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30.10.2017 | News-Bericht

Das Optimale herausholen

  • Bei gemeinsamen Flugbewegungen mit Airbus-Instruktor Florian Faller (rechts) holt sich Peter Flohr, Pilot der DRF Luftrettung in Dresden, letzte Tipps für die maximale Nutzung aller Möglichkeiten der neuen Technik im Einsatz.
    Bei gemeinsamen Flugbewegungen mit Airbus-Instruktor Florian Faller (rechts) holt sich Peter Flohr, Pilot der DRF Luftrettung in Dresden, letzte Tipps für die maximale Nutzung aller Möglichkeiten der neuen Technik im Einsatz.
  • Rettungspilot Peter Flohr (links), Pilot von Christoph 38, ist beeindruckt von den  vielfältigen Konfigurationsmöglichkeiten der großen Bildschirme im Cockpit der H 135. Denn diese erlauben jederzeit eine ideale Anpassung an die jeweilige Einsatzsituation.
    Rettungspilot Peter Flohr (links), Pilot von Christoph 38, ist beeindruckt von den vielfältigen Konfigurationsmöglichkeiten der großen Bildschirme im Cockpit der H 135. Denn diese erlauben jederzeit eine ideale Anpassung an die jeweilige Einsatzsituation.
  • Mit den modernen Hubschraubern werden im praktischen Teil des „Differences Trainings“ auch Notverfahren wie die Landung mit nur einem Triebwerk geübt. Diese ist wie bei allen in der Flotte befindlichen Hubschraubern der DRF Luftrettung gefahrlos möglich.
    Mit den modernen Hubschraubern werden im praktischen Teil des „Differences Trainings“ auch Notverfahren wie die Landung mit nur einem Triebwerk geübt. Diese ist wie bei allen in der Flotte befindlichen Hubschraubern der DRF Luftrettung gefahrlos möglich.
  • Peter Flohr kehrt von einem gemeinsamen Übungsflug mit dem Airbus-Fluglehrer zurück zum „Operation-Center“.
    Peter Flohr kehrt von einem gemeinsamen Übungsflug mit dem Airbus-Fluglehrer zurück zum „Operation-Center“.
  • Pilot Peter Flohr bei der Nachflugkontrolle.
    Pilot Peter Flohr bei der Nachflugkontrolle.

Immer wieder taucht ein gleißend-heller Lichtpunkt am Horizont über dem Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden auf. Mit eingeschaltetem Landescheinwerfer sinkt eine der beiden neuen H 135 fast ganz zu Boden, setzt scheinbar Sekunden später auf – doch fliegt dann mit einer langgezogenen Linkskurve erneut davon. Schon den ganzen Tag geht das so hier am OPC, dem in der Gemeinde Rheinmünster gelegenen „Operation-Center“ der DRF Luftrettung.

„Derzeit absolvieren unsere erfahrensten Fluglehrer ein intensives Training mit einem Airbus-Instruktor. Das Wissen, das die Fluglehrer dabei erwerben, geben sie später an ihre Piloten-Kollegen der DRF Luftrettung weiter“, erläutert Rüdiger Bosch die merkwürdigen Flugbewegungen. Bosch leitet den Bereich ATO – „Approved Training Organisation“, also die Flugschulung der gemeinnützig tätigen Luftrettungsorganisation. Er betont, dass sich mit dem Wechsel der Baureihe von der EC 135 zur H 135 alle Piloten, die auf ihren Stationen diesen modernsten Hubschrauber fliegen sollen, vorab dem „Differences Training“, der „Unterschiedsschulung“ stellen. „Der Pilot muss sehr routiniert mit den Systemen in seiner Maschine umgehen. Er hat im Einsatz nicht die Zeit, sich darum zu kümmern, wie etwas funktioniert oder welchen Knopf er für welche Anzeige im neuen Glascockpit der H 135 drücken muss“, führt Bosch aus. „Darum üben wir das gründlich, bevor ein Pilot damit in den Einsatz geht.“

Ein Monitor fällt aus: Wie kann der Pilot die von ihm benötigte Information in der H 135 dennoch abrufen? Welchen Ersatz hat der rot-weiße Hubschrauber an Bord? Was, wenn ein System nicht mehr so arbeitet, wie es soll? „Dafür trainieren wir hier Notverfahren, damit auch in einem solchen Moment, sollte er jemals vorkommen, keine Gefahr für die Besatzung, die Patienten oder die Bevölkerung entstehen kann“, erklärt Rüdiger Bosch. Und so fliegen seine Leute draußen „Platzrunde“ um „Platzrunde“, landen vielfach – erst ganz normal. Im nächsten Durchgang fliegen sie kontrolliert mit einem nicht optimalen Winkel an, um zu erfahren, wie die H 135 reagiert. Beim darauffolgenden Landeanflug wird sogar ein Triebwerk abgestellt und damit erlernt, wie der rot-weiße Hubschrauber dennoch ganz sicher zu Boden gebracht werden kann. „Wir üben an Notverfahren wirklich alles, was man in der Maschine simulieren kann“, verdeutlicht Rüdiger Bosch das hohe Niveau des Trainings.

