01.02.2011 | Rettungsbericht

Aus heiterem Himmel

  • Renate und Herbert Pfadenhauer

Im Mai 2010 werden Renate und Herbert Pfadenhauer bei einer Motorradausfahrt vom Blitz getroffen und schwer verletzt. Der Nürnberger Hubschrauber der DRF Luftrettung war bereits kurz nach der Alarmierung am Einsatzort. Dank der schnellen Rettung können die beiden schon wenige Wochen später ihren Alltag wieder selbst bewältigen. Was bleibt, ist ein mulmiges Gefühl bei Gewitter.

In Erinnerung an ein Gewitter

Im April 2011 kam es in Süddeutschland zu teils heftigen Gewittern. Wie es dabei wohl Renate und Herbert Pfadenhauer aus dem fränkischen Windheim in dieser Zeit ergangen sein mag? Ein Jahr zuvor waren die beiden bei einer Motorradausfahrt von einem Gewitter überrascht worden. Das Ehepaar war fast zu Hause, als der Gewitterregen einsetzte. Nur noch wenige hundert Meter bis Windheim ... die letzte Kuppe. Bis heute erinnert sich Renate Pfadenhauer nicht an den Moment, als mehrere 100.000 Volt durch ihren Körper zuckten. „Plötzlich lag ich auf der Straße, der Blitz muss mich von der Sitzbank gerissen haben.“ Diesen Ruck spürt auch ihr Mann Herbert. Und die Hitze, die ihm den Rücken verbrennt. „Ich wusste gleich, was passiert war.“ Er dreht sich nach seiner Frau um – doch die ist nicht mehr da! Mit letzter Kraft bringt er die Maschine nach rund 100 m zum Stehen, doch Arme und Beine gehorchen ihm schon nicht mehr. Auf allen Vieren schleppt er sich zu der Stelle, an der seine Frau liegt. Dann hören die beiden auch schon den Rettungswagen aus dem benachbarten Buchbach herannahen. Ein Autofahrer, der am Unfallort vorbeigekommen war, hatte den Notruf abgesetzt.

Starke Verbrennungen

Herbert und Renate Pfadenhauer haben durch den Blitzeinschlag Verbrennungen erlitten. Beim Ehemann werden in der Klinik zudem Herzrhythmusstörungen festgestellt und entsprechend behandelt. Während bodengebundene Rettungskräfte den 60- jährigen für den Transport in eine Klinik vorbereiten, nehmen weitere Einsatzkräfte seiner Frau den Helm ab und schneiden den Motorradanzug auf. „Jacke und T-Shirt – alles war verschmort“, erinnert sich die 60-jährige Fränkin. Im Bruchteil einer Sekunde war der Blitz durch ihren Körper geschossen. Dabei hatte sich die Halskette tief in die Haut gebrannt und ein Ohrring aus massivem Gold war teilweise geschmolzen. Blut lief aus dem linken Ohr, „ich konnte meine Beine nicht mehr spüren, was mich sehr beunruhigt hat.“ Das sagt Renate Pfadenhauer auch der bodengebundenen Notärztin, die über die Leitstelle sofort einen Hubschrauber nachfordert. „Bei der Patientin bestand der Verdacht auf ein Schädel-Hirn-Trauma und eine Wirbelsäulenverletzung, daher musste sie so schnell und schonend wie möglich in eine Spezialklinik transportiert werden“, bestätigt Zoltan Nick, Rettungsassistent der DRF Luftrettung, die Entscheidung der bodengebundenen Notärztin. Gemeinsam mit Pilot Tilman Blaich und Notarzt Dr. Torsten Birkholz hatte Zoltan Nick an jenem 24. Mai 2010 Dienst an Bord des Nürnberger Rettungshubschraubers. „Wir hatten gerade einen Patienten in das Klinikum Bayreuth gebracht und waren auf dem Rückweg zur Station, als uns die Leitstelle Coburg nach Windheim anforderte“, so Nick. Kurz darauf trifft die Hubschrauberbesatzung am Unfallort ein, das Gewitter hatte sich verzogen. „Die Patientin war notfallmedizinisch bereits versorgt, sodass wir sie auf eine Vakuummatratze gebettet und für den Flug in die Klinik vorbereitet haben“, berichtet Nick. Die nächstgelegene Klinik, die auf die Behandlung von Renate Pfadenhauers Verletzungen spezialisiert ist und ein freies Bett hat, ist in Erlangen.

Weniger als 30min für 100km

In weniger als 30 Minuten bewältigt Christoph 27 die etwas 100 km lange Strecke. Eine Fahrt mit dem Rettungswagen hätte etwa das Dreifache an Zeit in Anspruch genommen. In Erinnerung an diesen Flug geht Renate Pfadenhauer heute ein Lächeln über die Lippen: „Ich hatte gleich das Gefühl, bei der Hubschrauberbesatzung in guten Händen zu sein. So fühlte ich mich schnell besser. Doch das Schönste war: Ich konnte meine Beine wieder spüren.

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