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Zurück ins Leben gekämpft

Zurück ins Leben gekämpft

Die dramatischen Wochen im Frühjahr 2009 wird Franziska Liebhardt ihr Leben lang nicht mehr vergessen. Die junge Würzburgerin wartet auf eine Lungentransplantation – und damit auf ein ganz neues Leben.

Von ihrer schweren Autoimmunerkrankung erfuhr Franziska Liebhardt im Jahr 2005. Ein Jahr später stellte sich heraus, dass neben vielen anderen gesundheitlichen Problemen auch die Lunge von der Erkrankung betroffen ist. Bei der heute 28-Jährigen wurde die Lunge bindegewebig umgewandelt, diese so genannte Lungenfibrose zerstörte das Organ nach und nach. „Bereits damals teilten mir die Ärzte mit, dass in absehbarer Zeit nur noch eine Spenderlunge mein Leben retten kann“, erinnert sich die junge Frau an die dunkelste Zeit ihres Lebens. Bereits knappe drei Jahre später tritt das Unvermeidliche ein: Am 5. Februar 2009 kommt Franziska Liebhardt auf die Warteliste der Organvergabezentrale Eurotransplant in den Niederlanden. Damals wird sie in ihrer Heimatstadt Würzburg klinisch behandelt. Schon Anfang März geht es der jungen Frau so schlecht, dass sie in der Warteliste von Eurotransplant in die Kategorie „Urgent – dringend“ hoch gestuft wird. Gleichzeitig wird sie in die Klinik Fallingbostel in Norddeutschland überwiesen, die auf die Versorgung schwer lungenkranker Patienten spezialisiert ist. Dorthin kann sie noch an Bord eines Rettungswagens mit Notarztbegleitung gebracht werden. Mitte März verschlechtert sich ihr Zustand jedoch dramatisch. Am 1. April 2009 entscheiden die Ärzte in Fallingbostel, Franziska Liebhardt in das Transplantationszentrum der Medizinischen Hochschule Hannover zu verlegen. Ein passendes Spenderorgan ist zwar noch nicht gefunden worden, wenn es aber soweit sein wird, zählt jede Minute.

 

Hubschrauber als schonendes Transportmittel

Um die schwer kranke junge Frau schnell und unter optimaler intensivmedizinischer Versorgung zu transportieren, wird der Bremer Intensivtransporthubschrauber der DRF Luftrettung alarmiert. Um 12.53 Uhr startet „Christoph Weser“ in Richtung Bad Fallingbostel, wo Pilot Martin Beitzel die rot-weiße Maschine nach einer knappen halben Stunde landet. Notarzt Dr. Frank Kallmeyer und Rettungsassistent Thorsten Freitag übernehmen die Patientin von den Klinikärzten. „Frau Liebhardt ging es schlecht. Ihre Lunge funktionierte nur unzureichend. Daher haben wir sie während des Fluges mit einem speziellen Verfahren unterstützend beatmet“, erinnert sich der Rettungsassistent. „Dabei ist es besonders wichtig die voreingestellten Beatmungsparameter nicht zu verändern. Daher mussten wir bei der Übernahme der Patientin die Beatmungsgeräte ebenso schnell wie sorgfältig tauschen“, erläutert Dr. Kallmeyer.

 

Transport unter optimaler Versorgung

Franziska Liebhardt hat positive Erinnerungen an den Flug: „Im Flugzeug habe ich immer ein wenig Flugangst. Da der Hubschrauber aber viel niedriger fliegt, empfand ich den Flug als angenehm. Zudem hat mir die Besatzung alles erklärt und sich sehr fürsorglich um mich gekümmert und mir Mut zu gesprochen.“ Während des Fluges überwacht die medizinische Besatzung kontinuierlich die Vitalwerte der Patientin, also Kreislauf und Atmung. Nach 21 Minuten landet Pilot Beitzel an der Medizinischen Hochschule in Hannover. „Wir haben die Patientin dort an die behandelnden Ärzte übergeben. Die gesamte Besatzung hat natürlich gehofft, dass rechtzeitig ein passendes Organ für sie gefunden wird.“ Mit dem Transport in eine Spezialklinik hat das Team von „Christoph Weser“ einen wichtigen Beitrag zum Kampf um Franziska Liebhardts Leben geleistet. Denn ein bodengebundener Transport hätte wesentlich länger gedauert und wäre für die geschwächte Patientin zu anstrengend gewesen. 

In Hannover kämpfen die Ärzte weiter um das Leben der jungen Frau. Am 17. April muss sie intubiert und vollständig durch Maschinen beatmet werden. Dann endlich, am 22. April, kommt die erlösende Nachricht: Eine passende Spenderlunge ist gefunden worden! Umgehend beginnen die Ärzte mit der Verpflanzung beider Lungenflügel.

12 Tage nach der lebensrettenden Operation kann Franziska Liebhardt  wieder auf die Normalstation verlegt werden – die 27-Jährige ist über den Berg. Mitte Mai wird sie zur Reha nach Bad Fallingbostel zurückverlegt und kann einen weiteren Monat später bereits nach Hause.

 

Dank an die Luftretter

Am 1. Juli 2009 checkt Pilot Martin Beitzel an der Bremer Station der DRF Luftrettung
E-Mails und erlebt eine schöne Überraschung: Eine Nachricht von Franziska Liebhardt, der Patientin, die er genau ein Vierteljahr zuvor in einem lebensbedrohlichen Zustand geflogen hatte.

„Ich habe mich sehr gefreut, von ihr zu hören. Sie schrieb, dass es ihr in der Zwischenzeit wieder richtig gut ginge und sie sich für den Einsatz der Besatzung bei ihrem Transport bedanken wollte“, berichtet er. Der Kontakt zwischen ehemaliger Patientin und dem Team von „Christoph Weser“ bleibt bestehen.

Um Abstoßungsreaktionen zu vermeiden, muss die junge Frau täglich rund 30 Tabletten einnehmen, kann jedoch ein fast normales Leben führen. Sie arbeitet in der Zwischenzeit wieder in ihrem Beruf als Physiotherapeutin und engagiert sich ehrenamtlich für andere Transplantierte. Das Thema Organspende in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken, ist ihr dabei eine Herzensangelegenheit: „Mit meinem positiven Beispiel will ich allen zeigen, dass die Organspende nicht nur eine Notlösung ist, sondern dass sie anderen Menschen eine ganz neue Lebensqualität schenken kann.“ 

Von Franziska Liebhardts außergewöhnlichem Kampfgeist und ihrer Lebensfreude konnten sich im Juni 2010 schließlich auch die Bremer Luftretter persönlich überzeugen: Bei einem Besuch an der Luftrettungsstation berichtete die passionierte Sportlerin von den deutschen Meisterschaften der Transplantierten, an denen sie am Folgetag teilnehmen wollte. Mit zwei Goldmedaillen im Hochsprung und Weitsprung, einer Silbermedaille im 100-m-Sprint und einer Bronzemedaille mit der Sprintstaffel qualifiziert sie sich dabei für die Europameisterschaften der Transplantierten in Dublin. Von dort kehrt sie, rund ein Jahr nach der lebensrettenden Transplantation, als dreifache Goldmedaillengewinnerin zurück. Franziskas weitere Zukunftspläne sind klar definiert: „Gesund und sportlich bleiben!“ 

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