14.04.2011 | Rettungsbericht

Geschenk zum Muttertag

Virusinfektionen, die für Erwachsene vergleichsweise harmlos sind, können bei Kleinkindern lebensbedrohlich verlaufen. So wie bei der 15 Monate alten Anna-Lena. Im Mai bangen die Eltern Manuela Rothmund und Thomas Baumann um das Leben ihrer Tochter. Rettung kommt mit Christoph 11.

Die Bronchitis wird immer schlimmer, Anna-Lena hustet sich fast die Lunge aus dem Leib. Also suchen Manuela Rothmund und ihr Lebensgefährte Thomas Baumann am 2. Mai wiederholt ihre Kinderärztin in Lauchringen auf. „Anna-Lena war glühend heiß, sie hatte über 40°C Fieber.“ Die Ärztin handelt umgehend. „Wir sollten mit ihr sofort in eine Kinderklinik – aber nur unter notärztlicher Begleitung“, erinnert sich die Mutter an den kritischen Zustand ihrer kleinen Tochter.

Schneller Transport in die Kinderklinik

Noch von der Praxis aus wird der Notruf abgesetzt. Da die Kinderklinik in Villingen über 60 Kilometer entfernt ist und ein Transport mit dem Rettungswagen etwa eine Stunde gedauert hätte, besteht die Fachärztin auf einen schnellen Transport mit dem Hubschrauber. Die Rettungsleitstelle Waldshut-Tiengen fordert über die Kollegen in Villingen Christoph 11 der DRF Luftrettung an. Notarzt Dr. Rainer Gojowczyk, Rettungsassistent Andreas Schuhbauer und Pilot Günter Eigenbrodt sind wenige Augenblicke nach der Alarmierung bereits in der Luft und auf dem Weg zu Anna-Lena. Die Crew gilt als eingespieltes Team, alle drei bringen langjährige Erfahrung in der Luftrettung mit. Trotzdem ist die Stimmung auf dem Flug nach Lauchringen angespannt. „Wir wussten von der Leitstelle nur ‚Kind mit Fieber’, aber nicht, wie stark das Kind fiebert oder ob es Fieberkrämpfe hat“, berichtet Rettungsassistent Schuhbauer. „Notfälle mit Kindern haben für uns einen ganz eigenen Charakter, da spielt es keine Rolle, wie viele Jahre Einsatzerfahrung man mitbringt“, fährt er fort.  Da in unmittelbarer Nähe zur Praxis in Lauchringen keine Möglichkeit besteht, den Hubschrauber sicher zu landen, weicht der Pilot auf den großen Platz vor der Rettungswache nordöstlich des Zentrums aus. Die bodengebundenen Rettungskräfte und der Notarzt sind mit Anna-Lena und ihren Eltern bereits vor Ort.

Diagnose: Hochansteckender Virus

Vor der Rettungswache in Lauchringen geht alles Weitere recht schnell. „Das Kind war medizinisch bereits sehr gut vorversorgt“, erinnert sich Hubschraubernotarzt Dr. Gojowczyk. Er überprüft nochmals die Parameter wie Körpertemperatur, Blutdruck und Sauerstoffsättigung, um sicher zu gehen, dass Anna-Lena für den Transport stabil ist. Währenddessen setzt der Rettungsassistent dem Kind eine Sauerstoffmaske auf. Kurz darauf nimmt der Pilot Kurs auf die Kinderklinik Villingen, die Mutter kann den Flug begleiten. „Abgesehen von der Sorge um meine Tochter habe ich mich bei der Besatzung sehr gut aufgehoben gefühlt“, erinnert sich die 27-Jährige. „Die Minuten bis zur Klinik vergingen im wahrsten Sinne des Wortes wie im Flug.“ In Villingen ist für die Ankunft der kleinen Patientin alles vorbereitet. Zwei Schwestern und ein diensthabender Arzt nehmen Anna-Lena in Empfang. Nachdem die Übergabemodalitäten abgeschlossen sind, verabschiedet sich die Besatzung von ihrer kleinen Notfallpatientin und kehrt zurück zur Station. Nachdem Rettungsassistent Schuhbauer den Hubschrauber vorsorglich desinfiziert hat, meldet sich Christoph 11 bei seiner Heimatleitstelle wieder einsatzbereit. 

Thearpie erfolgreich

In der Klinik gibt ein Abstrich des Nasensekrets Gewissheit: Anna-Lena hat sich mit dem Respiratory-Syncytial- Virus, kurz RSV, angesteckt. Mutter und Kind bekommen ein eigenes Zimmer, das sie anfangs nicht verlassen dürfen. Denn das Virus ist hoch infektiös. „Anna-Lena hat Flüssigkeit über Infusionen bekommen. Und ihr wurde weiterhin Sauerstoff verabreicht. Die Sättigung lag immer noch unter 94 Prozent“, sagt Manuela Rothmund. Die Therapie schlägt an. Bereits am nächsten Tag ist das Mädchen fieberfrei. Doch entlassen werden die beiden erst, wenn Anna-Lena eine Nacht ohne Sauerstoff sein kann. Fünf Tage später ist es soweit: Manuela Rothmund darf mit ihrer Tochter nach Hause zu Mann Thomas und Sohn Marvin (3). Ein schöneres Geschenk hätte sie ihrer Mutter zum Muttertag kaum machen können.

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