Es werden über die nächsten Monate immer wieder Piloten zu „Unterschiedsschulungen“ auf den Flughafen im Badischen kommen, sich in der einwöchigen Theorie und bei Übungsflügen in insgesamt viereinhalb Stunden Flugzeit perfekt vertraut machen mit der neuen Technik. Alles, was bei der Entwicklung der H 135 eine Veränderung erfahren hat, thematisiert die Fortbildungsmaßnahme. Die notwendige Flugzeit ist dabei ein Minimum, das nicht unterschritten werden darf. „Weniger machen wir auf keinen Fall, aber wir überschreiten diese Dauer jederzeit, falls wir es für nötig halten und ein Pilot noch Schulungsbedarf hat“, unterstreicht Rüdiger Bosch. Nach der Unterschiedsschulung kenne selbstverständlich jeder Pilot alle neuen Funktionen der H 135, könne beispielsweise den hinzugekommenen Autopiloten sicher bedienen, schildert ATO-Leiter Bosch. „Im Anschluss an die Unterschiedsschulung darf der Pilot dennoch mit der H 135 noch nicht alleine los!“, mahnt er. Es folge eine Supervisionsphase, während der ein erfahrener Kommandant im Einsatz mit dem Piloten mitfliegt, ihm eine Zeit lang Tipps gibt. „Und er zeigt ihm manchen Kniff“, beschreibt Rüdiger Bosch. Dabei gehe es zum Beispiel um die Frage: „Wie mache ich mir den Autopiloten optimal zu nutze, hole im Einsatzgeschehen das Maximale aus dieser neuen technischen Unterstützung heraus, die die EC 135 nicht hat?“

Jérôme Gehri ist ein Kollege Rüdiger Boschs und Fachbereichsleiter Besatzungsschulung. Er nennt einen weiteren Grund, warum bei der DRF Luftrettung durch zusätzliche Maßnahmen grundsätzlich der höchstmögliche Ausbildungsstandard der Piloten angestrebt wird, für den Fördermittel unverzichtbar sind: die hohe Flugsicherheit der DRF Luftrettung! Gehri – selbst erfahrener Rettungsflieger – erläutert: „Je wohler ich mich auf der Maschine fühle, desto sicherer bewege ich sie natürlich. Das neue digitale Cockpit ist eine super Sache. Aber: Es ist eine Umstellung. Das Auge nimmt die Werte des Hubschraubers ganz anders wahr als bei den herkömmlichen Anzeigen. Ich habe nicht mehr irgendwelche Zeiger, sondern viele Zahlen nebeneinander stehen und nur noch einen grafischen Balken. Und da schafft die Supervision zusätzliche Handlungssicherheit. Ich habe jemanden nebendran sitzen, der mich beaufsichtigt, ebenso mal Hinweise gibt.“

Durchschnittlich haben Piloten der DRF Luftrettung zwar enorme 5.000 Flugstunden Erfahrung, ja brauchen bis zu 2.000 Stunden, ehe sie überhaupt bei der Organisation anfangen dürfen. Doch zur höchstmöglichen Sicherheitskultur der DRF Luftrettung gehört, dass selbst die größte Erfahrung kein Freibrief ist – weshalb sich auch die gestandensten Hubschrauberkommandanten immer wieder Schulungen und anschließenden Überprüfungen stellen müssen. Damit der Erfolg beim Kennenlernen der H 135 gesichert ist, erstellt der Supervisionskommandant jeden Tag einen vierseitigen Supervisionsbericht, den Rüdiger Bosch und Jérôme Gehri auf den Schreibtisch bekommen und prüfen. Jeder derzeitige Schulungsflug mit einem Fluglehrer in Rheinmünster wird ebenso vor- und nachbesprochen sowie bewertet. Und ganz zum Schluss überzeugt sich ein Prüfer bei einem „Checkflug“ davon, dass der geschulte Pilot über alle gewünschten Kenntnisse verfügt. Mit Unterschiedsschulung sowie tagesaktueller Bewertung, Checkflug und Supervision durchläuft ein Kommandant der DRF Luftrettung somit mindestens drei Instanzen, ehe er mit der H 135 alleine abheben darf.

Das gesamte Supervisionsverfahren sei zur Qualitätssicherung notwendig, begründet Gehri den enormen Aufwand: „Es ist einfach so, dass unsere Einsätze sehr komplex und fordernd sind: Wir dürfen keine Zeit verlieren, möglichst schnell am Einsatzort, beim Patienten sein. Die Supervision führt dazu, dass ich mich in dem Moment, in dem ich im Einsatzgeschehen bin, bereits so sicher fühle auf der Maschine, dass ich ohne Zeitverluste und ‚ohne nachzudenken‘ die gleiche Qualität der Arbeit leisten kann, wie ich es mit dem Vorgängermodell getan habe.“ Es gibt keine gesetzliche Vorschrift, die bei einer Unterschiedsschulung eine Supervision vorsieht. Die DRF Luftrettung führt den zeitintensiven Prozess dennoch durch: „Weil ein signifikanter Unterschied zwischen den Baureihen EC 135 und H 135 besteht. Deswegen halten wir es für richtig, dass eine Supervision stattfindet. Sie ist zur Qualitätssicherung äußerst wichtig.“ Außerdem, so der Leiter des Fachbereichs Besatzungsschulung weiter, gehe jeder Pilot anschließend routinierter mit seinem neuen Arbeitsgerät um. Eine große Routine in der Bedienung sei mitunter ein wesentlicher Grund dafür, dass die Crew zwei oder drei Minuten eher bei einem Menschen in Not eintrifft – Minuten, die bei Wirbelsäulenverletzungen, über eine drohende Querschnittslähmung entscheiden. „Und neben der Flugsicherheit ist die Schnelligkeit darum ein wesentlicher Bestandteil der Qualität, die wir jeden Tag erreichen wollen“, sagt Jérôme Gehri abschließend. Diese Qualität entstehe allein über Maßnahmen wie eine umfassende Ausbildung – und die in diesem Umfang nur mit Hilfe unserer Förderer möglich sind.

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Auf der organisationseigenen Werft der DRF Luftrettung erfolgt die Einrüstung der Maschinen. Sämtliche Medizintechnik wie Beatmungsgeräte, die Trage oder Halterungen für Spritzenpumpen wird dort eingebaut, um die H 135 für ihre Einsätze bestmöglich auszustatten.
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