07.07.2011 | Rettungsbericht

Im Anflug auf Wuschewier

Als am 7. Juli 2011 ein rot-weiß lackierter Hubschrauber direkt vor dem Haus von Nicole Geier und Sven Dölfel landet, beschleicht die Bewohner des 200-Seelen-Dorfs Wuschewier (Märkisch-Oderland) ein ungutes Gefühl. Etwas Schlimmes muss passiert sein ...

Nils ist kein ängstliches Kind. Er springt von Bänken und Tischen, krabbelt in Wäschekörbe, läuft den Hunden hinterher ...“ Sven Dölfel trägt die Entdeckungsfreude seines jüngsten Sohnes mit wiedererlangter Fassung. Nicht einmal vor Wasser habe er Angst, kaum zu glauben nach den Geschehnissen vom vergangenen Sommer. „Nils hat zufrieden in der Buddelkiste gespielt, als ich meinem Schwiegervater dabei half, ein Tier einzufangen, das aus dem Gehege entlaufen war. Er war nur einen kurzen Moment unbeaufsichtigt“, erinnert sich der 39 Jahre alte Vater. In diesem Zeitraum krabbelt sein sieben Monate alter Sohn aus dem Sandkasten, über die Wiese und auf den Steg, der über den Teich ragt. Als Sven Dölfel zurück zur Buddelkiste kommt, ist diese verlassen. Er sucht das Gelände ab und entdeckt Nils im Teich. Sofort stürzt er in den Tümpel und zieht den leblosen Körper ans Ufer. „Er war kreidebleich und hat nicht mehr geatmet“, erinnert sich der Vater an den wohl schlimmsten Moment seines Lebens.

Schnelle Hilfe aus der Luft

Währenddessen hat Opa Ulrich schon die Notrufnummer gewählt und den Disponenten der Leitstelle Oderland am Hörer, der sogleich den Rettungsdienst alarmiert, darunter den Hubschrauber der DRF Luftrettung aus Bad Saarow. Parallel dazu unterstützt der Leitstellendisponent den Vater telefonisch bei der Wiederbelebung seines Sohnes. „Ich habe sofort mit der Herzdruckmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung begonnen, kurz darauf hat Nils gehustet. Der Einsatzleiter hat mich angewiesen, mit der Reanimation fortzufahren.“ Wenige Augenblicke später treffen Rettungskräfte mit einem Rettungswagen und die Besatzung der DRF Luftrettung aus dem 60 km Luftlinie entfernten Bad Saarow in Wuschewier ein. „Die Familie hat einen kleinen Bauernhof mit vorgelagerten Feldern und Wiesen, dort konnte ich den Hubschrauber direkt vor dem Wohnhaus landen“, erzählt Pilot Birger Wurmbach. Notarzt Dr. Dirk Bernhardt und Rettungsassistent Ronald Müller eilen in den Garten – und erfahren die gute Nachricht: Nils hat wieder Puls, er atmet! Zwischenzeitlich ist auch Mutter Nicole Geier eilig heimgekehrt, die von ihrem Vater per Handy über die Geschehnisse unterrichtet worden war. Sie kümmert sich um Nils Geschwister Alexander (15), Till (14), Angelique (13) und Christian (8), die nach und nach von der Schule nach Hause kommen. Gemeinsam mit den Kollegen des Rettungsdienstes untersuchen Dr. Bernhardt und Ronald Müller den kleinen Nils. „Wir haben die Atemwege freigemacht, einen venösen Zugang gelegt und Maßnahmen zur Wärmeerhaltung des Kindes eingeleitet“, berichtet Rettungsassistent Müller. Dann wird der Säugling für den Transport in die Klinik vorbereitet. Auf dem Flug in das gut 40 km Luftlinie entfernte Klinikum in Frankfurt-Markendorf hält der Vater seinen Sohn im Arm. Nils ist in eine Rettungsdecke eingepackt, damit sein Körper nicht weiter auskühlt, und an ein sogenanntes Monitoring angeschlossen. Es zeigt der medizinischen Besatzung die Vitalparameter ihres kleinen Patienten an. „Hätte sich die Sauerstoffsättigung plötzlich verändert oder wäre der Blutdruck abgefallen, hätten wir mit entsprechenden Maßnahmen sofort reagieren können“, erklärt der Rettungsassistent Sinn und Zweck des Überwachungsbildschirms. Im Kinderzentrum des Klinikums eingetroffen, kommt Nils zur weiteren Beobachtung auf die Intensivstation – eine reine Sicherheitsmaßnahme, da Patienten nach Ertrinkungsunfällen häufig an einer Lungenentzündung erkranken.

Keine Spätfolgen

Doch Nils hat seinen Unfall im Gartenteich ohne (Spät-)Folgen überstanden, vier Tage später darf er wieder zu seiner Familie nach Hause. „Er war schon am nächsten Tag in der Klinik wieder putzmunter“, ist Sven Dölfel erleichtert. Bewegungsfreudig ist Nils nach wie vor, mit seinen heute anderthalb Jahren fährt er bereits Dreirad und hält seine Eltern ordentlich auf Trab. Auf ihn werden sie noch lange Zeit ein Auge haben.Oder besser zwei.

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