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2008/03

Aus dem Takt geraten

Das Treffen der Brüder ist von langer Hand geplant. Doch kaum hat die gemeinsame Zeit in Spanien richtig begonnen, wird einer der beiden schwer krank. Werner Praetz hat plötzlich hohes Fieber, trotz eines implantierten Defibrillators schlägt sein Herz nicht mehr so, wie es soll. Sein Bruder Dieter alarmiert umgehend die DRF Luftrettung.

Für die Erfindung des Flugzeugs ist Werner Praetz mindestens so dankbar wie für die Gründung der DRF Luftrettung vor 36 Jahren. „Meine Frau und ich sind seit über 20 Jahren Förderer der DRF Luftrettung“, erzählt er knapp sechs Monate nach seiner schweren Herzerkrankung. „Früher war ich beruflich viel im Ausland unterwegs. Da war es mir wichtig, im Falle eines notwendigen Rücktransports mit der DRF Luftrettung einen professionellen Partner an meiner Seite zu wissen.“ Heute ist Werner Praetz im Ruhestand und verbringt mit seiner Frau Ingrid sehr viel Zeit am Zweitwohnsitz im andalusischen Velez, einem Ort östlich von Malaga. Beide sind nach wie vor Förderer. „Allerdings wäre ich lieber gesund geblieben und hätte die DRF Luftrettung nicht in Anspruch nehmen müssen“, schmunzelt Praetz. Doch Anfang Februar drängen die Klinikärzte in Malaga auf eine schnelle Rückholung nach Deutschland, nachdem sie die Laborergebnisse der Blutuntersuchung kennen. Dabei wurden Bakterien entdeckt, die zur Gruppe der Streptokokken gehören und die Ursache für die Fieberschübe waren. „Es bestand der Verdacht auf eine Entzündung der Herzklappen“, berichtet Rettungsassistent der DRF Luftrettung Markus Lederer. Um sicherzugehen, war eine genaue Diagnostik mittels Herz-Ultraschall erforderlich, auch Echokardiographie genannt. So eine Echokardiographie kann jedoch nur in einer Spezialklinik durchgeführt werden.  

 

Professionelle Organisation

Also alarmiert sein Bruder Dieter von spanischem Boden aus die DRF Luftrettung, die im Arzt zu Arzt-Gespräch mit den Kollegen vor Ort genauere Informationen über die Diagnose, die bisher durchgeführte Therapie und den Gesundheitszustand des Patienten einholt. Die Organisation der Rückholung ist für die Einsatzleiter in der Alarmzentrale der DRF Luftrettung Routine.

„Im Sommer fliegen wir mehrmals pro Woche Urlaubsorte in Spanien, auf den Balearen oder den Kanaren an“, berichtet Flugkapitän Norbert Fleischmann, der Werner Praetz gemeinsam mit Copilot Thorsten Beierlein am 7. Februar 2008 von Malaga nach Stuttgart fliegt. Knapp 2 Stunden und 40 Minuten dauert der Ambulanzflug, Praetz ist an einen Monitor angeschlossen, der das EKG, die Herzfrequenz, den Blutdruck und die Sauerstoffsättigung im Blut anzeigt. „Bei Patienten mit Herzrhythmusstörungen ist die ständige Überwachung der Vitalwerte wichtig“, bestätigt Lederer, der gemeinsam mit Notarzt Götz Trabert an diesem Tag als diensthabende Medical-Crew den Flug begleitet. „Bei kardial vorgeschädigten Patienten besteht die Gefahr, dass eigentlich ungefährliche Herzrhythmusstörungen in eine lebensgefährliche Form, wie zum Beispiel Tachykardien (zu schnelle Herzfrequenz) der Herzkammern oder Herzkammerflimmern, übergehen.“ 

 

Lückenlose Betreuung von Bett zu Bett

Doch der Flug in die Heimat verläuft reibungslos, Praetz ist in den besten Händen. Am Stuttgarter Flughafen wartet bereits ein Rettungswagen (RTW) auf den Herzpatienten. Trabert und Lederer begleiten Praetz im RTW in das Klinikum Kirchheim-Nürtingen, um ihn dort sicher zur weiteren Behandlung an die Klinikärzte zu übergeben. „Bei jeder Patientenübergabe informieren wir die weiterbehandelnden Ärzte detailliert über den Verlauf des Fluges, über verabreichte Medikamente sowie über besondere Vorkommnisse“, so Lederer. Die hat es bei Werner Praetz nicht gegeben, der für die perfekte Organisation, die schnelle Rückholung und die lückenlose Betreuung von Bett zu Bett heute noch dankbar ist. „Wer weiß, was geschehen wäre“, sagt der 66-Jährige nachdenklich. Denn nach wenigen Tagen in der Kirchheimer Klinik stellt sich eine Bakterienansiedlung an einem der Defibrillatordrähte heraus. Das implantierte Gerät muss schnellstens entfernt und durch ein neues ersetzt werden.

 

Risikoreiche OP gut überstanden

Für diesen komplizierten Eingriff wird Werner Praetz in die Uniklinik Tübingen verlegt und dort mehrere Stunden von zwei Ärzteteams operiert. Nach sechs Wochen stationärem Aufenthalt und weiteren drei Wochen Reha betritt er am 27. April wieder spanischen Boden. Sein neuer Defibrillator gibt ihm jetzt wieder den korrekten Takt an.

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