30.10.2015 | News-Bericht

Eine verhängnisvolle Entscheidung

  • Eine Frau erleidet einen Herzinfarkt, doch sie ignoriert die ärztliche Einweisung ins Krankenhaus. Einen Tag später ist der rot-weiße Hubschrauber der DRF Luftrettung aus Dortmund ihre letzte Überlebenschance.
    Eine Frau erleidet einen Herzinfarkt, doch sie ignoriert die ärztliche Einweisung ins Krankenhaus. Einen Tag später ist der rot-weiße Hubschrauber der DRF Luftrettung aus Dortmund ihre letzte Überlebenschance.

Susanne Müller* hatte keine gute Nacht. Sie bekam schlecht Luft, dann wurde ihr übel. Tags darauf geht sie zu ihrem Hausarzt. Wahrscheinlich hat sie sich den Magen verdorben, so ihre Vermutung. Doch der Hausarzt überweist sie in eine Klinik, denn aufgrund der Symptome besteht der Verdacht, dass die Patientin einen leichten Herzinfarkt erlitten hat. Die Frau verlässt die Praxis, die Überweisung in der Tasche. Doch anstatt die Klinik aufzusuchen, geht sie nach Hause. So schlecht, dass sie ins Krankenhaus muss, geht es ihr nicht. „Morgen ist’s bestimmt wieder besser“, denkt sie. „Wird schon nicht so schlimm sein.“

Doch es ist schlimm. Sehr sogar. Das merkt Susanne Müller am nächsten Tag und befolgt nun doch den Rat ihres Hausarztes. Im Krankenhaus verschlechtert sich ihr gesundheitlicher Zustand rapide. Die Ärzte stellen einen Riss in der Herzscheidewand fest, die Patientin wird unverzüglich in Narkose gelegt, intubiert und künstlich beatmet. Während die Kardiologen alles Menschenmögliche tun, um den Zustand der 63-Jährigen zu stabilisieren, alarmiert die Leitstelle die Dortmunder Hubschrauberbesatzung der DRF Luftrettung. Denn die lebensbedrohlich erkrankte Frau muss so schnell wie möglich in ein zertifiziertes Herzzentrum transportiert werden.

„Bei einem Herzinfarkt kommt es zu einer Verstopfung in Herzkranzgefäßen, die den Herzmuskel selbst mit Sauerstoff versorgen. Das Gewebe wird dann teilweise schlecht oder gar nicht durchblutet und kann die lebenswichtige Pumpfunktion bestenfalls nur noch eingeschränkt wahrnehmen. In der Folge sterben Bereiche des Herzmuskels ab. Je länger die Durchblutung nach einem Herzinfarkt eingeschränkt ist, desto mehr Gewebe geht kaputt. Und im abgestorbenen Gewebe können dann auch Verletzungen auftreten, ganz besonders in der frühen Phase nach einem Infarkt“, erklärt Dr. Afflerbach die Problematik am Herzen von Susanne Müller. „Bei der Patientin war es nach dem akuten Infarktereignis zu einem Riss in der Herzscheidewand gekommen. Hätte die Frau der Empfehlung ihres Hausarztes Folge geleistet, sich unmittelbar in eine spezialisierte Klinik zu begeben, hätte es unter Umständen gar nicht so weit kommen müssen“, so der Leitende Notarzt. „Eine rasche, zielgerichtete Behandlung, zum Beispiel mit einem Herzkatheter in einem entsprechenden Zentrum, kann das Absterben der Herzmuskelzellen stoppen und vor den gefährlichen Folgen bewahren.“

Als die Dortmunder Luftretter am Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung eintreffen, kämpfen die Ärzte nach wie vor um das Leben von Susanne Müller. Die Patientin liegt mittlerweile im künstlichen Koma, ein zentraler Venenkatheter wurde gelegt, um eine stete Infusion von kreislauf- und herzwirksamen Medikamenten zu ermöglichen. Auch hat sie einen arteriellen Zugang für eine minimalinvasive Blutdruckmessung erhalten. „Diese Form der Messung ist fortlaufend und lässt Blutdruckschwankungen frühzeitig erkennen“, nennt Dr. Afflerbach Vorteile dieser Messmethode.

Die Zusammenarbeit zwischen Klinikmitarbeitern und Luftrettern geht bei der Übergabe der Patientin Hand in Hand. „Während des Transports in das weiterbehandelnde Zentrum der Maximalversorgung haben wir die Intensivtherapie lückenlos fortgeführt. Als die 63-Jährige erneut instabil wurde, haben wir die Dosierung der herz- und kreislaufwirksamen Substanzen (Katecholamine) erhöht“, erklärt Dr. Afflerbach Maßnahmen, die u. a. während des Fluges durchgeführt wurden, um die Patientin nicht zu verlieren.

Im Zentrum der Maximalversorgung angekommen, wird die Crew bereits erwartet. Alles ist für die Übergabe vorbereitet, doch die Kardiologen führen zuerst einen Ultraschall am Herzen durch, um das Ausmaß der Schädigung zu erkennen. Erst im Anschluss wird die Patientin von den intensivmedizinischen Geräten des Hubschraubers abgehängt und an die der Klinik angeschlossen. Während der diagnostischen Maßnahmen ist die medizinische Hubschrauberbesatzung bei der Patientin geblieben, um den gesundheitlichen Zustand der Frau zu überwachen. So konnten sich die Klinikärzte voll und ganz auf die Diagnostik konzentrieren. Erst als das weitere Vorgehen klar ist, verabschieden sich die Dortmunder Luftretter.

Susanne Müller hat ihr Leben fahrlässig aufs Spiel gesetzt. Dr. Afflerbach rät daher: „Für Symptome gibt es immer einen Grund. Wer sich nicht wohl fühlt und daraufhin zum Hausarzt geht, sollte den Rat des Mediziners auch befolgen. Zu denken, es wird schon wieder, ist in aller Regel der falsche Weg.“

* Name von der Redaktion geändert

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