der DRF Luftrettung am meisten überzeugte, basiert auf einer Studie an vier Luftrettungsstationen. Ausschlaggebend war neben der medizinischen Aktualität unter anderem der Praxisbezug: Gemäß wissenschaftlicher Studien liegt die Fehlintubationsrate in der Präklinik bei ca. sieben Prozent, so dass nach Möglichkeiten gesucht wird, diese Rate zu senken. Dr. Cavus zeigt in seiner Arbeit die Vorteile einer portablen Intubationshilfe auf, die dem Anwender über eine im Spatel integrierte Videokamera die direkte Sicht auf den Kehlkopf ermöglicht.
Welche Vorteile bietet das Instrument für den Notarzt am Einsatzort sowie für den Patienten? Der Preisträger stellte seine Arbeit am 11. Mai den in Regensburg anwesenden Notärzten und Rettungsassistenten vor. Im Anschluss diskutierten die Teilnehmer beispielsweise darüber, wie praktikabel die Video-Laryngoskopie zur Sicherung der Atemwege ist. Die DRF Luftrettung hat bereits an einigen Hubschrauberstationen dieses Verfahren testweise eingesetzt.
Hintergrundinformationen zum Forschungspreis
Im vergangenen Jahr wurde der Forschungspreis erstmals ausgeschrieben. Es konnten aktuelle Arbeiten zur Notfallmedizin mit Bezug zur Luftrettung eingereicht werden. Insgesamt waren 15 Arbeiten eingegangnen, die der medizinisch-wissenschaftliche Beirat bewertet hatte. Im Jahr 2012 wird der Forschungspreis erneut ausgeschrieben, die Einreichungsfrist für die Arbeiten ist der 31.01.2013. Der medizinisch-wissenschaftliche Beirat, der mit hochrangigen Vertretern aus verschiedenen medizinischen und rettungsdienstlichen Bereichen besetzt ist, war am 11. Mai auch zu einer Sitzung zusammen gekommen. Das Gremium, das aktuelle notfall- und intensivmedizinische Themen aufgreift, diskutierte anhand von Studien beispielsweise, wie Luftrettungsmittel effizient eingesetzt werden können, um die Versorgungszeit von Patienten kurz zu halten. Weitere Themen waren die Reanimation von Patienten bei Luftrettungseinsätzen, sowie der Stellenwert der Luftrettung als wichtiger Bestandteil in Traumanetzwerken.
Themenvielfalt:
Von der Luftrettung bei Nacht bis hin zur „Traumaversorgung“
Karl Hofmann, Ministerialrat des Bayerischen Staatsiministeriums des Innern, gab zu Beginn der Tagung einen Überblick über die rettungsdienstlichen Strukturen und Entwicklungen in Bayern. Er ging hierbei auch auf die in Regensburg und in Weiden stationierten Hubschrauber der DRF Luftrettung ein, die einen wesentlichen Beitrag zur medizinischen Versorgung in Nordostbayern leisten. In zwei sich anschließenden Vorträgen erhielten die Teilnehmer der Jahrestagung einen Einblick in die Entwicklung und die Aufgaben der Stationen. Anknüpfend an „Christoph Regensburg“, der rund um die Uhr im Einsatz ist, standen flugbetriebliche und medizinische Aspekte der Luftrettung bei Nacht im Mittelpunkt.
Ein weiterer Themenschwerpunkt der zweitägigen Veranstaltung war die Traumaversorgung vor dem Hintergrund der aktuellen wissenschaftlichen Leitlinien. Der Vortrag „Echokardiographie als Wegweiser in der Peri-Reanimation“ beschäftigte sich damit, wie Ultraschall beispielsweise schon während der Wiederbelebung zur Herzuntersuchung eingesetzt werden kann. Interessant war dies für die Luftretter insbesondere vor dem Hintergrund, dass die DRF Luftrettung seit 2011 an einigen Stationen bereits ein mobiles Ultraschallgerät einsetzt, das die Herzkammern darstellen kann. Diskutiert wurden die erweiterten Diagnostikmöglichkeiten am Einsatzort und in der Präklinik.
Anschließend stand das Thema Blutstillung bei Traumapatienten auf der Agenda: Wie lassen sich schwere Blutungen schon am Einsatzort stillen? Welche Medikamente und Infusionen sollen verabreicht werden? Machen Medikamente wie Tranexamsäure oder Hämostyptika, die im Schockraum verabreicht werden, auch für eine Anwendung in der Präklinik Sinn? Diesen Fragen gingen die Anästhesisten, Dr. Mark Frank (Universitätsklinikum Dresden), PD Dr. Erik Popp (Universitätsklinikum Heidelberg) und Dr. Björn Hoßfeld (Bundeswehrkrankenhaus Ulm) jeweils in ihren Vorträgen nach.
Den Abschluss der Tagung bildeten am 12. Mai 2012 die beiden Themenblöcke „Ethische Aspekte in der Luftrettung“, „Safety Management“ und „Medizinisches Qualitätsmanagement“.
„Bei den Diagnose- und Therapiemöglichkeiten von Traumapatienten gibt es immer wieder neue Entwicklungen. Ob nach Verkehrs- Arbeits- oder Freizeitunfall - unsere Besatzungen leisten bei über 30 Prozent der Notfalleinsätze Traumapatienten schnelle medizinische Hilfe. Deshalb war das Themenfeld auch ein Schwerpunkt unserer Jahrestagung. Aber auch die anderen Themen sind bei den Teilnehmern auf große Resonanz gestoßen, geben sie doch einen Abriss über aktuelle notfallmedizinische Entwicklungen. Dies haben die regen Diskussionen in der Teilnehmerrunde gezeigt“, erläutert Dr. Jörg Braun, Ärztlicher Leiter der DRF Luftrettung.
Die DRF Luftrettung
Die DRF Luftrettung setzt an 31 Stationen in Deutschland, Österreich und Dänemark rund 50 Hubschrauber für die Notfallrettung und den Transport von Intensivpatienten zwischen Kliniken ein, an acht Standorten sogar rund um die Uhr. Einer der 24-h-Hubschrauber ist am Universitätsklinikum Regensburg stationiert. „Christoph Regensburg“ wird Tag und Nacht für Intensivtransporte und zur Rettung von Notfallpatienten eingesetzt mit zwei Piloten, einem Notarzt und einem Rettungsassistenten (HEMS Crew Member) besetzt. Auch die seit dem 1. April 2011 in Weiden angesiedelte Station der DRF Luftrettung leistet einen wesentlichen Beitrag zur medizinischen Versorgung der Bevölkerung in Nordbayern.
Darüber hinaus setzt die DRF Luftrettung eigene Ambulanzflugzeuge für weltweite Patiententransporte ein. Rund 500 Notärzte, 260 Rettungsassistenten, 170 Piloten sowie 70 Techniker sind für die DRF Luftrettung im Einsatz. Im Jahr 2010 leisteten sie insgesamt 36.900 Einsätze.