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2005/03

Wieder ganz der Alte

Hermann Hertweck kann seinen Urlaub am Bodensee kaum erwarten. Bei Sonnenschein macht er sich mit seiner Frau Lotte auf den Weg ans Schwäbische Meer. Doch schon am zweiten Tag nehmen die ersehnten Ferien ein jähes Ende.

Es war ein schöner Spätsommertag, wir sind gemütlich am Strand entlanggebummelt – es war herrlich!", erinnert sich Hermann Hertweck.
Doch mitten im Gespräch bleibt ihm plötzlich die Stimme weg. Entsetzt blickt Lotte Hertweck ihren Mann an, sieht sein verkrampftes, verängstigtes Gesicht. „Hermann, was ist mit dir?", ruft sie. Doch er kann ihr nicht antworten. „Schlaganfall!" ist ihr erster Gedanke in diesen Schreckensminuten. „Mein Mann hatte schon länger einen extrem hohen Blutdruck mit Werten von manchmal 250 zu 130", erklärt Hertwecks Frau Lotte.

Sofort lässt sie an der Hotelrezeption den Notarzt verständigen. „Auch wenn ich nicht mehr sprechen konnte, war ich sonst klar. Wenige Minuten später trifft der Notarzt ein. Er bestätigt die Verdachtsdiagnose von Lotte Hertweck und fordert sofort den Hubschrauber der DRF Luftrettung an. Der Notarzt vor Ort bereitet den Patienten gerade für den Transport im Rettungshubschrauber vor, als dieser bereits im Landeanflug ist. „Schlaganfall-Patienten müssen auf dem schnellsten Weg in eine Klinik mit Schlaganfall-Station, einer so genannten Stroke Unit, gebracht werden. Dort können sie optimal versorgt und therapiert werden", weiß Notarzt Richard Schöllhorn. Die zu Lindau nächstgelegene Klinik ist gute 50 Minuten mit dem Krankenwagen entfernt, mit dem Rettungshubschrauber sind es nur zwölf.

„In 70 bis 80 Prozent aller Fälle entsteht ein Schlaganfall, wenn aufgrund eines Gefäßverschlusses nicht mehr ausreichend Blut und Sauerstoff ins Gehirn gelangen. Binnen drei Stunden, nachdem die ersten Schlaganfall-Symptome wie Sprach-und Sehstörungen oder Lähmungserscheinungen aufgetreten sind, ist eine Öffnung der verstopften Gefäße im Rahmen einer Spezialbehandlung erfolgversprechend", weiß Markus Blume, der schon seit 1985 als Rettungsassistent für die DRF Luftrettung im Dienst ist. Bei Hermann Hertweck konnte dieses enge Zeitfenster dank des Rettungshubschraubers eingehalten werden.

Die stille Gefahr

Bluthochdruck, Diabetes, Herzrhythmusstörungen oder Übergewicht begünstigen einen Schlaganfall. Die Risikofaktoren werden von vielen Betroffenen nicht ernst genommen. Auch Hermann Hertweck hat die Gefahren seines viel zu hohen Blutdrucks, den unter anderem Stress und Ärger im Berufsalltag verursacht haben, lange Zeit unterschätzt. „Erst die Computertomografie im Ravensburger Krankenhaus brachte den Beweis für die Durchblutungsstörung in meinem Hirngewebe", so Hertweck.  

Foto: Irina Wonneberg

Im Anschluss an seinen Aufenthalt in der Ravensburger Klinik hat der heute 70-Jährige in zwölf Reha-Monaten wieder vollständig zu seiner Sprache gefunden. An seinen Kampf um Leben und Tod erinnert ihn heute nur wenig. „Wenn ich aufgeregt bin, fällt mir manchmal das passende Wort nicht ein!", lacht er. Doch für seine Freunde im Altherrenfußball ist er wieder ganz der Alte.

 

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