Ein Forellenteich in Oberschwaben wird zum Schauplatz eines tragischen Unfalls. Als der Vater seinen zwei Monate alten Jungen aus dem Weiher zieht, atmet er nicht mehr. Auch sein Herz steht still. Die DRF fliegt den Säugling in die Uniklinik nach Tübingen. Doch seine Überlebenschancen stehen schlecht.

Foto: Jürgen Handrich
Elias war erst acht Wochen alt, als er die Medizin auf den Kopf stellte. „Die Ärzte hatten wenig Hoffnung. Sein Zustand sei sehr kritisch. Sollte er sich je erholen, würden sicherlich Behinderungen zurückbleiben", erinnert sich Mutter Julia Feldmann an die erste Information der Intensivmediziner in der Tübinger Uniklinik.
„Es war ein Alptraum", sagt Oma Gabi. „Mein Schwiegersohn hatte den Kinderwagen am Rand der asphaltierten Straße auf dem Firmengelände abgestellt. Während seines Rundgangs durch unsere Fischzucht hatte sich die Feststellbremse des Kinderwagens gelockert. Windböen brachten den Wagen mit Elias darin in Fahrt, er rollte 30 Meter weit. Dabei drehte der Kinderwagen in einer Kurve nach links und fiel in einen unserer 40 Forellenteiche – den einzigen, der am Ufer keine Barriere hat."
Die Tübinger Ärzte indes hatten die Rechnung ohne den Lebenswillen des kleinen Elias gemacht. „Es grenzt an ein Wunder, wie gut und wie schnell sich das Kind erholt hat", sagt DRF-Rettungsassistent Ronald Freyer, der mit Christoph 45 aus Friedrichshafen am 12. Mai 2004 zu diesem Einsatz gerufen wurde. An Bord der BO 105 waren außerdem DRF-Pilot Harald Kink und DRF-Notarzt Dr. Matthias Krumm. „Bei unserem Eintreffen hatte der bodengebundene Notarzt bereits mit der Reanimation begonnen. Elias war leblos und kalt, da er mindestens 20 Minuten in 8° C kaltem Wasser gelegen hatte", so Dr. Krumm. „Ich habe ihm Adrenalin direkt über eine Kanüle in das Knochenmark verabreicht." Eine lebensrettende Maßnahme, wie sich herausstellen sollte. Wenig später hat der Junge auf das Hormon und die Wiederbelebungsversuche mit ersten Atemzügen reagiert.
Ohne den Einsatz des DRF-Rettungshubschraubers wäre das Kind sehr wahrscheinlich nicht mehr am Leben. Ein Hubschrauber benötigt für die Strecke Schwäblishausen-Tübingen etwa 20 Minuten, der Rettungswagen braucht dafür mindestens das Vierfache. Zu lange für ein Leben, das dem Rettungsteam zu entgleiten droht.
In der Uniklinik Tübingen erholte sich Elias in Riesenschritten. „Eine Woche verbrachte er auf der Intensivstation, die Ärzte hatten ihn in ein künstliches Koma versetzt, um alle Körperkräfte für die Genesung zu mobilisieren. Nach fünf Tagen musste er schon nicht mehr künstlich beatmet werden und kam tags darauf auf die normale Kinderstation", erzählt die Mutter.

Foto: Irina Wonneberg
Elias bedankte sich bei seinen Eltern mit dem schönsten Geschenk, das er ihnen machen konnte: Er wurde wieder vollständig gesund. Nicht einmal von den starken Medikamenten, die er bekam, hat der kleine Mann Spätfolgen zu befürchten.
„Die Seh-und Hörtests beim Kinderarzt sind alle positiv ausgefallen!", freut sich Julia Feldmann. Liebevoll hält sie ihren Sohn auf dem Arm, der am 12. März 2005 seinen ersten Geburtstag feiern konnte, und drückt ihn zärtlich an sich. „Er war von Anfang an das Allerwichtigste, und jetzt ist er es noch viel mehr ..."
Zurück zur Übersicht Rettungsberichte