01.01.2013 | Rettungsbericht

Folgenschwerer Wüstentrip

Karl Köferl erkundet ganze Kontinente auf eigene Faust. Gesund und erholt kehrte er stets von seinen Reisen zurück nach Hause. Doch sein Trip durch Westafrika nahm einen anderen Ausgang ...

Um dem Frost zu entgehen, flüchtet Karl Köferl vor dem Winter in Deutschland. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Roswitha Rohrwild verbringt er die kalten Tage gerne in wärmeren Gefilden der Erde. Als Reisegefährt hat er einen allradgetriebenen Lkw zu einem geländegängigen Wohnmobil ausgebaut. Damit ging es gen Süden, genauer gesagt nach Ad-Dakhla, der südlichsten Stadt in der Westsahara. „Nach 4.500 km auf der Straße und vielen Erlebnissen in Frankreich, Spanien und Marokko sind wir im Januar in der Wüstenstadt angekommen. Um diese Zeit herrschen dort angenehme 25 °Celsius“, erzählt der Vielgereiste. Die Weltenbummler genießen malerische Sonnenuntergänge und unternehmen Spaziergänge. „Bei Ebbe konnten wir am Strand unser Abendessen einsammeln – schmackhafte Muscheln, die wir später mit etwas Salz und Öl in der Pfanne angebraten haben“, schwärmt der selbstständige Unternehmer. Doch bei einem dieser Strandspaziergänge stolpert er über eine Unebenheit im Sand und verstaucht sich den Knöchel – so dachte er.

Unerträgliche Schmerzen

 „Die Schmerzen waren erträglich, also bin ich die 1,5 km zu unserem Wohnmobil zurückgehumpelt“, berichtet der Abenteurer. „Das muss geröntgt werden!“, befindet seine Lebensgefährtin, als sein Fuß Stunden später auf den doppelten Umfang angeschwollen war. Ein befreundeter Marokkaner fährt ihn in ein Militärkrankenhaus und übernimmt die Rolle des Dolmetschers. Die Röntgenbilder zeigen anstelle einer Verstauchung eine Sprunggelenksfraktur. „Die Ärzte rieten mir unbedingt zu einer Operation. Doch bei dem Gedanken, den Eingriff vor Ort vornehmen zu lassen, war mir nicht wohl. Immerhin war die Rede von einer komplizierten Fraktur!“, blickt Karl Köferl zurück. Das langjährige Fördermitglied der DRF Luftrettung ruft am 20. Januar bei der Alarmzentrale am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden an und schildert seinen Fall. „Der Anruf ging um 19:43 Uhr bei uns ein. Um zu klären, ob die medizinische Notwendigkeit einer Rückholung besteht, haben wir in einem ersten Schritt die Klinikmitarbeiter kontaktiert und uns die Röntgenbilder elektronisch übermitteln lassen“, erklärt Michael Zürn, Leiter der Alarmzentrale. Dr. Michael Beier steht als beratender Arzt in jener Nacht zur Verfügung. „Die definitive Versorgung der komplizierten Fraktur in einer Qualität, die unserem Versorgungsstandard annähernd entspricht, war am Aufenthaltsort des Patienten nicht möglich. Beispielsweise erhielt er keine Thromboseprophylaxe. Wir mussten davon ausgehen, dass sich der Befund innerhalb kürzester Zeit verschlechtern würde“, erklärt der erfahrene Mediziner und gab grünes Licht für die Rückholung. Umgehend werden seitens der Einsatzkoordinatoren die Flugroute festgelegt und die Genehmigungen für Überflüge und Landungen eingeholt.

Landegenehmigung der DRF-Luftrettung

Wenige Stunden später liegt die Landegenehmigung für Dakhla Airport vor. Dort landen Flugkapitän Norbert Fleischmann und Co-Pilot Rainer Godon das Ambulanzflugzeug der DRF Luftrettung am Abend des 22. Januar. Notarzt Dr. Ulrich Treiber erkundigt sich sogleich nach dem gesundheitlichen Zustand des Patienten und kontrolliert am Morgen vor dem Abflug die Gipsschiene. Würde sie zu fest anliegen, wäre die Durchblutung beeinträchtigt, was zu bleibenden Gewebeschäden führen kann. „Der Take-off erfolgte planmäßig um 10 Uhr Ortszeit bei optimalen Flugbedingungen“, erinnert sich der Flugkapitän. Während des Fluges wird der 51-Jährige von der medizinischen Besatzung der DRF Luftrettung betreut. „Wir haben ihn auf einer Trage gelagert und ihm Medikamente gegen die Schmerzen, zur Thromboseprophylaxe und gegen Übelkeit verabreicht“, erklärt Rettungsassistent Christoph Lind. Nach der Landung in Nürnberg wird der Patient in Begleitung von Dr. Ulrich Treiber bodengebunden in eine Klinik nach Regensburg transportiert und bereits am nächsten Morgen operiert. Heute ist der 51-Jährige wieder wohlauf. Und dankbar: „Dass mir die DRF Luftrettung so schnell und professionell geholfen hat, werde ich den Luftrettern nie vergessen.“