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2009/01

Rettung in letzter Minute

Die  Mandeloperation war überstanden und der zweijährige Tayler war wieder zuhause bei seinen Eltern und Geschwistern. Ein Tag später jedoch passierte es: nach einem Einkauf in einem Supermarkt bekam er plötzlich eine Sturzblutung. Nie mehr wird die  junge Mutter wahrscheinlich die dramatischen Momente bis zur Rettung von Tayler vergessen können.

Im Sommer 2008 war der zweijährige Tayler nach einer Mandeloperation aus dem Krankenhaus nach Hause gekommen. Die behandelnden Klinikärzte hatten auf das Risiko einer Nachblutung hingewiesen. Die Mutter jedoch wollte ihren kleinen Sohn in seiner gewohnten Umgebung genesen lassen.

Die sechsköpfige Familie war zunächst wieder komplett und glücklich, dass ihr Sohn auf dem vermeintlichen Weg der Besserung war. Am Tag darauf ging die Mutter mit Tayler zum Kinderarzt, um seinen Gesundheitszustand noch einmal überprüfen zu lassen. Es schien alles in Ordnung. Gegen 14 Uhr fuhren Mutter und Sohn zum Einkaufen in einen Supermarkt nach Feucht. Tayler sollte sich als kleines Trostpflaster nach der Aufregung der vergangenen Wochen etwas zum Trinken aussuchen. „Zurück im Auto setzte der 2jährige die Flasche zum Trinken an, trank einen Schluck, hustete und ich sah, dass er Blut spuckte. Immer mehr. Er hörte nicht auf Blut auszuhusten“, erinnert sich die Mutter an die schrecklichen Minuten. In Panik packte die 39-Jährige ihren kleinen Sohn, rannte zurück in den Supermarkt und schrie um Hilfe. Das Supermarktpersonal und die Kunden reagierten schnell und jemand setzte den Notruf ab.

In der Zwischenzeit versuchte die Mutter ihren Sohn bei Bewusstsein zu halten.„Bleib bei mir mein Junge, bleib bei mir mein Junge“, flehte die Mutter verzweifelt ihren Sohn an und versuchte ihn wach zu halten und ihn zu beruhigen. Wenige Minuten später traf der bodengebundene Notarzt ein. Er versuchte die Atemwege per Absaugung wieder frei zu bekommen. Gleichzeitig musste die aufgelöste Mutter beruhigt werden. Die ebenfalls alarmierte Polizei hatte bereits den Einsatzort abgeriegelt. Aufgrund der dramatischen Situation wurde bei der Leitstelle Nürnberg der Rettungshubschrauber der DRF Luftrettung angefordert.

 

"Christoph 27" als letzte Rettung

„Die Alarmierung ging bei uns an der Station um 14:15 Uhr ein. Wir hörten Kindernotfall mit starkem Blutverlust und wussten, dass es hier um Leben und Tod ging“, berichtet Rettungsassistent Dirk Gockeler im Rückblick. Um 14:23 Uhr landete „Christoph 27“ direkt an der ca. 20 km entfernten Einsatzstelle in Feucht.

„Als wir Tayler sahen, hatte er schon sehr viel Blut verloren und er war nicht mehr bei Bewusstsein. Zudem befand sich der 2jährige im schwersten Schock und war nicht zu beatmen. Es war ein Wettlauf gegen die Zeit. Wir versuchten einen intravenösen Zugang zur Verabreichung von Medikamenten zu legen, doch dies misslang“, beschreibt Gockeler die Situation am Einsatzort.

„So wählten wir den intraossären Zugang, d.h. eine Maßnahme, die in der Medizin als ultima-ratio-Verfahren eingesetzt wird, sozusagen, wenn nichts anderes mehr geht“, erläutert Notarzt Dr. Jörg Niederreuther den Kampf um das Leben des Kindes. An Bord von „Christoph 27“ gibt es spezielle intraossäre Nadeln, die direkt in den Knochen eingedreht werden und so eine Medikamentengabe ermöglichen. Das war in diesem Fall die einzige Möglichkeit, das Leben des Jungen zu retten.

 

Gerade noch rechtzeitig

„Mithilfe eines neuen medizinischen Hand-Akkubohrers wurde die Spezialnadel schonend und präzise in den Knochen eingedreht“, beschreibt Dr. Niederreuther das Verfahren. So konnten endlich die lebenswichtigen Infusionen und die Medikamente zur Narkoseeinleitung verabreicht werden. Tayler wurde so in ein künstliches Koma versetzt und intubiert, was sich aufgrund der immer noch bestehenden Blutung als ebenso schwierig gestaltete.

Unter diesen medizinischen Maßnahmen stabilisierte sich der 2jährige langsam, so dass er in den Rettungshubschrauber gebracht werden konnte. Zwischenzeitlich hatte sich die Rettungsleitstelle um die Benachrichtigung der Zielklinik gekümmert, damit dort alles für die lebensrettende Operation vorbereitet werden konnte. Nach nur neun Minuten Flugzeit erreichte das Nürnberger Team die Zielklinik. Dort wurde der kleine Patient umgehend operiert.

 

Ohne Folgeschäden

Nach der Operation verbrachte Tayler noch mehrere Tage auf der Intensivstation. Er stabilisierte sich sehr schnell und konnte wenige Tage später aus dem Krankenhaus entlassen werden. „Wir können unsere Dankbarkeit gegenüber dem Team der DRF Luftrettung und dem bodengebundenen Rettungsdienst kaum in Worte fassen. Sie haben ihre Arbeit mehr als gut gemacht. Ohne das gute Zusammenspiel auch mit den anderen Einsatzkräften vor Ort hätte Tayler bestimmt nicht überlebt. Alle Zahnrädchen haben einfach ineinander gepasst“, bedankt sich die glückliche Mutter.

 

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