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2006/01

Dramatischer Start ins Leben

In ein paar Jahren werden Jana Lippmann und Gerd Kunz ihrer Tochter Anna-Lena erzählen, wie dramatisch die ersten Tage ihres Lebens verlaufen sind, wie viele Menschen um ihr Leben gekämpft haben. Dass sich das Kind heute normal entwickelt, verdankt es dem raschen und professionellen Handeln von Medizinern, Rettungsdienst und der Besatzung des Nürnberger Intensivtransporthubschraubers der DRF Luftrettung. 

Foto: Frederik Loersch

Noch im Kreissaal bemerken Ärzte und Hebamme, dass das Kind nicht richtig atmet. Kurz nach ihrer Geburt wird Anna-Lena am 12. September 2005 vom Leipziger Klinikum St. Georg in das Herzzentrum Leipzig verlegt. „In diesem Moment wusste ich, dass es sehr ernst sein musste", beschreibt Mutter Jana Lippmann die bangen Stunden.

Anna-Lenas Zustand verschlechtert sich weiter. Die Ärzte alarmieren das deutsche ECMO-Zentrum der Universitätskinderklinik Mannheim. ECMO (für Extrakorporale Membranoxygenierung) ist eine künstliche Lunge, mit deren Hilfe das Blut mit Sauerstoff angereichert wird. Die Spezialisten um Oberarzt Dr. Thomas Schaible entscheiden, dass wegen des lebensbedrohlichen Zustands von Anna-Lena nur ein rascher Transport per Hubschrauber in Frage kommt. „Es war, als spielte sich ein schrecklicher Film ab", erinnert sich ihre Mutter.

Am 13. September, einen Tag nach der Geburt, geht um 18 Uhr der Alarm bei "Christoph Nürnberg" ein. Flugkapitän Johann Haslberger und sein Copilot Franz Ahollinger werten sofort alle Wetterdaten aus. Dann steht fest: Der Intensivtransport kann noch in der Nacht durchgeführt werden.

Zunächst fliegt "Christoph Nürnberg" nach Mannheim. Um die auf eine Trage montierte künstliche Lunge und die Spezialisten aufnehmen zu können, wird der Hubschrauber vom Typ Bell 412 auf dem Klinikdach umgerüstet. „Wir mussten erst zahlreiche medizintechnische Geräte unterbringen und deren Stromversorgung sicherstellen", erzählt Pilot Haslberger. „In jeden Intensivtransporthubschrauber hätten die Gerätschäften nicht gepasst", fährt Haslberger fort. „Doch mit unserer Bell 412 war das kein Problem. Die ‚fliegende Intensivstation’ ist sehr geräumig und bietet für das medizinische wie fliegerische Personal gute Arbeitsbedingungen. Ein großer Vorteil ist, dass wir auch nachts fliegen können. Dafür sind die von der HDM Luftrettung gemeinnützigen GmbH betriebenen Intensivtransporthubschrauber ausgerüstet."

Lebensgefährliche Infektion

Die beiden Piloten bringen das medizinische Team in nur 120 Minuten Flugzeit nach Leipzig. Zwei Stunden später beginnt der Transport des Neugeborenen nach Mannheim. Das Kind war schon vor oder während der Geburt an einer lebensgefährlich verlaufenden Infektion erkrankt. Während des Fluges kümmern sich Dr. Frederik Loersch und Intensivkinderkrankenschwester Sabine Dahlmann um Anna-Lena, Dr. Schaible überwacht die künstliche Lunge.

Am 14. September um 4:26 Uhr endet der Einsatz – nach mehr als zehn Stunden. Anna-Lena ist zu diesem Zeitpunkt noch keine zwei Tage alt. Sie muss noch einige Wochen in der Kinderklinik bleiben, bis die Ärzte sicher sind, dass sie ihren dramatischen Start ins Leben gemeistert hat. Dann kann die Kleine mit ihren Eltern zum ersten Mal in ihr neues Zuhause. „Es grenzt an ein Wunder", glaubt Jana Lippmann heute. „Sie ist ein so lebhaftes Baby und macht uns sehr viel Freude."

 

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