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03.11.2017 | News-Bericht

H 135: Sehen, woher der Wind weht

  • Äußerlich ist die neue H 135 von der Vorgängerin EC 135 nur mit geschultem Blick zu unterscheiden – die herausragendste Verbesserung der Baureihe offenbart sich erst im Inneren: das neue Glascockpit inklusive Vier-Achsen-Autopilot.
    Äußerlich ist die neue H 135 von der Vorgängerin EC 135 nur mit geschultem Blick zu unterscheiden – die herausragendste Verbesserung der Baureihe offenbart sich erst im Inneren: das neue Glascockpit inklusive Vier-Achsen-Autopilot.
  • Fluglehrer Jörg Redetzky (links) war einer der ersten beiden Piloten der DRF Luftrettung, der auf der H 135 geschult wurde. Nun gibt er sein Wissen rund um die vielfältigen Möglichkeiten des Glascockpits, das ebenso in der im Zuge der Flottenerneuerung beschafften H 145 zum Einsatz kommt, bei der „Unterschiedsschulung“ an seine Piloten-Kollegen wie den Chef der in Österreich gelegenen Station Reutte Christian Brunnlechner weiter.
    Fluglehrer Jörg Redetzky (links) war einer der ersten beiden Piloten der DRF Luftrettung, der auf der H 135 geschult wurde. Nun gibt er sein Wissen rund um die vielfältigen Möglichkeiten des Glascockpits, das ebenso in der im Zuge der Flottenerneuerung beschafften H 145 zum Einsatz kommt, bei der „Unterschiedsschulung“ an seine Piloten-Kollegen wie den Chef der in Österreich gelegenen Station Reutte Christian Brunnlechner weiter.
  • Jérôme Gehri, Fachbereichsleiter Besatzungsschulung.
    Jérôme Gehri, Fachbereichsleiter Besatzungsschulung.
  • Nach einem intensiven praktischen Training besprechen Fluglehrer Jörg Redetzky (rechts) und Pilot Christian Brunnlechner den Lernerfolg.
    Nach einem intensiven praktischen Training besprechen Fluglehrer Jörg Redetzky (rechts) und Pilot Christian Brunnlechner den Lernerfolg.
  • Rüdiger Bosch, Leiter der ATO, „Approved Training Organisation“.
    Rüdiger Bosch, Leiter der ATO, „Approved Training Organisation“.

Die Luftretter, die mit ihren rot-weißen Hubschraubern und Jets Jahr für Jahr zu mehr als 38.000 Einsätzen abheben, sind stolz und dankbar. Stolz, ab jetzt die modernste Generation von Hubschraubern – die H 135 – zu fliegen. Denn die dringend notwendige Flottenerneuerung führt dazu, das hohe Qualitätsniveau noch einmal anzuheben. Und dankbar sind die Piloten, dass die Förderer des DRF e. V. es ermöglichen, diese beste verfügbare Technik täglich zur Rettung von Menschen in Notlagen einsetzen zu können.

Jörg Redetzky saß am Steuerknüppel der einen nagelneuen Maschine, als die ersten beiden Exemplare des topmodernen Hubschraubers vom Hersteller Airbus in Donauwörth ins OPC, das „Operation-Center“ der DRF Luftrettung in Rheinmünster, überführt wurden. Der erfahrene Cheffluglehrer wurde als einer der ersten beiden Piloten der Hilfsorganisation überhaupt auf der H 135 geschult.

Von außen ist der Unterschied zwischen der bisher genutzten EC 135 und der neuen Baureihe, die Jörg Redetzky vom Werk abgeholt hat, nur für ein geschultes Auge erkennbar: veränderte Lufteinlässe, am Heckausleger sind die Seitenleitwerke entfallen, ein höheres Kufenlandegestell. Doch im Innern der H 135 sind die wirklich bahnbrechenden Veränderungen zu finden. Diese beschreiben Jörg Redetzky und Christian Brunnlechner im Interview. Brunnlechner ist Stationsleiter im österreichischen Reutte und an diesem Tag „Schüler“ Redetzkys auf der H 135, dem zweiten neuen Modell, mit dem die Flottenerneuerung der DRF Luftrettung vorangebracht wird.

Frage: Der sichtbarste Unterschied der H 135 zum Vorgänger ist, wie beim ebenfalls von der DRF Luftrettung angeschafften Muster H 145, ihr neues „Glascockpit“. Wo früher analoge Rundinstrumente die Höhe oder Geschwindigkeit anzeigten, sind nun große Bildschirme eingebaut, die alle Werte digital darstellen. Ist das nur eine andere optische Aufbereitung? Oder kann der Pilot mehr abfragen als einst?

