05.10.2020 | News-Bericht

Die Schattenpiloten

  • Ausgangspunkt der technischen Flüge: die Werft in Rheinmünster am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden.
    Ausgangspunkt der technischen Flüge: die Werft in Rheinmünster am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden.
  • Sebastian Fuhr studierte an der Universität Stuttgart Luft- und Raumfahrttechnik – und erarbeitete sich parallel den Berufspilotenschein für Hubschrauber. Nach fünf Jahren bei Airbus Helicopters ging es dann im September 2018 zur DRF Luftrettung. "So kann ich mir jetzt einen Traum erfüllen: Als technischer Pilot bei der DRF Luftrettung verbinden sich meine Faszination für Technik und meine Leidenschaft für das Fliegen perfekt." Er ist der einzige "fliegende Ingenieur" der DRF Luftrettung.
    Sebastian Fuhr studierte an der Universität Stuttgart Luft- und Raumfahrttechnik – und erarbeitete sich parallel den Berufspilotenschein für Hubschrauber. Nach fünf Jahren bei Airbus Helicopters ging es dann im September 2018 zur DRF Luftrettung. "So kann ich mir jetzt einen Traum erfüllen: Als technischer Pilot bei der DRF Luftrettung verbinden sich meine Faszination für Technik und meine Leidenschaft für das Fliegen perfekt." Er ist der einzige "fliegende Ingenieur" der DRF Luftrettung.
  • Einen anderen Werdegang zum technischen Piloten hatte Dietmar Gehr. Er startete als Bundeswehrpilot, vor rund 22 Jahren wechselte er dann in die Rettungsfliegerei, zunächst als Luftretter an der Station Nürnberg. Aufgrund seines hohen Interesses für Technik und dem damals innerhalb der DRF Luftrettung einzigartigen Hubschraubertyps EC145 an der Station München, begann er 2003 mit der zusätzlichen Tätigkeit in der Welt der technischen Fliegerei.
    Einen anderen Werdegang zum technischen Piloten hatte Dietmar Gehr. Er startete als Bundeswehrpilot, vor rund 22 Jahren wechselte er dann in die Rettungsfliegerei, zunächst als Luftretter an der Station Nürnberg. Aufgrund seines hohen Interesses für Technik und dem damals innerhalb der DRF Luftrettung einzigartigen Hubschraubertyps EC145 an der Station München, begann er 2003 mit der zusätzlichen Tätigkeit in der Welt der technischen Fliegerei.
  • An die Grenzen: Nach dem Start müssen gewisse Flugmanöver absolviert werden – zum Beispiel ein Flug in einer Höhe von 9.500 Fuß, sprich knapp 3.000m über Meeresniveau. Außerdem muss die Drehzahl der Rotoren des Hubschraubers an definierte Grenzbereiche gebracht werden.
    An die Grenzen: Nach dem Start müssen gewisse Flugmanöver absolviert werden – zum Beispiel ein Flug in einer Höhe von 9.500 Fuß, sprich knapp 3.000m über Meeresniveau. Außerdem muss die Drehzahl der Rotoren des Hubschraubers an definierte Grenzbereiche gebracht werden.
  • Als leidenschaftlicher Musiker schwört Sebastian Fuhr bei den Checks auch auf sein Gehör: "Ich achte genau darauf, welche Geräusche der Hubschrauber während des Fluges von sich gibt. Man hat durch das genaue Hinhören auf die Geräusche zum Beispiel eine grobe Idee was die Drehzahl der Triebwerke und die des Rotors macht – bevor man auf die Anzeigen im Cockpit schaut."
    Als leidenschaftlicher Musiker schwört Sebastian Fuhr bei den Checks auch auf sein Gehör: "Ich achte genau darauf, welche Geräusche der Hubschrauber während des Fluges von sich gibt. Man hat durch das genaue Hinhören auf die Geräusche zum Beispiel eine grobe Idee was die Drehzahl der Triebwerke und die des Rotors macht – bevor man auf die Anzeigen im Cockpit schaut."
  • Maschinentausch Göttingen, im Hintergrund die Göttinger-Crew mit der neuen Einsatzmaschine. Bevor der technische Pilot mit der reparaturbedürftigen Stationsmaschine in den Himmel und Richtung Werft abhebt, wird die medizinische Ausstattung ausgeladen und der Techniker oder die Technikerin vor Ort muss den Hubschrauber als flugtüchtig freigeben.
    Maschinentausch Göttingen, im Hintergrund die Göttinger-Crew mit der neuen Einsatzmaschine. Bevor der technische Pilot mit der reparaturbedürftigen Stationsmaschine in den Himmel und Richtung Werft abhebt, wird die medizinische Ausstattung ausgeladen und der Techniker oder die Technikerin vor Ort muss den Hubschrauber als flugtüchtig freigeben.
  • Vorflugkontrolle an einer EC135 nach einer 1.000-Stunden Kontrolle
    Vorflugkontrolle an einer EC135 nach einer 1.000-Stunden Kontrolle
  • Erstes Anlassen des Hubschraubers nach einer großen Werft-Kontrolle. "Wir agieren beim Testen immer äußerst vorsichtig und in ganz kleinen Schritten, wenn die Anzeigen aufleuchten und die akustischen Signale uns warnen, dass die Maschine jetzt fast an ihrem Limit ist", erzählt Dietmar Gehr.
    Erstes Anlassen des Hubschraubers nach einer großen Werft-Kontrolle. "Wir agieren beim Testen immer äußerst vorsichtig und in ganz kleinen Schritten, wenn die Anzeigen aufleuchten und die akustischen Signale uns warnen, dass die Maschine jetzt fast an ihrem Limit ist", erzählt Dietmar Gehr.

