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21.12.2015 | News-Bericht

20 Jahre Christoph Niedersachsen

Dass der rot-weiße Hubschrauber der DRF Luftrettung täglich vom Flughafen Hannover aus starten kann, ist zu großen Teilen Stationsleiter Achim Bickel zu verdanken. Der Pilot hatte die Station vor über zwanzig Jahren aufgebaut. Eine der vielen Herausforderungen war die Suche nach einem geeigneten Standort. Über einen Bekannten erhielt er schließlich Büros in der Flughafenhalle einer deutschen Fluggesellschaft. Ein Standplatz für den Hubschrauber war ebenfalls vorhanden. Am 1. Oktober 1995 konnte es schließlich losgehen, seither fliegt die Besatzung von Christoph Niedersachsen Intensivpatienten, die für eine bessere Versorgung ihrer Verletzungen oder Erkrankungen zwischen Kliniken transportiert werden müssen.

Auf den mühsamen Aufbau folgten weitere Schwierigkeiten: „Damals gab es noch keine Koordinierungsstelle, jeder Betreiber von Intensivtransporten in Niedersachsen musste die Einsätze selbst koordinieren“, erinnert sich Achim Bickel. „Wir mussten also erst einmal unsere Bekanntheit bei den Kliniken steigern, damit diese uns bei Bedarf überhaupt einsetzten.“ An manchen Tagen flog die Besatzung keinen einzigen Einsatz, an guten Tagen waren es gerade mal zwei.

Einmal kam es sogar vor, dass neben Christoph Niedersachsen auch ein anderer Hubschrauber an einer Klinik eintraf – um denselben Patienten zu transportieren. „Zum Glück gibt es nun seit 1998 die KoST Niedersachsen, die sämtliche Intensivtransporte im Land koordiniert. Und unser Hubschrauber ist offiziell vom Land für die Durchführung von Intensivtransporten beauftragt.“

Viele Dinge haben sich in den 20 Jahren verändert: War der erste Hubschrauber noch eine Bell 222, fliegt die Besatzung nun eine EC 145. „Diese ist viel geräumiger als frühere Modelle, was eine bessere Arbeit am Patienten ermöglicht. Gleichzeitig ist die Reichweite des Hubschraubers gestiegen, wir können also deutlich längere Strecken fliegen, ohne zu tanken. Zudem verfügt die EC 145 über einen Autopiloten, der uns Piloten bei Nacht oder bei schlechtem Wetter eine große Erleichterung bietet.“

Auch die Medizintechnik hat sich deutlich verbessert. So hat sich Christoph Niedersachsen beispielsweise auf ECMO-Transporte spezialisiert, die vor zwanzig Jahren noch gar nicht möglich gewesen wären. „ECMO steht für extrakorporale Membranoxygenierung. Dabei handelt es sich um eine künstliche Lunge, die vorübergehend die menschliche Herz-Kreislauf-Funktion übernimmt. Sie wird bei einer schweren Herzleistungsschwäche, Lungenerkrankung oder kombinierten Herz-Lungen-Erkrankung eingesetzt. Waren die ersten Geräte noch nicht transportierbar, sind sie über die Jahre immer kleiner, leichter und besser geworden – ideal also für den Einsatz im Hubschrauber. Damit können wir heute Menschen helfen, die vor zwanzig Jahren vielleicht nicht überlebt hätten“, so Pilot Achim Bickel.

Eines hat sich in den zwei Jahrzehnten allerdings nicht geändert: Schon immer ist Christoph Niedersachsen rund um die Uhr einsatzbereit, an 365 Tagen im Jahr. „Nachts sind wir sogar der einzige Hubschrauber, der Intensivpatienten in niedersächsische Kliniken transportiert. Meistens fliegen wir dann die Medizinische Hochschule Hannover, das Nordstadt Krankenhaus in Hannover, die Uniklinik Göttingen oder auch das Herz-Kreislaufzentrum in Bad Rothenfelde an. Die Uniklinik Göttingen und die Medizinische Hochschule Hannover stellen eigene ECMO-Teams – meist ein Kardiotechniker und ein Anästhesist –, mit denen wir die ECMO-Transporte in der Regel durchführen.“

Neben dem Intensivtransport wird Christoph Niedersachsen jedoch auch für die Notfallrettung eingesetzt, wenn er dafür benötigt wird. „Ein gutes Drittel unserer jährlich rund 900 Einsätze bilden Notfalleinsätze“, weiß Pilot Achim Bickel, für den es ein großes Glück ist, bereits seit 20 Jahren an „seiner“ Station arbeiten zu dürfen. „Die Rettungsfliegerei ist einfach etwas Besonderes, der Zusammenhalt im Team ist super, alle ziehen an einem Strang. Nur gemeinsam kann im Einsatz alles optimal funktionieren. Und genau das ist unser Ziel, schließlich geht es darum, Menschen zu helfen.“

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