20.08.2018 | News-Bericht

Drei Intensivtransporte an einem Tag

  • Gleich drei Patienten brachte Christoph 43 an einem Samstag schnell und sicher in drei verschiedene Spezialkliniken. (Symbolbild)
    Gleich drei Patienten brachte Christoph 43 an einem Samstag schnell und sicher in drei verschiedene Spezialkliniken. (Symbolbild)

Für Menschen mit besonderen Verletzungen und Erkrankungen zählt oft jede Sekunde. Sie ohne Zeitverzug in Spezialkliniken zu bringen, ist mitunter auch Aufgabe der Karlsruher Crew der DRF Luftrettung. Erst kürzlich erlebte das Team von Christoph 43 einen Tag, bei dem die Besatzung, neben anderen Einsätzen, bei gleich drei solcher Fälle gefordert war. Alle Patienten mussten an jenem Samstag zu Kliniken geflogen werden, die über besondere Fachabteilungen oder Traumazentren verfügten.

Am Morgen wurde die Crew um Pilot Volker Buchmann, Notarzt Dr. Simon Obier und Notfallsanitäter Raimund Kosa zunächst von der Leitstelle zu einem Baggersee bei Kehl entsandt. Ein Mann erlitt dort nach einem Tauchgang einen Herz-Kreislauf-Stillstand. „Die Ursache war fraglich, möglicherweise ein zu schnelles Auftauchen und damit verbundene Druckschwankungen“, schildert Raimund Kosa das erste Meldebild des Tages. Als das Team den See erreichte, war Mann bereits von einem bodengebundenen Notarzt und einer Rettungswagenbesatzung reanimiert worden. Doch: „Er musste für die Intensivversorgung schnell in eine verfügbare Druckkammer verbracht werden. Somit könnten freie Gasbläschen in Blut und Gewebe mit Überdruck behandelt werden. Auch eine arterielle Gasembolie, also freie Gasbläschen, welche durch zu schnelles Auftauchen lebensbedrohliche Veränderungen verursachen, können dort behandelt werden. Druckkammern gibt es jedoch nur vereinzelt in Deutschland, manche davon sind nicht immer verfügbar.“ Eiligst brachte Christoph 43 den Mann daher per Luftweg in eine Ludwigsburger Klinik, die über die benötigte Einrichtung verfügt. Nach 30 Minuten kamen Kosa und seine Kollegen dort an und übergaben den Verunfallten den Spezialisten. Der Rettungswagen, verdeutlicht der Notfallsanitäter, hätte etwa anderthalb Stunden für die Strecke benötigt.

Anschließend ging es für die Karlsruher Luftretter direkt weiter zum nächsten Einsatz. Der trug sich nahe der Gemeinde Baiersbronn zu. Dieses Mal handelte es sich um einen Radfahrer, der nach einem Sturz über den Lenker komplexe Verletzungen im Gesicht davontrug. Ein eingetroffener Notarzt und weitere Rettungskräfte forderten Christoph 43 an, um den Biker zur Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik nach Tübingen zu fliegen. „Denn Gesichtsverletzungen kann man nicht in einem kleinen Kreiskrankenhaus behandeln. Es wurde Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgie benötigt, mit der Option einer Hals-Nasen-Ohren- sowie einer Augenabteilung“, hebt Kosa hervor. Kaum hatten der Notfallsanitäter und seine Crew-Kollegen Baiersbronn erreicht und den Mann für den Lufttransport vorbereitet, hob Christoph 43 auch schon wieder ab und brachte den Radler innerhalb von 15 Minuten nach Tübingen. Erneut war der rot-weiße Hubschrauber der DRF Luftrettung dem Rettungswagen gegenüber klar im Vorteil: Der wäre über die Landstraßen des Schwarzwaldes erst nach etwa einer Stunde bei der Unfallklinik angekommen. Die bodengebundenen Rettungskräfte wussten um diesen Zeitvorteil und hatten daher konkret den Hubschrauber der DRF Luftrettung als schnellstes Transportmittel angefordert.

Es war schon früher Abend, als die Besatzung zum dritten Mal an diesem Tag für einen Intensivtransport gebraucht wurde. In Rastatt benötigte ein älterer Herr Hilfe, der einen Schlaganfall mit Halbseitenlähmung erlitt. „Wir sollten ihn bei einem regionalen Klinikversorger abholen, der nicht alle Möglichkeiten bieten konnte, den Patienten schnellstmöglich wieder zu heilen“, betont Raimund Kosa. Erforderlich war nämlich, dass dem Mann ein Blutgerinnsel im Gehirn entfernt würde. Dieser Eingriff – die „neuroradiologische Intervention zur Thrombektomie“ – ist, wie Kosa weiter erläutert, „aktuell eine vielversprechende Behandlungsmethode und kann nicht überall durchgeführt werden.“

Wohl aber etwa in der Universitätsklinik Heidelberg, zu der das Karlsruher Team der DRF Luftrettung den Senioren nun befördern sollte. Nach der Ankunft der Crew in Rastatt brachte ein Rettungswagen den Mann direkt zu dem Landeplatz von Christoph 43, und die Luftretter flogen den älteren Mann umgehend zu seiner dringend benötigten Behandlung nach Heidelberg. „Der Faktor Zeit spielte eine immense Rolle. Je früher der Eingriff stattfindet, desto größer sind die Chancen, dauerhafte Schäden wie zum Beispiel Lähmungen zu verhindern“, betont Kosa. 20 Minuten betrug die Flugzeit. Bodengebunden wäre der Mann erst nach einer Stunde zu der Universitätsklinik gelangt.

Für Raimund Kosa und seine beiden Kollegen ging damit ein besonderer Tag zu Ende: „Es waren drei völlig unterschiedliche Einsätze, die aber alle das gleiche Ziel verfolgten: Patienten so schnell wie möglich in die benötigten Spezialkliniken zu fliegen.“

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