An der Hubschrauberwerft in Rheinmünster fliegen sie Hubschrauber, die gerade erst "zusammengesetzt“ wurden, überwinden weite Distanzen – ganz auf sich allein gestellt – und testen die Hubschrauber der DRF Luftrettung bis kurz vor ihre Belastungsgrenzen: technische Piloten. Ein besonderer Beruf, der hier zusammen mit vier Kollegen, die zu diesem Team gehören, einmal vorgestellt werden soll.

Vor Sebastian Fuhr steht ein rot-weißer Hubschrauber. Nach 1.000 Flugstunden im Rettungsdienst wurde die Maschine von den Techniker*innen in der Werft der DRF Luftrettung am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden auseinandergenommen und bis ins letzte Detail geprüft. „Die Einzelteile des Hubschraubers sind sozusagen gerade erst aus dem Regal genommen und zu einem Hubschrauber zusammengefügt worden“, schildert Sebastian Fuhr. Jetzt ist es die Aufgabe des technischen Piloten, den ersten Flug mit der Maschine zu bestreiten und sie auf ihre Flugtüchtigkeit zu testen.

Begleitet wird er dabei von Techniker*innen der DRF Luftrettung. Bevor die Maschine jedoch in die Luft steigt, bespricht Sebastian Fuhr alle Einzelheiten des Flugs mit den Techniker*innen. Welche Werte sollen erreicht werden? Welche möglichen Abweichungen der Norm sind bei den geplanten Manövern eindeutige Warnsignale? Wie die Profis im alpinen Skisport geht Sebastian Fuhr jedes Manöver im Kopf durch. Nach einem letzten Rundgang und einem abschließenden prüfenden Blick auf die Maschine, steigt er hoch konzentriert ins Cockpit und lässt die Triebwerke an.

Mit seiner Kollegin und seinem Kollegen bespricht Sebastian Fuhr (rechts) alle Details für den nächsten Flug.
Mit seiner Kollegin und seinem Kollegen bespricht Sebastian Fuhr (rechts) alle Details für den nächsten Flug.

Technische Piloten – verlässliche Partner

Der Grundstein für die Gruppe der technischen Piloten wird bereits in den 2000er Jahren gelegt. "Die Organisation entschied sich damals für ein fest verfügbares Team von Werkstattpiloten in Rheinmünster", erinnert sich Werner Rödel, der erste Werkstattpilot der Technik. Nach einiger Zeit ergänzt Hans-Peter Herzel das Team, etwa zehn Jahre lang führen sie gemeinsam die erforderlichen Werkstattflüge durch. An das stetige Wachstum der DRF Luftrettung ist auch die Erweiterung der Kollegenschaft geknüpft. Zunächst folgt Dietmar Gehr nach Rheinmünster, zuletzt wächst das Team mit dem Eintritt von Sebastian Fuhr auf vier Werkstattpiloten. "Die Mitarbeitenden schätzen sehr, dass sie die Piloten über Jahre hinweg kennen – man verlässt sich aufeinander", erzählt Werner Rödel. "Vertrauen spielt eine große Rolle."

Werner Rödel, der erste Werkstattpilot der Technik.
Werner Rödel, der erste Werkstattpilot der Technik.

Von Hubschraubern, die überführt werden müssen

Als technische Piloten leisten die Kollegen neben Flügen zur Überprüfung der Technik auch sogenannte "Ferry-Flüge" oder "Überführungsflüge". "Ganz einfach ausgedrückt: Wir bringen dabei Hubschrauber von A nach B", erklärt Dietmar Gehr. Viel zu bescheiden ist diese Beschreibung, denn nur dank dieser Tätigkeit kann der tägliche Einsatzbetrieb an den Stationen am Leben gehalten werden. Dafür fliegen die Piloten allein in der Maschine weite Distanzen und über Gebiete, die sie im Vergleich zu den Luftrettern an den Stationen nicht wie ihre Westentasche kennen. Ebenfalls steht ihnen kein HEMS-TC, Notfallsanitäter*in mit Zusatzausbildung zur fliegerischen Unterstützung, während des Fluges zur Seite.

