25.03.2021 |
Technik

EASA startet Pilotprojekt im Fachbereich Part-21/ Entwicklungsbetrieb der DRF Luftrettung

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Die Kollegen des Fachbereichs Part-21/Entwicklungsbetrieb mit der im Jahr 2020 entwickelten Bodenplatte für EpiShuttles. (Quelle: DRF Luftrettung)
Die Kollegen des Fachbereichs Part-21/Entwicklungsbetrieb mit der im Jahr 2020 entwickelten Bodenplatte für EpiShuttles, für die ein Supplemental Type Certificate (STC) notwendig ist. (Quelle: DRF Luftrettung)

Die europäische Flugaufsichtsbehörde EASA bewilligt in einem Pilotprojekt mit dem Fachbereich Part-21 der DRF Luftrettung dessen interne Independent-System-Monitoring (ISM)-Audits, also die unabhängige System-Überwachung durch fortlaufende Prüfung von Unterlagen und Dokumenten. Die Behörde verzichtet deshalb für den Zeitraum von April 2021 bis April 2022 auf eigene Überwachungsaudits. Ein Zeichen für die hohe Qualität der fachbereichsinternen Prozesse und das Vertrauen, das die Behörde der DRF Luftrettung zuspricht. „Es ist uns gelungen, einen Prozess aufzusetzen, der auf die Prozesse innerhalb der DRF Luftrettung zugeschnitten ist und gleichzeitig die Bedürfnisse der EASA vollumfänglich zufrieden stellt“, resümiert Frank Sommer, Head of Independent System Monitoring (HoISM), DRF Luftrettung.

Mitte 2018 übernahm Bülent Pehlivan die Position des Design Organisations Approval Team Leaders (DOATL) EASA und damit auch die Überwachungsaudits bei der DRF Luftrettung. „Zum damaligen Zeitpunkt haben wir uns mit der EASA darüber ausgetauscht, welches System für die DRF Luftrettung sinnvoll sein könnte“, erinnert er sich. „Wir“, das heißt Bülent Pehlivan mit Frank Sommer als Sparringspartner, der in seiner Funktion als HoISM bei der DRF Luftrettung sämtliche Audits im Fachbereich Part-21/Entwicklungsbetrieb betreut.

Pilotprojekt: Qualitätssteigerung bei gleichzeitiger Kosten- und Zeitersparnis

Beiden fiel auf, dass im Anschluss an die konventionell durchgeführten Audits jeweils viele Findings mit hohem Zeitaufwand abzuarbeiten waren. Die Kollegen entschieden deshalb, Spezialist*innen bei der DRF Luftrettung zu benennen, die sich ausschließlich mit den Themen ihres Fachbereichs befassen. So können beispielsweise Dokumente sofort an regulative Anforderungen angepasst werden. „Wir haben dadurch die Möglichkeit, direkt gegenzusteuern, bevor diese an die Behörden gehen“, resümiert Frank Sommer. Die Implementierung eines solch effizienten System-Monitorings war für die EASA Grundvoraussetzung, um dem Entwicklungsbetrieb der DRF Luftrettung einen Vertrauensvorschuss anzubieten: in Form der intern durchgeführten Audits, die als adäquate Überwachung anerkannt sind. Möglich wurde das Pilotprojekt unter anderem auch, weil die STCs (Supplemental Type Certificate, ergänzende Musterzulassung; erforderlich bei erheblichen Veränderungen am Luftfahrzeug) der DRF Luftrettung von der EASA nicht als kritisches und nicht komplexes System eingeordnet werden.

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Frank Sommer, Fachbereich Part-21/Entwicklungsbetrieb (Quelle: DRF Luftrettung)
Es ist uns gelungen, einen Prozess aufzusetzen, der auf die Prozesse innerhalb der DRF Luftrettung zugeschnitten ist und gleichzeitig die Bedürfnisse der EASA vollumfänglich zufrieden stellt.
Frank Sommer, Head of Independent System Monitoring (HoISM), Fachbereich Part-21/Entwicklungsbetrieb, DRF Luftrettung.

Nach dem letzten Überwachungsaudit im April 2020 wird nun für den Folgezeitraum ab April 2021 auf ein solches verzichtet. Die Systemüberwachung wird auf Basis der internen Audits und kontinuierlichen Überprüfungen durchgeführt. „Wir freuen uns über das Vertrauen, das die EASA uns entgegenbringt. Auch unsere Kundinnen und Kunden profitieren davon: Der Zeitaufwand, den ein EASA-Audit inklusive Durchführung, Vor- und Nachbereitung erfordert, entfällt. Die dadurch eingesparte Zeit kommt anderen Projekten zugute“, erklärt Frank Sommer. Ein gut funktionierendes ISM eines Entwicklungsbetriebs spiegelt sich in der Gesamtperformance der Design Organisation wider: Das Level of Involvement kann reduziert werden – also die Stärke und Intensität, mit der die EASA die eingereichten Nachweis Unterlagen des Entwicklungsbetriebes prüft und an vorgesehenen Tests teil nimmt. Dadurch können STCs besser geplant und Termine zuverlässiger eingehalten werden.

 „Das spart Zeit und Kosten: Sowohl bei der DRF Luftrettung als auch bei der EASA“, fügt Bülent Pehlivan hinzu. Kund*innen, die Minor Changes, also geringfügige Änderungen am Luftfahrzeug, oder ein STC einkaufen möchten, profitieren ebenfalls – von verkürzten Wartezeiten.

Regelmäßige Checks durch die Behörde

Ganz ohne die EASA geht es aber auch in Zukunft nicht: Im Drei-Jahres-Turnus werden Überwachungsaudits durchgeführt, das nächste Mal also im April 2022. Dann sind die Expert*innen der Behörde wieder vor Ort. Es handelt sich allerdings nicht um eine allgemeine und unlimitierte Bewilligung. Viel mehr wird von Fall zu Fall – in der Regel zum Ende des Bewertungsjahres – erneut entschieden. So kann zum Beispiel die Implementierung von signifikanten Änderungen auch eine Vor-Ort-Sichtung erfordern, weiterhin führt eine verschlechterte DOA-Performance zum Aussetzen dieser Arbeitsweise.

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Bülent Pehlivan, Design Organisations Approval Team Leader (DOATL), EASA. (Quelle: Bülent Pehlivan)
Wenn sich das Projekt bei der DRF Luftrettung bewährt, möchten wir es anderen Entwicklungsbetrieben zur Implementierung vorschlagen.
Bülent Pehlivan, Design Organisations Approval Team Leader (DOATL), EASA.

In Abhängigkeit von der Effizienz der Arbeit des HoISM, Frank Sommer, wird dann über die Beibehaltung dieser effizienten und kollaborativen Arbeitsweise entschieden. Auch Sample-Checks mit Expert*innen, die einzelne Projekte der DRF Luftrettung bewerten, sind für Mitte des Jahres 2021 vorgesehen. Das Ziel dahinter: Die Kolleg*innen aus der Zulassung der gemeinnützigen Organisation sollen durch den EASA PCM ein konstruktives Feedback zu den abgeschlossenen Projekten erhalten. „Mir ist es im Rahmen des Pilotprojekts wichtig, die Relevanz einer guten ISM-Funktion in der Organisation zu stärken“, sagt Bülent Pehlivan. „Wenn sich das Projekt bei der DRF Luftrettung bewährt, möchten wir es anderen Entwicklungsbetrieben zur Implementierung vorschlagen.“

 

Autorin: Claudia Ziegler, PR-Referentin

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