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2009/02

Und plötzlich rutscht das Radl weg

An seinem letzten Urlaubstag auf Gran Canaria stürzt Josef Haberl vom Fahrrad. Schnell ist klar: Er muss operiert werden. Einen Tag später ist bereits die Besatzung eines Ambulanzflugzeugs der DRF Luftrettung vor Ort, um den 44-Jährigen in eine deutsche Klinik zu fliegen.

Es sollte nur noch eine kurze Fahrt werden, Routine für einen erfahrenen Radler, der schon mehrfach die Alpen mit dem Fahrrad überquert hat. „Es war unser letzter Urlaubstag auf Gran Canaria“, erzählt Josef Haberl. „Ich wollte noch rasch einen geliehenen Helm zurückbringen und dann packen.“ An einem Kreisverkehr im Urlaubsort Playa del Inglés passiert es: Nach langer Trockenheit hatte es kurz geregnet, die Straße ist schmierig wie Seife. Als Haberl wegen eines Taxis plötzlich bremsen muss, rutscht blitzschnell das Vorderrad weg. Der 44-Jährige stürzt ungebremst auf die Hüfte, ein stechender Schmerz durchzuckt seine rechte Seite. Durch einen glücklichen Umstand sind Sekunden später bereits Sanitäter des Spanischen Roten Kreuzes zur Stelle, die den Verletzten in ein Krankenhaus bringen. Dort stellen die Ärzte fest, dass der Oberschenkelhals gebrochen ist. Haberl muss operiert werden.

Einsatzplanung durch die DRF Luftrettung

Nachdem der erste Schock überwunden ist, erinnern sich Josef Haberl und seine Lebensgefährtin Petra Aichele an ihre Mitgliedschaft beim DRF e.V. „Gleich am nächsten Morgen rief ich die Alarmzentrale an“, erzählt Aichele. Den Anruf nimmt Marco Prekur, Mitarbeiter des Mission Control Center (MCC) am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden, um 10:07 Uhr deutscher Zeit entgegen. Sofort verständigt er einen Mediziner im spanischen Alicante. „Wir haben in vielen Ländern Kontakt zu Ärzten, die für uns die medizinischen Gespräche vor Ort führen“, erklärt MCCTeamleiter Michael Zürn. Nach wenigen Stunden bekommt das MCC die Nachricht, dass ein Ambulanzflug für Josef Haberl notwendig ist.

„Wir haben sofort mit der Planung des Einsatzes begonnen“, berichtet Zürn, „und einen lückenlosen Bett-zu-Bett-Transport für den Patienten organisiert.“ Rückholungen aus dem Ausland gehören ebenso zu den Leistungen, die der DRF e.V. für seine Fördermitglieder bereithält wie etwa die Versorgung mit Blutkonserven oder dringend notwendigen Medikamenten, die sie im Ausland nicht erhalten. Auf die Repatriierung von Josef Haberl konzentrieren sich an diesem 2. Februar noch weitere Mitarbeiter der DRF Luftrettung. Pilot Miles Bennett ist im Büro beschäftigt, als der Alarm eingeht. „Ich machte mich sofort an die Flugplanung“, erinnert sich der erfahrene Learjet-Pilot. „Die Wetterdaten versprachen einen ruhigen Flug.“ Zusammen mit seinem Co-Piloten Joachim Zabler legt Bennett den Startzeitpunkt auf 16:30 Uhr fest – nur gut sechs Stunden nach der Alarmierung.

Zur selben Zeit überprüfen Rettungsassistet Jürgen Rapp und Notarzt Dr. Gerhard Zeeden die medizinische Ausrüstung des Learjets. „Wichtig waren vor allem Schmerzmittel, weil solche Frakturen für den Patienten sehr belastend sind“, erklärt Rapp. Nach vier Stunden und 15 Minuten landet das Team am Montagabend in Las Palmas. Rapp und Zeeden fahren sofort mit einem Taxi in die Klinik, um nach dem Patienten zu sehen. „Er war sehr erleichtert, als wir bei ihm eintrafen“, erinnert sich Rapp. Früh am nächsten Morgen betten die Luftretter den Patienten auf eine Vakuummatratze und bringen ihn mit einem Krankenwagen zum Flughafen. Vom Rückflug nach Oberpfaffenhofen ist Josef Haberl nachhaltig angetan: „Der Flug verlief völlig ruhig.“ Währenddessen sorgte die medizinische Crew dafür, dass Haberl möglichst schmerzfrei liegen konnte.

 

Viele Wochen an Krücken

Zwei Monate nach dem Unfall und mit langen Schrauben in der operierten Hüfte sitzt Josef Haberl zu Hause in Sachsenkam, einem Dorf bei Bad Tölz. „Seit zwei Tagen gehe ich ohne Krücken“, sagt er und lächelt.

Obwohl der Unfall ihn auch beruflich hart getroffen hat – die gemeinsame Reifenwerkstatt muss Josef Haberls Vater monatelang alleine führen –, ist dem begeisterten Sportler bewusst, dass es noch viel schlimmer hätte kommen können: Da die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für solche Auslandsrückholungen nicht übernehmen dürfen, wären auf Josef Haberl finanzielle Belastungen von mehreren 10.000 Euro zugekommen – wäre er kein Fördermitglied beim DRF e.V. „Das hat mich schon daran erinnert, dass man auf keinen Fall ohne Absicherung ins Ausland reisen sollte“, sagt er. Das Radfahren hat der Unfall dem sportlichen Oberbayern aber nicht verleidet: „Vorgestern bin ich schon wieder auf dem Fahrrad gesessen“, erzählt Haberl fröhlich.

 

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