02.04.2019 | News-Bericht

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der Luftrettung

  • Luftrettungsexperten diskutierten aus polnischer und deutscher Sicht über die Verbesserung der grenzüberschreitenden medizinische Versorgung.
    Luftrettungsexperten diskutierten aus polnischer und deutscher Sicht über die Verbesserung der grenzüberschreitenden medizinische Versorgung.

Um die grenzüberschreitende medizinische Versorgung im deutsch-polnischen Raum zu verbessern, organisierte die DRF Luftrettung vergangenen Mittwoch und Donnerstag eine Luftrettungskonferenz in Stettin im Rahmen des von der EU geförderten Projektes InGRiP (Integrierter grenzüberschreitender Rettungsdienst Pomerania/Brandenburg). Im Fokus der Expertendiskussionen stand die Erweiterung des Rahmenabkommens zum grenzüberschreitenden Rettungsdienst zwischen Deutschland und Polen. Eine solche Zusammenarbeit wird in Europa immer wichtiger, da Wirtschaft und Tourismus grenzüberschreitend stattfinden. Analog dazu müssen auch die Strukturen des Gesundheitswesens Hand in Hand arbeiten, damit eine qualitätsgerechte medizinische Versorgung von Urlaubern, Anwohnern und Arbeitnehmern gewährleistet ist. Das Rahmenabkommen zum grenzüberschreitenden Rettungsdienst zwischen Deutschland und Polen sieht derzeit die Einbeziehung der Luftrettung nicht vor. „Das wollen wir zum Wohle der Menschen im Grenzgebiet ändern, um ihnen eine bestmögliche medizinische Versorgung bieten zu können“, sagte Dr. Krystian Pracz, Vorstandsvorsitzender der DRF Luftrettung. Daher wurden auf der Konferenz die Voraussetzungen für die Einbeziehung der Luftrettung in den grenzüberschreitenden Rettungsdienst zwischen Deutschland und Polen diskutiert.

Dr. Krystian Pracz zeigte in seiner Begrüßung eine mögliche Form der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit auf: „Unsere Rettungshubschrauber in Greifswald und in Angermünde können die Versorgung auf polnischer Seite sinnvoll unterstützen und der Hubschrauber bei Stettin kann den Rettungsdienst auf deutschem Boden ebenfalls gut ergänzen.“ Wirtschaftsminister Harry Glawe, vor Ort vertreten von Ralf Iwohn (Referatsleiter Öffentliches Gesundheitswesen, Infektionsschutz und Rettungsdienst im Wirtschaftsministerium), unterstrich die Bedeutung der Luftrettung für die Region: „Gerade in dünn besiedelten Regionen mit entsprechend geringem Notfallaufkommen ist es eine Herausforderung, flächendeckenden Rettungsdienst vorzuhalten. Dazu kommt, dass eine zunehmende Spezialisierung von Krankenhäusern teilweise längere Transportwege erforderlich machen, um Notfallpatienten in das für sie geeignete Krankenhaus zu transportieren. Hier sind Rettungshubschrauber als Ergänzung unverzichtbar.“

Im Rahmen der Konferenz wurde ein Ist-Soll-Vergleich zur grenzüberschreitenden Luftrettung durch Dr. Lutz Fischer, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst (Landkreis Vorpommern-Greifswald, Eigenbetrieb Rettungsdienst) und durch Robert Hełminiak, Regionaldirektor der polnischen medizinischen Luftrettung gezogen. Die medizinischen Rahmenbedingungen beleuchtete Dr. Jörg Braun, Fachbereichsleiter Medizin der DRF Luftrettung. Jan Paluch, stv. Direktor der polnischen medizinischen Luftrettung und Jérôme Gehri, Fachbereichsleiter Flugbetrieb der DRF Luftrettung, stellten die jeweiligen luftfahrtrechtlichen Aspekte vor. Abgerundet wurden diese Vorträge durch die Vorstellung von Beispielen aus der Praxis vorhandener grenzüberschreitender Luftrettung von Christian Müller-Ramcke, Leiter Unternehmensentwicklung der DRF Luftrettung. In verschiedenen Workshops widmeten sich die Experten anschließend rechtlichen, finanziellen, versicherungstechnischen sowie operativen und luftfahrtrechtlichen Fragestellungen von grenzübergreifenden Rettungseinsätzen.

Die Erkenntnisse aus der Luftrettungskonferenz fließen in das deutsch-polnische EU-Projekt „Integrierter grenzüberschreitender Rettungsdienst Pomerania/Brandenburg (InGRiP)“ ein. Dieses wurde im Jahr 2018 mit einer Laufzeit gestartet, um einen länderübergreifenden integrierten Rettungsdienst für Notfälle umzusetzen. Seitdem kooperieren die Universitätsmedizin Greifswald, der Landkreis Vorpommern-Greifswald der Rettungsdienst Stettin, die DRF Luftrettung und die polnische Luftrettungsstation Goleniow miteinander. Weitere Partner sind der gemeinnützige Rettungsdienst Märkisch-Oderland sowie die Universität Greifswald mit ihren Lehrstühlen für Slawische Sprachwissenschaft und Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Gesundheitsmanagement. Das Wirtschaftsministerium fördert das Projekt im Programm Interreg V A aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) in den kommenden drei Jahren mit rund 2 Millionen Euro. Die Verflechtung der Gesundheitssysteme in der Region wird dabei in unterschiedlichen Arbeitspaketen grundlegend überdacht und dabei auf eine stufenweise Annäherung der beiden Notfallversorgungssysteme eingegangen. Die Arbeitspakete umfassen Analysen der Rechtsgrundlagen und Bedingungen der boden- und luftgebundenen Rettungssysteme, die Entwicklung eines Sprachschulungsprogrammes, die Erarbeitung von rechtlichen, versicherungstechnischen und finanziellen Grundlagen für grenzüberschreitende Luftrettungseinsätze sowie die Entwicklung gemeinsamer notfallmedizinischer Schulungskonzepte. Weitere Ziele sind zum Beispiel, die Kommunikation der Leitstellen untereinander zu intensiveren sowie eine elektronische zweisprachige Dokumentations- und Übergabedokumentation zu etablieren.