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16.09.2013 | Rettungsbericht

"Das pure Glück!"

  • Der schnelle Transport mit dem Ambulanzflugzeug der DRF Luftrettung hat Barbara Vogel vor der Dialyse bewahrt.

Als Barbara Vogel am 29. Mai 2012 ins Ambulanzflugzeug der DRF Luftrettung am Flughafen Stuttgart gebracht wird, übermannt sie eine Euphorie, wie sie sie in den Jahren davor nur selten verspürte. „Auch während des Flugs schien sie glücklich und voller Hoffnung, dass alles gut klappt“, erinnert sich Raimund Kosa, der an diesem Abend als Rettungsassistent an Bord des Learjet 35 der DRF Luftrettung im Einsatz ist. Der nächste Akt ihrer persönlichen Odyssee führt Barbara Vogel erneut nach Rostock. Die Zeit drängt, Ungewissheit plagt sie, wie damals, rund vier Jahre zuvor, als ihr Leben sich schlagartig änderte.

Am Morgen des 12. August 2008 befindet sich Barbara Vogel gerade in ihrem Garten, als sie plötzlich einen heftigen Schmerz im Brustbereich spürt, der in die Beine und den Nierenbereich ausstrahlt. Im Krankenhaus folgt wenig später die erschütternde Diagnose: Aortendissektion, die innere Schicht der Aorta ist gerissen. Zudem zeigt die Niere – schon von Geburt an hat Barbara Vogel nur eine – Hinweise auf Embolien. „Drei bis vier Wochen befand ich mich in akuter Lebensgefahr“, erzählt die heute 52-Jährige. „Meinem Mann sagten sie, man könne nur abwarten. Wir hofften, dass alles gut geht, dass ich wieder fit werde und meinem Platz im Leben wieder einnehmen kann.“

Ihr Platz im Leben, das war bis dahin die Rolle der liebevollen Ehefrau Ihres Mannes, der fürsorglichen Mutter einer Tochter und eines Sohnes, der zuverlässigen Mitarbeiterin im Rechnungswesen eines Immobilienunternehmens. Reisen in ferne Länder, Radtouren, Wandern und Skifahren – die Abenteuerlust war stets ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens. Nun sollte alles auf der Kippe stehen.

„Sie sagten, es sähe nicht gut aus“

Die ersten Wochen und Monate nach der Diagnose sind geprägt von Ungeduld und Ungewissheit. Nach der stationären Therapie beginnt im Oktober 2008 die Rehabilitation im Schwarzwald. Ihre Ärzte zeigen sich weiterhin besorgt über den Zustand der Patientin. „Sie sagten, es sähe nicht gut aus, die Lebenserwartung wäre gering, wenn man nicht bald etwas unternähme“, erinnert sich Barbara Vogel. Erstmals wird daraufhin die Uniklinik Rostock kontaktiert, eine der führenden interventionellen Kardiologien, da ein operativer Eingriff inzwischen unumgänglich wird.

Im Dezember 2008 ist es schließlich so weit: In Rostock erfolgt der Eingriff, der bei Erfolg die Lebenserwartung und -qualität deutlich erhöhen kann. „Ich hatte große Angst davor. Hirnschlag, Rückenmarkslähmung, Herzstillstand – all das war möglich.“ Doch ihre Ärzte hatten die Patientin von der Notwendigkeit der Stentstabilisierung überzeugt. Stents, das sind Gefäßprothesen, die ein verengtes Gefäß dehnen. Mit ihrer Hilfe soll bei der Operation im Januar 2009 die Aorta rekonstruiert und der durch den Abriss entstandene künstliche Raum, das sogenannte falsche Lumen, beseitigt werden.

Der schwierige Weg zurück ins Leben

Die Operation verläuft erfolgreich, die Rekonstruktion gelingt. Doch plötzlich kommt es zum ungewollten Verschluss eines großen Blutgefäßes, das die Niere versorgt. „Die Versorgung der Niere wäre dadurch fortan erheblich gedrosselt, eine Organschädigung, bis hin zum Organausfall, wäre die Folge gewesen“, erklärt Raimund Kosa, Leitender Rettungsassistent im Ambulanzflugbetrieb der DRF Luftrettung. „Auch hier war eine Stentimplantation erforderlich.“ Diese gelingt ebenfalls. Für Barbara Vogel beginnt kurz darauf ein langwieriger Weg: Im Februar 2009 kommt sie zurück zu ihrer Familie, nach Hause, in ein beschauliches Dorf im Kreis Ludwigsburg. Im März beginnt die stufenweise Wiedereingliederung in ihren alten Beruf. Probleme bereiten Barbara Vogel ab und an auch die starken Medikamente sowie die ärztlich angeordneten Restriktionen. Doch sie bleibt geduldig, allmählich werden die Medikamente reduziert, die Ärzte sind zufrieden mit dem positiven Verlauf. Bis im Mai 2012 plötzlich eine Komplikation eintritt: Es kommt zum Verschluss des Stents, die Niere ist gefährdet, ein akutes Nierenversagen droht. Versuche, den Durchfluss des Blutes wieder zu ermöglichen, scheitern – die Wahrscheinlichkeit, die Nierenfunktion wiederherzustellen, schwindet zunehmend. „Von einer weiteren Operation wurde zunächst abgeraten. Ich wurde bereits in die Dialyse eingeführt, bekam alles erklärt. Ich wollte all das einfach nicht wahrhaben.“

Ambulanzflug der DRF Luftrettung als letzte Hoffnung

Da die stark angeschlagene Niere noch etwas arbeitet, entscheidet das Klinikum in Ludwigsburg gemeinsam mit der Patientin, erneut den Kontakt mit der Uniklinik Rostock aufzunehmen. „Dort meinte man, ich solle so schnell wie möglich kommen. Solange es auch nur ein wenig Hoffnung gab, die Niere zu retten und ein weitgehend normales Leben zu führen, musste ich diese Chance nutzen.“

Angesichts des bereits länger anhaltenden Organversagens kommt als schnellstes Transportmittel nur ein Ambulanzflugzeug der DRF Luftrettung in Frage. Sofort macht sich die Besatzung rund um Pilot Frank Borner, Copilot Benjamin Kurz und Notarzt Dr. Stefan-Friedrich Pfrengle auf den Weg zur Patientin. „Frau Vogel war sichtbar aufgeregt, weil ihr bewusst war, dass die Funktion ihrer Niere auf dem Spiel stand, was womöglich eine lebenslange Dialysepflichtigkeit bedeutet hätte. Wir durften keine Zeit verlieren“, erklärt Rettungsassistent Raimund Kosa. Der Flug von Stuttgart nach Rostock verläuft ebenso reibungslos wie die Übergabe vor Ort. Und die Ankunft kommt gerade noch rechtzeitig: „Alle Komponenten haben gepasst“, erzählt die Patientin, deren Niere in der anschließenden Operation gerettet werden kann.

Heute lebt Barbara Vogel ein weitgehend normales Leben: „Nur an Leistungsgrenzen kann ich nicht mehr gehen – früher bin ich zum Beispiel viel Rad gefahren, heute nutze ich eben ein E-Bike –, und ich habe auch nicht mehr ganz so viel Power wie früher.“ Im Alltag schränkt sie ihr gesundheitlicher Zustand jedoch kaum ein: „Ich verreise sogar wieder. Als Dialysepatient wäre das ungleich schwieriger. Die Möglichkeit des schnellen Transports durch die DRF Luftrettung hat mich letztlich vor der Dialyse bewahrt. Für mich ist das eine unglaubliche Geschichte – das pure Glück!“

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