Schnelle medizinische Hilfe ist notwendig, wenn sich ein Wanderer im Gelände verletzt oder ein Sportkletterer von einem Felsen stürzt. Können Rettungskräfte den Unfallort zu Fuß nur mühsam oder gar nicht erreichen, kommen die Rettungswinde oder das Fixtau eines Hubschraubers zum Einsatz.

Der Nürnberger Hubschrauber der DRF Luftrettung verfügt über eine fest installierte Rettungswinde. „Christoph 27“ wird damit nicht nur bei Notfällen in unwegsamem Gelände, sondern auch im Stadtgebiet, auf Hochhäusern, Funkmasten, Schornsteinen und Windkraftanlagen, angefordert. Bei Einsätzen im Gelände, im Waldgebiet und an Felsen wird mindestens ein Bergretter des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) mitgenommen. Bei Einsätzen an Gebäuden, Türmen, Schornsteinen, Masten, Windkraftanlagen und im Stadtgebiet fliegt mindestens ein Höhenretter der Berufsfeuerwehr Nürnberg mit.
Im alpinen Gelände Österreichs kommt der Winden- und Fixtaurettung eine noch größere Bedeutung zu. Daher ist der in Fresach stationierte ARA-Notarzthubschrauber RK-1 mit einer Winde und der in Reutte stationierte ARA-Notarzthubschrauber RK-2 mit einem Fixtausystem ausgerüstet.
Für neue Notärzte und Rettungsassistenten ist eine einmalige ausführliche Winden- bzw. Fixtaugrundausbildung vor Einsatz an den genannten Stationen Pflicht. Da es bei einem Rettungseinsatz mit der Winde bzw. dem Fixtau auf Teamarbeit ankommt, finden für die Besatzungen und ihre Partner in Nürnberg, Reutte und Fresach regelmäßige Wiederholungsschulungen statt. Diese Schulungen richten sich an die Crew-Mitglieder und werden nicht für Externe angeboten.
Die an der Station Nürnberg tätigen Notärzte und Rettungsassistenten müssen einmal im Jahr an einem Windentraining teilnehmen. Pro Jahr bietet die DRF Luftrettung zwei Windenschulungen in Zusammenarbeit mit der Höhenrettungsgruppe der Berufsfeuerwehr Nürnberg und Einsatzkräften der BRK- Bergwachten im Einsatzgebiet von „Christoph 27“ an.
Das Windentraining besteht aus einem mehrstündigen theoretischen Teil und einer Praxisphase an verschiedenen Stationen. Die Trainings finden sowohl im Stadtgebiet als auch in der Fränkischen Schweiz statt.
Die Rettungsassistenten, Notärzte und Bergretter trainieren das Abwinchen zum Unglücksort. Anschließend wird das Aufwinchen eines Patienten im Bergesack und der sichere Transport am Seil zu einer Zwischenlandestelle in Begleitung eines Retters geübt. Dieses Verfahren erfolgt in enger Abstimmung zwischen dem Piloten und dem Windenführer, auch Windenoperator genannt, der auf der Kufe des Hubschraubers steht, den Hubschrauberpiloten einweist und die Winde bedient.
Auch für die Besatzungen in Fresach ist einmal im Jahr ein Windentraining im umliegenden alpinen Gelände Pflicht. Zwei Termine stehen zur Auswahl. In Fresach finden die Trainings gemeinsam mit der Bergrettung und teilweise mit der Wasserrettung der umliegenden Seen statt. Nach einem theoretischen Teil schließt sich ein Praxisteil wie beim Windentraining in Nürnberg an.
Bei dem in Fresach eingesetzten Verfahren wird der Patient nach dem Aufwinchen noch während des Flugs in den Hubschrauber verladen. Dies bietet Vorteile für den Verunfallten, da die Landeplatzsuche im Hochgebirge und lange Transporte bei niedrigen Temperaturen außerhalb des Hubschraubers entfallen.
Der ARA-Notarzthubschrauber RK-2 verfügt über ein hoch modernes Fixtaurettungssystem. Halbjährliche Rettungsübungen mit dem Fixtau sind für alle auf dem RK-2 tätigen Notärzte, Notfallsanitäter und Bergretter Pflicht. Bestandteil des Fixtautrainings in alpinem Gelände ist das Absetzen von zwei Personen im Gelände. Geübt wird die Rettung einer Person im Bergesack, das Aufnehmen von Verletzten mit dem Seil aus dem Gelände und die Kapperbergung. Besonderes Augenmerk wird auf die exakten, vorher abgesprochenen Kommandos, die über Funk zwischen Pilot und Bergretter ausgetauscht werden, gelegt. Auch die medizinische Versorgung des Patienten am Einsatzort und am Zwischenlandeplatz wird trainiert.
Die Kapperbergung kommt insbesondere bei Kletterunfällen zur Anwendung, wenn eine Person mit einer eigenen Sicherung, zum Beispiel einem Seil, am Berg fixiert ist.
Piloten absolvieren eine mehrwöchige Schulung, um Windeneinsätze fliegen zu dürfen. Um Windenführer (Windenoperator) zu werden, durchlaufen Rettungsassistenten auch eine spezielle mehrwöchige Ausbildung. Diese findet zum Teil gemeinsam mit den Piloten statt. Die Schulung umfasst theoretische Grundlagen der Winde, Anflugverfahren sowie standardisierte Sprechkommandos. Diese standardisierten Verfahren sind wichtig, da die Besatzungen im Einsatzbetrieb in unterschiedlichen Konstellationen im Team zusammen arbeiten müssen. Nach der abgeschlossenen Grundausbildung, einem Überprüfungsflug und weiteren Übungsflügen dürfen die Piloten Windeneinsätze fliegen.
Der „Windenoperator in Ausbildung“ muss nach seiner Grundausbildung unter Aufsicht eines erfahrenen Windenoperators weitere Flüge absolvieren, um nach einigen Wochen dann Windeneinsätze eigenverantwortlich durchführen zu dürfen. Windenpiloten und Windenoperator besuchen halbjährlich eine gemeinsame Wiederholungsschulung, um ihren Kenntnisstand aufzufrischen bzw. zu vertiefen.