Überführungsflüge stehen an, wenn zum Beispiel an einem Stationshubschrauber eine unerwartete Störung auftritt. Nun wird zunächst eine Technikerin oder ein Techniker der sogenannten "Line Maintenance" an die Station geschickt, die/der den Hubschrauber überprüft. Wenn sie/er dabei feststellt, dass die Maschine zur Reparatur in unsere Werft am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden muss, erhalten die technischen Piloten einen Auftrag: Sie müssen einen anderen Hubschrauber an die Station fliegen und den bisherigen in die Werft. "Für diese Situation habe ich immer einen gepackten Rucksack parat stehen", erzählt Sebastian Fuhr. Denn nur wenn jetzt alle Zahnräder sofort ineinandergreifen, kann sich die Besatzung schnell wieder für Notfälle einsatzbereit melden.

Bild eines „Ferry Fluges“ Maschinentausch durch die technischen Piloten in Nordhausen, zu Gast bei Christoph Thüringen.
Bild eines „Ferry Fluges“ Maschinentausch durch die technischen Piloten in Nordhausen, zu Gast bei Christoph Thüringen.

"Vor kurzem konnte ich so dazu beitragen, dass die Crew nach einem technischen Ausfall des eigenen Hubschraubers noch am gleichen Tag mit der Ersatzmaschine zu einem weiteren Einsatz abheben und somit einem Menschen in einer Notsituation wertvolle medizinische Hilfe zu Teil werden konnte", erzählt Sebastian Fuhr. Er ist stolz, Teil dieser Wirkungskette zu sein.

Wenn das Ablaufdatum naht

Planbar im Vergleich zu diesen spontanen Flügen sind die Überführungen von Stationshubschraubern zu regelmäßigen Wartungen in die Werft. "Wie nach dem Ablaufdatum eines Joghurts müssen unsere Hubschrauber entweder nach einem festen Datum oder einer gewissen Zahl an Flugstunden wieder in die Wartung", so Dietmar Gehr.

Im Rahmen der Überführungsflüge werden bei Bedarf auch Maschinen zwischen den Stationen ausgetauscht. "So bin ich zuletzt mit verschiedenen Hubschraubern von Rheinmünster über Halle und Berlin bis ins österreichische Fresach geflogen", berichtet Hans-Peter Herzel.

Hans-Peter Herzel, hier während der Überführung einer Maschine des Typs H135 im September 2017.

Dabei sind die Piloten mehr oder weniger auf sich allein gestellt, nehmen die Planung der Flugroute vor, legen Zwischenlandungen zum Auftanken fest und studieren die Wettervorhersagen. "Zudem lernen wir bei Überführungsflügen auch die Besatzungen der Stationen sehr gut kennen. Mit ihnen muss alles abgestimmt werden, so dass das Timing perfekt passt. Daher freue ich mich auch immer wieder auf die Landung und darauf, an den Stationen meine Kolleginnen und Kollegen zu treffen", so Dietmar Gehr.

Während seiner Zeit bei der DRF Luftrettung arbeitete Dietmar Gehr u.a. auch als Stationsleiter und Pilot für medizinische Hubschraubereinsätze in München.
Während seiner Zeit bei der DRF Luftrettung arbeitete Dietmar Gehr u.a. auch als Stationsleiter und Pilot für medizinische Hubschraubereinsätze in München.

"Anzeigen leuchten auf und ein Alarm pfeift in den Ohren"

An der Werft in Rheinmünster ist Sebastian Fuhr mit der zu prüfenden Maschine gerade in die Höhe gestiegen. Im Hubschrauber herrscht Stille – nur hin und wieder tauschen die Techniker*innen und der Pilot ein paar Worte zu den aktuellen Werten aus oder der Funkverkehr mit der Flugsicherung unterbricht die Stille. Dann beginnt das erste Flugmanöver.

Angst habe er bei dieser Arbeit nie, schildert Sebastian Fuhr. „Für mich ist der Hubschrauber keine ,Black-Box‘, sondern ich weiß sehr genau, was darin vor sich geht und was zuvor von der Technik gemacht wurde. Zudem behalte ich alle Werte engmaschig im Blick.“ Dennoch fliege der Respekt vor der fliegerischen Aufgabe und dem Luftfahrzeug immer mit. „Der Respekt vor dem was wir tun ist für mich, genauso wie für die mitfliegenden Techniker, die Basis unserer Sicherheit.“

Unsere Brücke zum sicheren Hubschrauber

Gemeinsam mit den Techniker*innen wird nach dem Flug entschieden, ob die Maschine wieder bereit für die nächsten Einsätze ist. Dies gelinge nur durch den Zusammenschluss zweier Bereiche, erläutert Dietmar Gehr: "Dank einer Brücke zwischen der Technik beziehungsweise dem sogenannten Part-145 und dem Flugbetrieb mit uns technischen Piloten entsteht am Ende wieder ein sicherer Hubschrauber."

Das bestätigt auch Werner Rödel: "Das Team der Werkstattpiloten ist ein großer Beitrag zur Sicherheit. Die Werkstattpiloten sind durch ihre permanente Anwesenheit vor Ort in die standardisierten Abläufe eingebunden und fest mit der Technik verhaftet."

So agieren die technischen Piloten täglich im Hintergrund, stehen nie im Rampenlicht – die "Schattenpiloten", die täglich für den Nachschub an unseren Einsatzhubschraubern sorgen.

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