20.05.2014 | Rettungsbericht

Ein kleines Wunder nach schwerem Sturz vom Baum

  • Beim Klettern auf einem Baum bricht plötzlich ein Ast und Elias stürzt ungebremst zwölf Meter in die Tiefe. Doch er hat großes Glück.
    Beim Klettern auf einem Baum bricht plötzlich ein Ast und Elias stürzt ungebremst zwölf Meter in die Tiefe. Doch er hat großes Glück.

Sebastian Rehfeldt erinnert sich noch gut an den 23. Juli 2013. Es war einer dieser Sommertage, die man am liebsten mit der Familie und Freunden am See verbringt. Die hochsommerlichen Temperaturen am malerischen Bodensee steigern die Vorfreude auf die nahenden Sommerferien. Sebastian Rehfeldt ist an diesem Morgen auf dem Weg zur Bank und ahnt noch nicht, dass sein ältester Sohn gleich in akuter Lebensgefahr schweben wird.

Plötzlich bricht der Ast

Die Glocke läutet zur kleinen Pause, viele Kinder stürmen auf den Schulhof, darunter auch Elias Rehfeldt. Es herrscht gute Stimmung in der letzten Schulwoche vor den großen Ferien. Elias und zwei seiner Klassenkameraden entscheiden sich spontan für einen Kletterwettbewerb auf den großen Silber-Ahorn. „Wer ist am schnellsten oben? Das haben sie schon öfter gespielt. Die Bäume auf dem Pausenhof luden mit ihren langen Ästen und Zweigen geradezu zum Klettern ein“, erklärt Sebastian Rehfeldt.

Was dann passiert, erfährt er kurz darauf am Telefon: „In einer Höhe von zwölf Metern brach der Ast unter den Beinen meines Sohnes. Elias fiel ungebremst nach unten, versuchte sich beim Aufprall mit beiden Händen abzufedern und schlug mit dem Kopf auf.“ Bei seinem Sturz bricht sich der 10-Jährige beide Handgelenke, kugelt sich den linken Ellenbogen aus und erleidet durch den Aufprall schwere Kopfverletzungen. Sofort rennen einige Mitschüler zum nächsten Lehrer, der den Notruf absetzt.

„Papa, ich will wieder heil sein“

Nach der schockierenden Botschaft am Telefon eilt Sebastian Rehfeldt zu seinem Sohn. An der Schule angekommen, findet er Elias – am Boden liegend, unter dem großen Baum, umringt von Helfern samt Notärztin. Als Elias den Vater entdeckt, sagt er: „Papa, ich will wieder heil sein.“

Sebastian Rehfeldt erfährt, dass die Notärztin bereits den Rettungshubschrauber der DRF Luftrettung über die Leitstelle nachgefordert hat. „Schon beim Eintreffen, mit dem ersten Blick, hatte sie bemerkt, dass der Hubschrauber für den Transport benötigt wird.“ Der 37-Jährige befürchtet sogleich Schlimmes: „Ich war geschockt und dachte nur: Lass bloß nichts an der Wirbelsäule sein. Zum Glück konnte er aber seine Füße bewegen.“

Schneller und schonender Transport mit Christoph 11

Kurz darauf trifft die Besatzung von Christoph 11 aus Villingen-Schwenningen ein. „Wir versorgten den Patienten zunächst im Rettungswagen“, erinnert sich Andreas Helwig, Pilot der DRF Luftrettung in Villingen-Schwenningen. „Es sah nicht gut aus für Elias, er musste so schnell wie möglich in ein spezialisiertes Krankenhaus.“

Gerade einmal elf Minuten später landet Helwig den Rettungshubschrauber der DRF Luftrettung am Krankenhaus in Ravensburg, wo Elias den Ärzten der Intensivstation übergeben wird. Die Hirnblutungen erfordern eine Operation, bei der die Schädeldecke geöffnet wird. „Für meine Frau und mich war es eine Zitterpartie. Und die Erleichterung war groß, als Elias nach sechs Stunden wieder ansprechbar war.“ Sebastian Rehfeldt erinnert sich noch gut an die ersten Worte seines Sohnes im Krankenhaus: „Er fragte: ‚Kann ich jemals wieder Querflöte spielen?‘“

„Für uns grenzt es an ein Wunder“

Nach einer Woche auf der Intensivstation folgt eine weitere in der Kinderklinik. Seine Verletzungen verheilen gut – auch eine Lungenentzündung, die infolge des Unfalls auftritt. Neurologische Folgeschäden weist Elias trotz des harten Aufpralls mit dem Kopf und schwerer Verletzungen zum Glück nicht auf. „Es sah wirklich nicht gut aus. Umso schöner war es, als wir erfuhren, dass es Elias wieder gut geht und wir mit unserer Arbeit dazu beitragen konnten“, erzählt Dr. Eike Mrosek, Notarzt der DRF Luftrettung. „Für uns grenzt das an ein Wunder“, ergänzt Sebastian Rehfeldt. „Wir hatten riesiges Glück, die Rettungskette hat vorbildlich funktioniert, das war großartig!“

Eliasʾ Heilungsprozess verläuft sogar so gut, dass die Ärzte für Ende August schon grünes Licht für den geplanten Sommerurlaub der Familie geben. Gemeinsam mit den Eltern und seinen beiden jüngeren Brüdern fliegt er nach Mallorca und verbringt dort zwei Wochen auf der Finca der Großeltern. „Für meine Frau und mich war das zwar ein Fulltime-Job, weil beide Arme gegipst waren, dennoch war es gut, dass er etwas erleben konnte, etwas von seinen Sommerferien hatte. Denn letztlich fiel er gerade einmal zwei Schultage aus und war pünktlich zum ersten Tag des neuen Schuljahres wieder fast der Alte.“

Geburtstag und Lebenstag

Kürzlich feierte Elias seinen 11. Geburtstag, gemeinsam mit seinen Eltern nahm er an einer Schnitzeljagd für Kinder teil. „Und am 23. Juli feiern wir dann seinen Lebenstag.“ Auch auf Bäumen ist er schon wieder gewesen, obgleich er nun noch vorsichtiger ist: „Mein Sohn ist jemand, der das Risiko scheut, er fährt nicht einmal Achterbahn in einem Freizeitpark, weil er darüber keine Kontrolle hat. Er wäre damals nicht hochgeklettert, hätte er sich dabei nicht sicher gefühlt.“

Die Schule selbst hat umgehend auf den Unfall reagiert, unter allen Bäumen Rindenmulch ausgelegt und die Baumstämme von unten her abgeästet, sodass kein Kind mehr hochklettern kann.

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