Muttertag 2006. Die Familie Burkhardt kommt auf dem Bauernhof der Großeltern zusammen, um gemeinsam zu feiern. In einem unbeobachteten Moment läuft der dreijährige Linus zum nahe gelegenen Fluss und fällt ins Wasser. Als Onkel Stefan das Kind wenige Minuten später aus dem Wasser zieht, atmet es nicht mehr. Doch engagierte Ersthelfer, eine lückenlos funktionierende Rettungskette und die schnell eingeleitete Therapie des Hubschraubernotarztes bringen Linus zurück ins Leben.

Dass der 14. Mai 2006 so dramatisch verlaufen würde, hätte sich Astrid Burkhardt selbst in ihren schlimmsten Träumen nicht vorgestellt. Neun Kinder der Großfamilie tollen an diesem Tag auf dem alten Bauernhof der Großeltern herum. Die Erwachsenen sitzen noch am Mittagstisch, als der dreijährige Linus mit seiner zweijährigen Cousine Zoe loszieht, die Gegend zu erkunden. Mutter Astrid und ihre Angehörigen machen sich keine Gedanken. „Die Kinder spielen oft auf dem weitläufigen Hof.“ Die Vils, ein gemächliches Flüsschen, ist rund 100 Meter vom Hof entfernt. „Es kam noch nie ein Kind auf die Idee, zum Fluss zu laufen“, sagt Astrid Burkhardt. Doch plötzlich stürmt die zweijährige Zoe ins Haus und ruft ganz aufgeregt: „Linus ist ins Wasser gefallen!“
Was dann passiert läuft vor den Augen der Mutter wie ein Film ab. Sie selbst, Linus’ Onkel, Tante und Oma laufen zum Fluss, so schnell sie ihre Füße tragen. „Da ist er!“, ruft Tante Marita. Sie sieht Linus etwa 150 Meter entfernt flussabwärts auf dem Wasser treiben. Astrid Burkhardts Schwager springt in die Vils und bringt das leblose Kind an Land. Der Junge ist blau angelaufen, er atmet nicht mehr, hat keinen Puls. Die Frauen beginnen sofort mit der Reanimation: Die Tante übernimmt die Herz-Druck-Massage, die Mutter beatmet, und die Oma wärmt ihm die Füße. Alle drei Frauen sind von Beruf Hebamme und daher sehr routiniert. Unterdessen alarmiert der Onkel den Notarzt. Plötzlich schnappt Linus nach Luft. Der bodengebundene Notarzt, der kurz darauf eintrifft, gibt Linus über die Atemmaske reinen Sauerstoff und legt eine Infusion.

Um 12:49 Uhr geht der Alarm von der Leitstelle an der Nürnberger Station der DRF Luftrettung ein. Pilot Theo Welz startet sofort mit Notarzt Dr. Gregor Hartmann und Rettungsassistent Thomas Zecho an Bord in Richtung Vils. Die Stimmung unter der Besatzung ist gedrückt, denn über Funk weiß das Rettungsteam, was es erwartet. „Wenn ein Kind betroffen ist, schlägt unser Herz noch mal zehn Takte schneller“, berichtet Hartmann aus seiner langjährigen Erfahrung als Hubschrauber-Notarzt.
Der Flug dauert nur wenige Minuten. „Es war schwach windig bei guter Sicht - einwandfreie Bedingungen also“, erinnert sich Pilot Theo Welz. Am Einsatzort angetroffen übernehmen Dr. Hartmann und Thomas Zecho die weitere medizinische Versorgung von Linus: „Er war bei unserem Eintreffen nicht ansprechbar. Ich vermutete, dass Wasser und Mageninhalt in seine Lunge gekommen war.“ Ein Verdacht, der sich später in der Klinik bestätigt. „Um den kleinen, völlig erschöpften Körper zu schonen, leitete ich eine Narkose ein und intubierte den Jungen, um ihn künstlich zu beatmen“, erläutert Hartmann.
Kurz darauf nimmt Theo Welz mit seiner rot-weiß lackierten BK 117 Kurs auf die Uniklinik Regensburg. An Bord sind neben der Crew der DRF Luftrettung Linus Burkhardt und seine Mutter. Sie erinnert sich noch genau an den Transport: „Die Crew agierte sehr ruhig und machte einen souveränen und routinierten Eindruck.“ Um 14:15 Uhr übergibt die Besatzung von "Christoph 27" den kleinen Linus in Regensburg an die Klinikärzte, die bereits alles Notwendige zur sofortigen Weiterbehandlung vorbereitet hatten.

Dank des überlegten Engagements aller Beteiligten und einer perfekt funktionierenden Rettungskette hat Linus alles gut überstanden, und das ohne bleibende Schäden.
„Es war ein glücklicher Umstand, dass Linus Mutter so gut und schnell reagiert hat und ihr Kind reanimieren konnte“, freut sich Hartmann. Deshalb appelliert der Notarzt an alle Eltern, sich mit Erster Hilfe zu beschäftigen: „Eine schnelle Reanimation verbessert die Aussichten, wieder vollständig zu gesunden, um ein Vielfaches“. Auch für Rettungsassistent Thomas Zecho ist das wichtigste Fazit des Einsatzes: „Zur Krabbelgruppe gehen viele Eltern, zum Erste-Hilfe-Kurs aber nicht. Doch der wäre sehr wichtig, denn bei Unfällen von Kleinkindern sind meistens die Eltern die ersten am Unfallort, professionelle Helfer kommen in den meisten Fällen später. “ Der kleine Linus jedenfalls kann sich an den Unfall nicht mehr erinnern. An die Einladung der DRF Luftrettung zum Windentraining mit Hubschrauber im vergangenen Herbst dafür umso besser.
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