24.02.2014 | Rettungsbericht

Erstflug ins Leben

Über zwölf Stunden liegt Anja Huber* in den Wehen. Dann endlich legt ihr die Hebamme ihr Baby in den Arm. Doch schon kurz darauf muss sie um das Leben ihrer Erstgeborenen bangen: Das kleine Mädchen ist schwer krank. Nur eine schnelle Operation kann sein Leben retten. Mit der Hannoveraner Besatzung der DRF Luftrettung gelangt das Neugeborene in eine Kinder-Spezialklinik ...

Mit einem Kuss auf die Stirn des Neugeborenen verabschiedet sich die Hebamme von der jungen Familie. „Hmm ... das gefällt mir gar nicht“, stutzt sie, „die Kleine ist ganz verschwitzt. Sie sollte unbedingt noch einmal untersucht werden!“ Eine Säuglingsschwester misst die Sauerstoffsättigung im Blut des Babys und schlägt Alarm: Marie* bekommt beim Atmen nicht ausreichend Sauerstoff. Für weitere Untersuchungen wird sie sofort in das Oldenburger Elisabeth-Kinderkrankenhaus transportiert. „Gerade erst Eltern geworden, mussten wir Marie schon wieder aus den Händen geben“, erinnern sich Anja und Jan Huber*. In der Nacht fahren die jungen Eltern nach Hause in das ostfriesische Uplengen. „Geschlafen haben wir allerdings kaum. Am nächsten Morgen waren wir schon wieder in der Klinik“, erzählt die 33 Jahre alte Mutter. Dort erhält das Ehepaar eine schockierende Nachricht: Marie hat einen faustgroßen Tumor im Brustkorb, der ihr Herz teils umschließt und auf die Lunge drückt. „Als die Ärzte uns sagten, dass die Kleine mit dem Hubschrauber nach Hannover transportiert werden muss, wussten wir, dass es ernst ist“, sagt Anja Huber. Marie soll in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) operiert werden, da es dort erfahrene Herz-Thorax-Chirurgen und eine spezielle Herz-Lungen-Maschine für Kinder gibt.

Am Nachmittag des gleichen Tages alarmiert die Zentrale Koordinierungsstelle für Intensivtransporte den Hubschrauber der HSD Luftrettung aus Hannover, die zur DRF Luftrettung gehört. Rettungsassistent Dirk Stehr baut sofort den 230-Volt-Inverter in die Kabine ein, der den Transportinkubator (Brutkasten) für Marie mit Strom versorgt. Nur 15 Minuten später landet Pilot Joachim Staretzek die Maschine auf dem Landeplatz der MHH, um Kinderärztin Dr. Susanne Wolters, Kinderkrankenschwester Lena Schweisfurth und den Inkubator an Bord zu nehmen. Zwischen der HSD Luftrettung und der MHH besteht seit langem eine enge Kooperation. Ein Beispiel ist der spezielle Transportinkubator der Klinik, den Mitarbeiter der MHH in Zusammenarbeit mit den Luftrettern für die Verwendung an Bord von Christoph Niedersachsen angepasst haben.

Schneller Transport bei optimaler Betreuung

Im Elisabeth-Kinderkrankenhaus eingetroffen, gibt Dr. Susanne Wolters grünes Licht für den Transport: Maries Kreislauf ist stabil. Über eine Nasensonde erhält sie Sauerstoff, intensivmedizinische Maßnahmen sind nicht notwendig. Die Vitalparameter des Babys, wie Blutdruck und Sauerstoffsättigung, werden während des etwa 30-minütigen Fluges permanent überwacht. Vom Parkplatz des Klinikums aus beobachten die Eltern den Start des Hubschraubers, bevor sie selbst mit dem Auto nach Hannover fahren. „Wir haben die Besatzung kennengelernt und wussten, dass unser Kind in guten Händen ist“, erzählt der Vater. „Nach dem Flug hat uns Dr. Wolters einen Kalender der DRF Luftrettung geschenkt, der jetzt über Maries Bettchen hängt“, ergänzt die Mutter.

Marie übersteht den Transport ohne Komplikationen. Der Tumor wird bei der Operation in der MHH vollständig entfernt. „Vier Wochen später durften wir unsere Tochter gesund und munter mit nach Hause nehmen. Mittlerweile ist sie siebeneinhalb Monate alt und lacht sehr viel“, erzählt Anja Huber. Durch die Erkrankung ihres Kindes wurde den Hubers vor Augen geführt, wie wichtig Familie und Freunde sind. Deshalb möchten die drei auf lange Sicht wieder mehr in Richtung Hannover ziehen. Jan Huber: „Unsere Familie soll daran teilhaben können, wie Marie sich entwickelt. Dass wir das erleben dürfen, verdanken wir auch der DRF Luftrettung. Deshalb sind wir jetzt auch Förderer.“

* Namen von der Redaktion geändert

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Gruppenbild mit Dr. Krystian Pracz, Vorstandsvorsitzender der DRF Luftrettung (3.vl), Minister Boris Pistorius (4.vl), und Prof. Dr. Benno Ure, von der Medizinischen Hochschule Hannover (5.vl) und der Besatzung von Christoph Niedersachsen (außen).
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