In Neuhausen (Baden-Württemberg, Enzkreis) droht die achtjährige Laura Boehm an einem winzigen Spielzeug zu ersticken. Für Laura, ihre Mutter und die Besatzung des Leonberger Hubschraubers beginnen dramatische Minuten.

Ich hatte die Türklinke des Gartentürchens schon in der Hand, als ich ein merkwürdiges Geräusch hörte“, erinnert sich Pia Boehm. Ihre achtjährige Tochter Laura, die von Geburt an mit körperlichen Handicaps lebt, spielt in ihrem Zimmer. Bianca, die große Schwester, ist beim Reiten und Vater Frank hat Schichtdienst. Die Mutter ahnt sofort, dass etwas nicht stimmt, und rennt zurück ins Haus. Laura schnappt nach Luft. „Ihre Haut war ganz fahl und die Lippen blau angelaufen“, erzählt Pia Boehm. Das Mädchen gestikuliert, dass etwas in seinem Hals steckt. Die verängstigte Mutter hält ihre Tochter kopfüber und klopft ihr kräftig zwischen die Schulterblätter. Doch das Kind ringt weiter um Luft. In ihrer Not greift Pia Boehm zum Telefon und wählt die 112.
Sofort wird Christoph 41 der DRF Luftrettung alarmiert, parallel rücken zwei Ersthelfer des DRK aus dem Nachbarort aus. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Wenige Minuten nach dem Alarm landet Pilot Peter Stromm die EC 135 auf einer Wiese am Ortsrand von Neuhausen. Dort wartet bereits einer der Ersthelfer, um Notarzt Dr. Karl-Otto Walz und Rettungsassistent Joachim Böttinger zum Haus der Boehms zu bringen.

„Die Situation war zunächst sehr kritisch“, erinnert sich der Notarzt. „Doch schnell stellten wir fest, dass Laura zumindest noch ein wenig Luft bekam.“ Die Luftretter injizieren dem Mädchen zunächst ein leichtes Beruhigungsmittel. „Das war notwendig, damit wir Lauras Atemwege untersuchen konnten“, berichtet Böttinger. Wenig später entdeckt Dr. Walz die Ursache der lebensbedrohenden Situation: „Ich konnte es kaum glauben, aber da steckte tatsächlich eine winzige Porzellantasse aus einer Puppenstube hinter einer außergewöhnlich großen Rachenmandel fest.“ Mit einer Spezialzange versucht Dr. Walz, das glatte Porzellan zu greifen. „Das Tässchen war mit dem Boden zu mir erkeilt, deshalb konnte ich es erst beim zweiten Versuch fassen und entfernen“, erinnert sich der Notarzt an Minuten absoluter Konzentration.
Kaum ist der Fremdkörper entfernt, erholt sich Laura rasch. Nach einigen Minuten atmet sie wieder normal. „Weil Laura fast blind ist, nimmt sie immer wieder Gegenstände in den Mund, um sie besser erkennen zu können“, erklärt Pia Boehm zwei Monate nach dem Notfall.
„Dabei muss sie sich verschluckt haben, wie es Erwachsene manchmal mit einem Bonbon tun.“ Kurze Zeit nach dem Notfall ist im Hause Boehm wieder alles in Ordnung. Bianca liest ihrer kleinen Schwester aus deren Lieblingsbuch vor, ausnahmsweise dürfen die Mädchen im Bett sogar Schokoladeneis naschen. Besonders dankbar sind die Boehms für den schnellen, professionellen Einsatz der Luftretter. „Hier auf dem Land können wir auf Organisationen wie die DRF Luftrettung nicht verzichten, da die Luftretter im Notfall schnell vor Ort sein können“, benennt die 45-Jährige den Hintergrund, warum die Familie seit 2006 Fördermitglied im DRF e.V. ist. „Als die Helfer da waren, wusste ich, dass alles gut wird.“
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