Innerhalb von Sekundenbruchteilen ändert sich im Herbst 2006 das Leben von Nora Dietzel. Die junge Frau aus Dillstädt in Thüringen ist mit ihrer Mutter Irina auf dem Weg nach Meiningen. Beide kommen nur wenige Kilometer weit ...

Am Morgen des 18. September 2006 gehen in der Rettungsleitstelle Schmalkalden gleich mehrere Notrufe ein: Zeugen melden einen schweren Verkehrsunfall. Um 7:54 Uhr alarmiert der Einsatzdisponent den Suhler Hubschrauber der DRF Luftrettung. Parallel rücken Rettungswagen und die Feuerwehren aus Schwarza und Rohr aus. Wie die Polizei später ermittelt, war der Fahrer eines Pkw auf einer Ölspur ins Schleudern geraten und frontal mit dem Kleinwagen der Dietzels kollidiert. Durch die Wucht des Aufpralls war ihr Wagen von der Straße geschleudert worden. Doch daran haben Nora und Irina Dietzel keine Erinnerung mehr. Sieben Minuten nach der Alarmierung setzt Pilot Stefan Hippeli die EC 135 bereits zur Landung am Unfallort an. „Wir hatten an diesem Tag gute Flugbedingungen und konnten direkt neben der Unfallstelle auf einer Wiese landen“, erinnert er sich. Auch Rettungsassistent Michael Witfer ist der Einsatz im Gedächtnis geblieben: „Die junge Frau war auf der Fahrerseite in ihrem Auto eingeklemmt und sehr schwer verletzt worden. Wir wussten, dass es jetzt auf jede Minute ankommt.“

Während Mutter Dietzel bereits aus dem Wrack befreit ist und mit dem Rettungswagen in das Krankenhaus nach Suhl gefahren wird, injiziert Notärztin Dr. Steffi Schebera der Tochter ein Schmerzmittel und stabilisiert Atmung und Kreislauf. Zeitgleich bereiten sich die Feuerwehrleute darauf vor, das völlig zerstörte Auto mittels Hydraulikscheren so weit zu zerlegen, dass Nora schonend befreit werden kann. Witfer: „Danach haben wir die Patientin in ein künstliches Koma versetzt und sie für den Flug vorbereitet.“
Anschließend wird die junge Frau binnen weniger Minuten ins Meininger Klinikum geflogen. Die Tatsache, dass so schnell notärztliche Hilfe vor Ort war und die schwer verletzte Patientin so schonend wie möglich transportiert werden konnte, hat der jungen Frau vermutlich das Leben gerettet. Im Krankenhaus offenbart sich das ganze Ausmaß der Verletzungen: vierfacher Beckenbruch, offene Fraktur des linken Ellenbogens, Leber und Milz sind gerissen, die Lunge ist gequetscht, zudem weist die Patientin ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma und Platzwunden am Kopf auf. Sie wird sofort notoperiert, die Milz muss entfernt werden. Die Leber können die Ärzte hingegen retten. Tagelang schwebt die junge Frau in Lebensgefahr. Fünf Wochen wird sie im Krankenhaus bleiben, weitere fünf Wochen ist sie in einer Reha-Klinik, bis sie wieder einigermaßen sicher auf ihren noch schwachen Beinen steht.
Heute kann die selbstständige Kosmetikerin mit einigen Einschränkungen wieder arbeiten und freut sich über die treue Kundschaft, die während der schweren Zeit zu ihr gehalten hat. Dankbar ist sie vor allem auch für den schnellen und professionellen Einsatz ihrer Retter: „Es ist unheimlich wichtig, dass es Menschen gibt, die ihren Beruf so engagiert ausüben.“
Drei Jahre nach ihrem Unfall nutzte die heute 28-Jährige die Gelegenheit und besuchte die Station Suhl beim Tag der offenen Tür 2009. Und wie es der Zufall wollte, traf sie dort auf „ihren“ Rettungsassistenten – auch für Witfer ein bewegendes Erlebnis: „Nora lebt und ist fröhlich. Es tut einfach gut zu sehen, dass wir unseren Job gut gemacht haben.“
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