20.07.2017 | News-Bericht

Frontalzusammenstoß zweier PKW: Mobiles Ultraschallgerät hilft bei Entdeckung innerer Verletzungen

  • Erst landete Christoph 64 aus Angermünde, dann wurde Christoph 49 aus Bad Saarow nachalarmiert.
    Erst landete Christoph 64 aus Angermünde, dann wurde Christoph 49 aus Bad Saarow nachalarmiert.

Boulevardmedien der Region haben sie in makaberer Weise unlängst „Todesstraße“ getauft. Doch auch etwas seriöser muss man feststellen, dass die B 158, die Angermünde mit Berlin verbindet, seit Jahren immer wieder Schauplatz heftiger Verkehrsunfälle ist.

So auch an einem sommerlichen Freitagnachmittag, als die Leitstelle Oderland Christoph 64 in Angermünde alarmiert: Zwei PKW sind bei Platzfelde kurz zuvor mit hoher Geschwindigkeit frontal zusammengestoßen. Sofort heben Pilot und Stationsleiter Marco Biamino, der leitende Hubschraubernotarzt Dr. Henning Blaich und Notfallsanitäter Martin Bosch mit der rot-weißen EC 135 der DRF Luftrettung ab.

„Als wir dann nach nur neun Minuten am Unfallort eintrafen, war noch kein anderer Notarzt vor Ort“, schildert Martin Bosch die Geschehnisse jenes Nachmittags. Unverzüglich sichtet die medizinische Crew des Rettungshubschraubers darum alle Unfallopfer und beginnt mit ersten medizinischen Untersuchungen. „Wir fanden zwei Verletzte liegend vor. Eine dritte betroffene Person hatten Ersthelfer in ein unbeteiligtes Fahrzeug gesetzt. Sie erschien zunächst gar nicht so schwer verletzt“, berichtet der Notfallsanitäter.

Umsichtigerweise setzt Notarzt Dr. Blaich im Zuge der Erstdiagnostik jedoch auch das mobile Ultraschallgerät ein, das nicht zur Standardausstattung im Rettungswesen zählt, das jedoch zur Ausrüstung von Christoph 64 gehört. „Tatsächlich hat unser Notarzt bei der Sonografie eine große Menge freie Flüssigkeit im Körper der Patientin gesehen, die im Auto saß. Das ist ein Zeichen für verletzte Organe!“, erläutert Martin Bosch, der den Hubschraubernotarzt bei der Versorgung der Verunglückten unterstützte. „Und das ist das besonders Gefährliche an Verkehrsunfällen: Oft kommt es zu inneren Schädigungen, die äußerlich zunächst gar nicht wahrnehmbar sind. Dank unseres mobilen Ultraschallgerätes jedoch konnten wir feststellen, dass die Frau offensichtlich auch innerlich verletzt war.“

Diese Diagnose beeinflusste das weitere Handeln der Crew der DRF Luftrettung am Unfallort erheblich. Denn aufgrund der mittels Sonographie festgestellten Schwere der Verletzungen alarmierte die Besatzung von Christoph 64 sofort einen weiteren Hubschrauber der DRF Luftrettung nach. Christoph 49 aus Bad Saarow wurde zur Hilfe gerufen, damit er die innerlich verletzte Frau vom Unfallort auf der B 158 aus schnellstmöglich direkt ins Unfallkrankenhaus Berlin-Marzahn fliegen konnte. „Ein solches, schweres Abdominaltrauma – also die innere Verletzung der Organe – erfordert unbedingt die Behandlung in einem Haus der Maximalversorgung“, erklärt Martin Bosch.

Auch für ein zweites Opfer hatte der Unfall schwerste Folgen: Bei einem 35-jährigen Mann, der ebenfalls in einem der beiden zusammengestoßenen PKW gesessen hatte, diagnostizierte Dr. Henning Blaich lebensbedrohliche Mehrfachverletzungen („Polytrauma“) und eine Beckenfraktur. „Diesen Patienten haben wir mit Christoph 64 ins Klinikum Berlin-Buch geflogen, wo wir ihn nur wenige Minuten später an die dort bereitstehenden Ärzte zur weiteren Behandlung der Unfallfolgen übergeben konnten.“

Martin Bosch freut sich beim Zurückdenken an diesen Einsatz in der Märkischen Schweiz besonders darüber, dass ihm und dem Hubschraubernotarzt mit dem mobilen Ultraschallgerät besonders hilfreiche Medizintechnik zur Verfügung stand, die etwa Rettungswagen in der Regel nicht mitführen: „Ohne die Sonografie hätten wir die inneren Verletzungen der Patientin gar nicht entdecken können – und hätten die Patientin mit einem Rettungswagen in ein Krankenhaus fahren lassen, wodurch kostbare Zeit verloren gegangen wäre. So haben wir die Kollegen aus Bad Saarow hinzugerufen und die Frau direkt in die Unfallklinik bringen lassen, wo ihr am besten geholfen werden konnte.“

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