05.07.2019 | News-Bericht

„Das war so was von optimal organisiert!“

  • Zwei Piloten und ein Junge stehen vor dem Ambulanzflugzeug der DRF Luftrettung
    Die Piloten Udo Kordeuter (links) und Herbert Kauth freuen sich: Julian geht es am Tag der offenen Tür wieder sichtbar gut. Vor zwei Jahren mussten sie den jungen Patienten mit schweren Verbrennungen nach Deutschland bringen.

Seit 14 Jahren unterstützt Marco Hirth mit seiner Mitgliedschaft die DRF Luftrettung und hat immer gehofft, dass nie ein Team der gemeinnützigen Organisation für ihn oder seine Liebsten abheben muss. Dann kam der Tag, der alles veränderte: Sein Sohn Julian benötigte dringend medizinische Hilfe.

Rückblick – Pfingsten 2017. Julian ist mit seinen Eltern im Urlaub in Österreich, will mit einem Spielgefährten auf einer 120 Meter langen Wasserrutsche Spaß haben. „Sie hätten da nicht rauf gedurft, aber wie Jungs halt so sind“, blickt Papa Marco Hirth nachdenklich zurück. Denn die Rutsche ist zu dem Zeitpunkt außer Betrieb, führt kein Wasser, ist durch das gleißende Sonnenlicht enorm aufgeheizt. Dies wird Julian zum Verhängnis, als er auf der glühend heißen Oberfläche hinabschlittert. „Da hat sich mein Sohn schwere Verbrennungen zugezogen, 18 Prozent seiner Haut waren verbrannt“, spricht Marco Hirth mit banger Stimme aus, was jeden Vater und jede Mutter schockt: „Ab 15 Prozent kann es lebensbedrohlich sein.“

Julian geht es gar nicht gut. Beine, Rücken und Hände des 11-Jährigen sind schwer verbrannt. Wie Helfer nach dem schrecklichen Unglücksfall feststellen, beträgt die Oberflächentemperatur der Rutsche zu diesem Zeitpunkt bis zu 80 °C! Für Julian steigt ein österreichischer Rettungshubschrauber auf, der das unter starken Schmerzen leidende Kind ins Krankenhaus nach Salzburg fliegt. Dort werden die Wunden erstversorgt. Eine optimale Weiterbehandlung kann in dem Krankenhaus nicht erfolgen, deswegen muss Julian schnellstens in eine Spezialklinik für Verbrennungsopfer gebracht werden. Diese soll möglichst heimatnah liegen, um dem jungen Patienten eine lange Trennung von seiner Familie zu ersparen. Das für die Rastatter Familie nächstgelegene Zentrum für Verbrennungsopfer befindet sich in Mannheim.

Marco Hirth wirkt gefasst, als er sich an die Situation erinnert: die ungeheure Angst um das eigene Kind, noch dazu weit weg von zu Hause. Es sei sein erster Gedanke gewesen, erzählt der Familienvater, die DRF Luftrettung um Hilfe zu bitten. Denn das Rückholversprechen des DRF e.V. beinhaltet, dass jedes Fördermitglied im Notfall kostenlos aus dem Ausland nach Hause geholt wird, sofern die medizinische Situation dies erfordert. Und so kam auch für Julian das rot-weiße Ambulanzflugzeug der DRF Luftrettung herbei: Udo Kordeuter, Flottenchef Flugbetrieb Flugzeuge, und Herbert Kauth, stellvertretender Flottenchef Flugzeuge, machten sich mit ihren zwei Crewkollegen (Anm. d. Red.: zur Besatzung gehören neben den Piloten immer ein Notarzt sowie ein Notfallsanitäter) auf den Weg. Mit dem Learjet der DRF Luftrettung holten sie den jungen Patienten aus Salzburg ab und brachten Julian zurück in die Heimat.

„Das war so was von optimal organisiert – von der ersten bis zur letzten Minute! Alle halbe Stunde bin ich angerufen worden von dem betreuenden Arzt der DRF Luftrettung. Ganz toll!“, zeigt sich Marco Hirth noch immer beeindruckt und dankbar für den Einsatz der Luftretter.

Heute geht es Julian zum Glück wieder gut, und die „sichtbaren“ Erinnerungen an den verhängnisvollen Pfingsttag sind verblasst. „Er hatte in der Klinik viele Verbände. Es ist aber alles super verheilt“, freut sich Marco Hirth erleichtert über die Genesung seines Sohnes.

Von der zeugt die gute Laune des Elfjährigen am sonnigen Nachmittag im Operation-Center der DRF Luftrettung. Ganz ohne Grund sind Hirths natürlich nicht nach Rheinmünster gekommen: Endlich soll Julian die Gelegenheit erhalten, den Learjet wiederzusehen, der ihn vor zwei Jahren nach Hause gebracht hat.

Es ist eine andere Begegnung, die Julian und seine Familie fast ein bisschen fassungslos macht: Bei den beiden Männern, die den Besuchern allerlei Wissenswertes über das Ambulanzflugzeug der DRF Luftrettung erzählen, handelt es sich doch um Udo Kordeuter und Herbert Kauth – jene Piloten, die Julian im Frühjahr 2017 heimgeflogen haben! An dem Tag der offenen Tür – einem Schlüssel für Begegnungen – trifft Julian also zum ersten Mal seine Piloten wieder.

Udo Kordeuter und Herbert Kauth sind tief bewegt, als sie den ehemaligen Patienten in die Arme schließen. Sie haben Julian und den Flug mit ihm nie vergessen. „Er war total tapfer“, erinnert sich Herbert Kauth. „Fliegt einfach so mit vier fremden Männern weg.“ Natürlich machen die „Wiedervereinten“ ein Foto miteinander. Ein Schnappschuss, der nicht nur für den begeisterten Julian wertvoll ist. Udo Kordeuter freut sich über das Erinnerungsbild mit dem genesenen Verbrennungsopfer und strahlt: „Das Foto hänge ich mir in mein Büro!“

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