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2005/04

SOS aus der Türkei

Die Koffer waren so gut wie gepackt. Denn tags darauf sollte Ingrid Döring zusammen mit der Delegation des kulturellen Fördervereins „Antikes Antiochia" von Antakya wieder zurück nach Berlin fliegen. Doch dann kam alles anders. Ingrid Döring landet zwar am 24. Juli sicher in Berlin-Tegel – allerdings an Bord eines Ambulanzjets der DRF Luftrettung.

Ingrid Döring ist tief in ihre Gedanken versunken. Sie träumt von den bunten Gewändern und den vielen Folkloretänzen, die ihr in den vergangenen Tagen im Stadion von Antakya so viel Freude bereitet haben. „Hallo, Frau Döring, hören Sie mich?!" Mit einem Mal schreckt die zweite Vorsitzende des Kulturvereins „Antikes Antiochia" hoch und dreht sich ruckartig zum Bürgermeister von Antakya um. Dabei verliert sie das Gleichgewicht und stürzt direkt auf eine Stufe der Sitzreihen im Stadion. „Wie ein Blitz durchfuhr ein stechender Schmerz erst meine Hüfte, dann den ganzen Körper", erinnert sich die 63-Jährige, „jede Bewegung tat höllisch weh."

Bürgermeister Nihat Sorgeç lässt Ingrid Döring sofort mit der Ambulanz ins Städtische Krankenhaus Antakya bringen. Noch auf dem Weg in die Klinik hofft Ingrid Döring auf eine harmlose Prellung. Doch wenig später lautet die ärztliche Diagnose: Oberschenkelhalsbruch.

Röntgenbild: Charité Berlin

DRF Luftrettung rät zu Rücktransport

Glücklicherweise hat Nihat Sorgeç sie ins Krankenhaus begleitet und übersetzt, was die Ärzte raten. „Sie hielten es für medizinisch sinnvoll, den Oberschenkelhals und das anschließende Hüftgelenk durch eine künstliche Prothese zu ersetzen. So könnte ich das Gelenk schneller wieder belasten", schildert die Kulturfreundin.  Doch sie fühlt sich außerstande, die für sie richtige Entscheidung zu treffen, da ihr die erforderliche Fachkenntnis fehlt. Da kommt der Verletzten der rettende Gedanke. „Ich bin doch Mitglied im DRF e.V., der kann mir sicher weiterhelfen", sagt sie zu ihren Reisebegleitern, die gleich darauf die Alarmzentrale der DRF Luftrettung informieren.

Gut gebettet nach Berlin

Am späten Vormittag erreicht sie am 24. Juli mit dem Krankenwagen den nahen Flughafen von Adana, wo die Crew – Notarzt Dr. Lutz Meyer, Rettungsassistent Jürgen Russ, Pilot Stefan Merkl und Co-Pilot Otto Hartmann – bereits auf sie wartet. „Als ich den Learjet und die Besatzung sah, hatte ich ein Gefühl wie ‚Jetzt bist du zu Hause angekommen’", beschreibt sie im Rückblick.
„Wir haben Frau Döring auf eine Vakuummatratze gebettet und das verletzte Bein stabilisiert", schildert Notarzt Dr. Meyer, wie er zusammen mit Jürgen Russ die Patientin für den Rücktransport vorbereitet hat. Flugkapitän Stefan Merkl, der seit 1990 für die DRF Luftrettung fliegt, bringt den Learjet in drei Stunden und 37 Minuten schnell und sicher nach Berlin.

Foto: privat

Nur 24 Stunden nach ihrem verhängnisvollen Sturz verschrauben die Ärzte der Berliner Charité ihren gebrochenen Oberschenkelhals in einer mehrstündigen Operation. Auf ein künstliches Gelenk konnten sie – dank des schnellen Rücktransports – verzichten.

„Ich habe am eigenen Leib erfahren, wie professionell und zuverlässig die Mitarbeiter der DRF Luftrettung handeln", ist Ingrid Döring beeindruckt. Ich bin seit Ende der 70er-Jahre Förderer und werde es weiterhin bleiben, damit auch anderen Menschen im Notfall geholfen werden kann."

 

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