05.12.2018 | Rettungsbericht

Herzinfarkt im Urlaubsflieger

  • Bei dringenden Auslandrückholungen müssen alle organisatorischen Schritte sitzen.
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  • Als Fördermitglied der DRF Luftrettung holen wir Sie kostenlos aus dem Ausland zurück, sofern medizinisch sinnvoll und ärztlich angeordnet.
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  • Profitieren Sie von unserer Erfahrung in weltweiten Patiententransporten - seit fast 50 Jahren.
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Seinen Urlaub hatte sich das Rentner-Paar ganz anders vorgestellt. Um dem nass-kalten Herbst in Deutschland zu entfliehen, wollte das Ehepaar Ende September auf die Kanaren reisen. Doch kurz vor dem Landeanflug auf die Inseln der Schock: Der 79-jährige Mann verliert kurzfristig das Bewusstsein! Umgehend organisiert das Bordpersonal des Ferienfliegers einen Rettungswagen, der den Mann vom Flughafen aus in eine nahegelegene Klinik bringt. Dort diagnostizieren die Ärzte einen Herzinfarkt. Wegen anhaltender Herz-Rhythmus-Störungen und vorerkrankten Herzkranzgefäßen wird das lebenswichtige Organ des Patienten mit einem Elektroschock wieder in den richtigen Takt gebracht. Der Mann wird weiter untersucht und intensivmedizinisch versorgt, während seine Ehefrau um ihn bangt. Schnell wird klar: die Verengung der Herzkranzgefäße ist bereits weit fortgeschritten. Das Setzen von Stents, einem Metallgeflecht, welches die Gefäße stabilisiert und offenhält, scheidet damit aus.

Eine Verlegung in die Universitätsklinik der kanarischen Hauptstadt Santa Cruz wird angeordnet mit der Maßgabe zu prüfen, ob eine Bypass-Operation angezeigt ist. Drei Wochen lang wird der Patient dort für die anstehende schwere Operation untersucht und vorbereitet. Ende Oktober alarmiert dann die Krankenversicherung des Mannes die Einsatzzentrale der DRF Luftrettung. Mehrere Fragen gilt es zu klären: Würde eine Bypassoperation auf den Kanaren nach Deutschen Standards durchgeführt? Über welchen Zeitraum erstreckt sich die anschließende Rehabilitationsmaßnahme? Könnte diese aufgrund der Sprachbarriere überhaupt umfassend durchgeführt und erfolgreich zum Abschluss gebracht werden? Fest steht: Der Patient muss operiert werden. Die Zeit eilt. Unverzüglich wird ein Arzt-zu-Arzt-Gespräch zwischen dem Flugarzt der DRF Luftrettung und den behandelnden Ärzten in Santa Cruz geführt. Dann die wichtige Entscheidung: Der Patient soll in ein heimatnahes geeignetes Krankenhaus in Deutschland gebracht werden.

Schon am nächsten Tag trifft die medizinische Besatzung der DRF Luftrettung in Santa Cruz ein. Es folgt ein ausführliches Übergabegespräch mit den behandelnden Ärzten der Uniklinik, bei dem sämtliche Untersuchungsbefunde diskutiert werden. Ein Dolmetscher stellt die störungsfreie Kommunikation der Spezialisten sicher. Der erfahrene Flugarzt der DRF Luftrettung untersucht den Patienten eingehend. Alle notwendigen medizintechnischen Geräte werden angelegt, damit der Patient - ebenso wie auf der Intensivstation der Uniklinik - während des Fluges lückenlos überwacht werden kann. Wenn auch geschwächt, aber glücklich, nach Deutschland zu kommen, befindet sich der Patient in einem stabilen Zustand und ist bereit für den Rücktransport nach Deutschland.