Redetzky: „Beides. Es gibt nun viel mehr Informationen. So werden zum Beispiel auch Tendenzen angezeigt, die die Maschine hat, etwa, ob sie schneller oder langsamer wird. Solche Tendenzen konnten Rundinstrumente nicht anzeigen – hier rechnet der Computer aus: Behält man diese Fluglage bei, dann beträgt die Geschwindigkeit in fünf Sekunden den und den Wert. Oder es werden uns im Flug die Windrichtung und Windstärke angezeigt – das hatten wir früher nie! Nun sehen wir immer, woher der Wind, der um die Maschine herrscht, weht; und dazu, wie schnell.“

Brunnlechner: „Das ist wirklich super! Man sollte ja stets gegen den Wind landen, da hilft die Anzeige. Bei Windeneinsätzen bei uns in den Bergen ist dieses Ausstattungsmerkmal, das die H 135 ebenso wie unsere H 145 hat, phantastisch: Man stellt die ‚Nase‘ mithilfe der Anzeige in den Wind und hat so eine großartige Unterstützung im Einsatz.“

Frage: Nun bringt die H 135 weitere Neuerungen mit wie einen „Vier-Achsen-Autopilot“. Sie haben aber doch auch mit der EC 135 ohne Autopilot jede Einsatzstelle schnell und zuverlässig gefunden. Was bringt also diese zusätzliche Einrichtung?

Redetzky: „Es ist ein Sicherheitsgewinn. Klar: Wir fliegen seit mehr als 40 Jahren Rettungseinsätze und haben das, glaube ich sagen zu können, stets hervorragend gemacht. Aber der Autopilot, wie er hier verbaut ist, stellt eine Entlastung dar: Früher musste ich meine Aufmerksamkeit zu vielleicht 20 oder 30 Prozent für die Steuerung aufwenden. Jetzt kann der Autopilot sie für eine gewisse Zeit übernehmen – also habe ich Ressourcen frei, die ich zur Luftraumbeobachtung, Vorbereitung auf die Landung am Einsatzort, für den Funkverkehr oder die Abstimmung mit Kräften am Boden nutzen kann. Und das ist ein enormer Zugewinn an Sicherheit.“

Frage: Haben die neuen Maschinen da noch mehr zu bieten?

Redetzky: „Ja, das ACAS zum Beispiel, was für ‚airborne collision avoidance system‘ steht. Dieses zeigt uns im Cockpit an, ob sich andere Luftfahrzeuge in der Nähe aufhalten, und notfalls werden wir auch akustisch gewarnt. Dies ist bei jedem Wetter ein Sicherheitsgewinn – die DRF Luftrettung eilt einem Menschen in Not natürlich nicht nur bei Sonnenschein und blauem Himmel zur Hilfe.“

Gesetzlich vorgeschrieben seien Systeme wie ACAS nicht, erläutert Redetzky. „Doch jedes zusätzliche System, das wir aufgrund der Mittel, die uns Förderer zur Verfügung stellen, einsetzen können, unterstützt die Crew im Einsatz und macht ihre Arbeit noch sicherer und effektiver.“ Und dann sind da noch die beiden modifizierten Triebwerke der H 135: „Heutzutage wird gefordert, dass man jederzeit auch bei einem Triebwerksausfall sicher landen kann. Die H 135 kann das sogar noch besser als ihre Vorgänger“, betont Jérôme Gehri. Der Fachbereichsleiter Besatzungsschulung der DRF Luftrettung nennt einen weiteren Aspekt, warum seine Organisation überaus glücklich ist, mit Hilfe der Förderer die beste Technik nutzen zu können: „Die höhere Triebwerksleistung der H 135 bringt uns einen ergänzenden Vorteil: die Mitnahme von etwas mehr Kraftstoff.“ Die ergebe, so der Fachmann, entsprechend eine größere Reichweite. „Das ist immer ein großer Faktor: Früher musste man zwischen dem einen oder anderen Einsatz tanken, was Zeit kosten könnte. Die Flottenerneuerung durch die Beschaffung der H 135 führe somit zu einer Weiterentwicklung der Luftrettung zum Wohle der Patienten, fasst Gehri zusammen. „Möglich werden solche Schritte eben auch durch die Beiträge unserer Fördermitglieder. Dafür sind wir ihnen überaus dankbar – und zweifelsohne ist es erst recht jeder Mensch, dem wir in einer ernsten Notlage mit der neuen H 135 zur Hilfe eilen können.“

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