Ohne komplette Schutzkleidung steigt Dirk Fenske so gut wie nie auf seine Enduro. Doch an jenem heißen Sommertag Anfang August spart er sich den Rückenprotektor für die kurze Strecke bis zur Werkstatt. Eine Nachlässigkeit, die er später schmerzlich bereut.

Foto: Uwe Groth
Erst links herum, dann rechts herum ... gut gelaunt tanzt Dirk Fenske mit seiner silber-blauen Reise-Enduro den Kurventango. Die beiden sind ein eingespieltes Team. Bis zur Werkstatt sind es nur knapp 15 Kilometer, die Strecke kennt Fenske im Schlaf. Doch plötzlich gerät das Motorrad ins Rutschen. Er versucht noch, seine Maschine abzufangen, aber der 250 Kilogramm schwere Koloss ist nicht zu stoppen. „Schon lag ich mitten in Brennnesseln, Disteln und Gestrüpp“, erinnert er sich. „Ich hatte Schmerzen am Oberarm und in der Brust, konnte schlecht atmen. Eine Autofahrerin hat sofort den Notruf abgesetzt.“
Es ist 12:30 Uhr, als der Alarm an der Rendsburger Station der DRF Luftrettung eingeht: Motorradunfall auf der Kreisstraße 85 zwischen Beringstedt und Seefeld. „Nur sechs Minuten später sind wir mit "Christoph 42" in nächster Nähe zum Unfallort auf einer Wiese gelandet“, berichtet Pilot Frank Bernau. Dirk Fenske ist bei Bewusstsein, er kann den Hubschrauber schon von weitem hören. Seit zehn Jahren ist er bei der Freiwilligen Feuerwehr Schenefeld und rettet Menschen aus Notsituationen. Jetzt benötigt er selbst schnelle und professionelle Hilfe.

Foto: Christoph von Haussen
Wie schwer er tatsächlich verletzt ist, ahnt der 40-Jährige nicht. Nur Prellungen und Platzwunden, glaubt er, denn Füße, Beine und Kopf kann er bewegen. Die Rotorblätter des Hubschraubers drehen sich noch, als Notarzt Dr. Gilbert Heller den Patienten schon behandelt. Er legt einen intravenösen Zugang, stabilisiert den Kreislauf des Schwerverletzten und verabreicht ein Schmerzmittel, während Rettungsassistent Reiner Bölzle vorsichtig eine Halskrause um Fenskes Nacken legt. Gemeinsam betten sie den Patienten auf eine Vakuummatratze. „Eine reine Vorsichtsmaßnahme, sollte die Wirbelsäule verletzt sein“, erklärt der Notarzt der DRF Luftrettung das Vorgehen.
Die Röntgenbilder im Krankenhaus Itzehoe bestätigen, was Dr. Heller bereits vermutet hattet: Der siebte und achte Brustwirbel sind um etwa 30 Prozent zusammengestaucht. Dirk Fenske fährt der Schreck in die Glieder, als ihm bewusst wird: Eine falsche Bewegung und er wäre möglicherweise gelähmt gewesen. 16 Tage muss er in der Klinik bleiben und seine teils schweren Verletzungen kurieren: zwei gebrochene Rippen, Knochenabsplitterungen, einen Muskel- und Sehnenabriss in der linken Schulter - den Arm kann er zwei Wochen lang kaum bewegen. Um die Wirbelsäule zu stützen, trägt er drei Monate ein Spezialkorsett. Anschließend trainiert Fenske wochenlang in der Gehschule des Unfallkrankenhauses Boberg bei Hamburg seine Muskulatur. Mitte Dezember kommt er schließlich zur Reha nach Bad Malente.

Foto: IFZ (Institut für Zweiradsicherheit)
Bis heute kann sich der sonst so sicherheitsbewusste Motorradfahrer seinen Leichtsinn nicht erklären. Fast hätte etwas Schmutz auf der Straße seinem Leben eine schicksalhafte Wendung gegeben. Er weiß: „Die schnelle und professionelle medizinische Erstversorgung durch die Crew der DRF Luftrettung hat mich vor Schlimmerem bewahrt. Dafür bin ich unendlich dankbar.“