Dramatische Verschlechterung der Situation

Der Transfer zum Flughafen erfolgt problemlos. Die eigene Atmung unterstützend erhält der Mann über eine Nasensonde zusätzlichen Sauerstoff – eine Standardmaßnahme in dieser Situation. Während des Fluges wird der Erkrankte durch die bestens ausgebildete Crew der DRF Luftrettung intensivmedizinisch betreut. Denn die Herzkranzgefäße des Mannes sind so weit vorgeschädigt und verengt, dass jederzeit ein erneuter Infarkt oder eine lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung auftreten kann. Der Flug verläuft zunächst planmäßig. Doch nach etwa eineinhalb Stunden Flugzeit treten dem Patienten kalte Schweißperlen auf die Stirn. Wegen erneuter Schmerzen im Brustbereich entscheidet der Flugarzt, ein weiteres 12-Kanal-EKG zu schreiben. Im Vergleich zu den Vorbefunden der Universitätsklinik in Santa Cruz zeigen sich dramatische Veränderungen, die auf einen erneuten Infarkt hinweisen. Der Arzt handelt umgehend, legt dem Patienten eine weitere dünne Kanüle in eine Unterarmschlagader, so dass der Blutdruck kontinuierlich gemessen werden kann. Zur Linderung seiner Symptome erhält der Mann schmerzstillende Medikamente. Um die wichtigsten Blutwerte zu bestimmen führt die medizinische Besatzung der DRF Luftrettung während des Fluges ein sogenanntes Minilabor durch. All diese Maßnahmen und Messungen sind nur möglich durch die top ausgebildete und erfahrene medizinische Besatzung und das hochmoderne Bordequipment der DRF Luftrettung!

Zwischenlandung in Paris?

Hochkonzentriert und unter intensiver Beobachtung des schwerkranken Patienten wird der Flug fortgesetzt. Nach einer weiteren Stunde – das Ambulanzflugzeug überfliegt gerade Paris – dann eine erneute Zustandsverschlechterung. Kreislaufprobleme treten auf, ein abermaliges 12-Kanal-EGK zeigt starke Veränderungen der Herzkurven. Der Zustand des Patienten ist kritisch. Es stellt sich die Frage: Zwischenlandung in Paris – oder Fortsetzung des Fluges nach Deutschland? In Paris müsste ein Rettungswagen organisiert, ein geeignetes Krankenhaus und Klinikärzte gesucht werden. Schnell wird klar: Eine Landung in Frankreichs Hauptstadt bietet keinen zeitlichen Vorteil. Der Flug ins Ruhrgebiet wird fortgesetzt. Lange dauert es nicht mehr!

Die perfekte Rettungskette

Noch während des Fluges übermittelt die medizinische Besatzung via Satellitentelefon alle aktuellen Befunde an die Einsatzzentrale der DRF Luftrettung. Der Einsatzkoordinator wiederum alarmiert die Uniklinik Essen und fragt nach, ob eine akute Bypass-Operation möglich sei, nimmt Kontakt zu den Herzchirurgen der Zielklinik auf, übermittelt alle medizinischen Unterlagen und erläutert die lebensbedrohliche Situation.

Gegen 15 Uhr dann die Landung in Düsseldorf, wo bereits ein Rettungswagen bereitsteht. Unter Beibehaltung der Reanimationsbereitschaft wird der schwer kranke Patient zur Essener Klinik transportiert. Dort wird er durch die medizinische Besatzung der DRF Luftrettung an das Ärzte-Team, welches den lebensrettenden Eingriff durchführen wird, übergeben. Durch die medizinischen Befunde der DRF Luftrettung bestens vorbereitet, verzichten die Essener Ärzte auf erneute zeitraubende Untersuchungen und beginnen unverzüglich mit der Operation des Patienten – Zeit, die in einer solchen Situation Leben rettet!

Zwei Tage später dankt die Ehefrau der DRF Luftrettung von ganzem Herzen: In einer mehrstündigen Operation wurden vier Bypässe gelegt. Der Patient lebt. Es geht ihm den Umständen entsprechend gut. Alle Zahnräder der Rettungskette von den Kanaren bis zur Zielklinik in Essen griffen perfekt ineinander. Kommunikation, Organisation und Betreuung gingen Hand in Hand – zum Wohle des schwer kranken Mannes.

Der Rentner hatte Glück: durch die umfassenden Leistungen seiner Krankenversicherung war die Rückholung im Ambulanzflugzeug der DRF Luftrettung möglich. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen diese Kosten in der Regel nicht. Deshalb ist eine Fördermitgliedschaft beim DRF e.V. so wichtig: denn als Dankeschön für die regelmäßige finanzielle Unterstützung ist unsere Einsatzzentrale an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr für unsere Förderer erreichbar. Und wenn unsere Flugärzte entscheiden, dass ein Transport nach Deutschland medizinisch sinnvoll ist, dann holen wir sie nach Hause. Darauf können unsere Förderer sich verlassen. Jederzeit.

Die Station zum Beitrag:

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