17.05.2018 | Hintergrund

Innere Blutungen zielsicher erkannt

  • Bei Unfällen wird meist eine routinierte Untersuchung der Verletzten durchgeführt. Diese erfolgte nach immer gleichen Muster - dem sogenannten ABCDE-Schema.
    Bei Unfällen wird meist eine routinierte Untersuchung der Verletzten durchgeführt. Diese erfolgte nach immer gleichen Muster - dem sogenannten ABCDE-Schema.
  • Dr. Henning Blaich erinnert sich noch gut an jenem Tag, an dem er und seine Kollegen zu einem schwerem Verkehrsunfall gerufen wurde.
    Dr. Henning Blaich erinnert sich noch gut an jenem Tag, an dem er und seine Kollegen zu einem schwerem Verkehrsunfall gerufen wurde.

Dr. Henning Blaich erinnert sich noch gut an diesen Tag, als er und seine Kollegen von Christoph 64 zu einem Verkehrsunfall  auf der B158 in Brandenburg gerufen werden – jene Straße, die Boulevardmedien der Region auch als „Todesstraße“ bezeichnen.  Denn auf der Landstraße zwischen Angermünde und Berlin kommt es immer wieder zu schwersten Verkehrsunfällen.

Der Notarzt kennt solche Einsätze. Auf der B158 sind zwei Autos mit hoher Geschwindigkeit frontal zusammengestoßen. Nach nur neun Minuten sind der erfahrene Notarzt und seine Kollegen die ersten Rettungskräfte vor Ort. Sie finden zwei  verletzte Personen vor. Eine dritte haben Ersthelfer in ein unbeteiligtes Fahrzeug gesetzt. Sie scheint zunächst nur leicht verletzt.

Dr. Hennig Blaich untersucht sofort die Unfallopfer. Dabei setzt er routiniert ein mobiles Ultraschallgerät ein. Mit diesem kann der Arzt innere Blutungen erkennen. Und tatsächlich stellt er bei der scheinbar unverletzten Frau freie Flüssigkeit im Bauch fest – ein untrügliches Zeichen für verletzte Organe. Umgehend wird ein zweiter Hubschrauber der DRF Luftrettung alarmiert, der sie unverzüglich in eine Spezialklinik bringt.

Kleines Gerät rettet Leben

Rettungskräfte wie Dr. Blaich kennen solche Situationen und das Tückische gerade bei scheinbar nur leicht verletzten Unfallopfern. Oft kommt es zu inneren Schädigungen, die äußerlich kaum wahrnehmbar sind. Da ist es gut, ein mobiles Ultraschallgerät zu haben. Dieses ist kein Standard im Rettungswesen, gehört aber bei der DRF Luftrettung zur Grundausstattung jedes Rettungshubschraubers. Nur dadurch konnte der Arzt feststellen, dass die Frau auch innerlich verletzt war – und somit vermutlich ihr Leben retten.

Doch nicht nur dem Gerät allein ist es zu verdanken, dass die Frau bestmöglich versorgt werden konnte. Auch die routinierte Untersuchung der Verletzten spielte eine maßgebliche Rolle. Diese erfolgte nach einem festgelegten Muster– dem sogenannten ABCDE-Schema.

Das ABCDE der Notfallrettung

Anhand dessen wird der Notfallpatient systematisch untersucht und die Schwere der Verletzung geprüft. Dabei steht das A für Atemweg und  das B für „breathing“, also Beatmungsprobleme wie Luftansammlungen im Brustkorb. C befasst sich mit „circulation“, also mit Kreislaufproblemen, und D sind neurologische Ausfallerscheinungen („disability“ im Englischen). E steht für „environment“ oder „exposure“, dabei geht es um den Gesamtblick auf den ganzen Patienten.

Innerhalb des ABCDE-Schemas kommt das mobile Ultraschallgerät unter Punkt C zum Einsatz – es gehört für die Rettungskräfte der DRF Luftrettung zur Routine – beim Einsatz von Dr. Blaich veränderte dieses den Einsatzverlauf erheblich.

Das Training des ABCDE-Schemas führen die Notärzte und Notfallsanitätern der DRF Luftrettung gemeinsam durch– ein Alleinstellungsmerkmal der rot-weißen Luftretter! Denn dadurch stehen bei einem Notfall mit mehreren Verletzten gleich zwei Retter zur Verfügung – ein entscheidender Vorteil, wie der Einsatz von Dr. Blaich zeigt.

Wenn er von dem Einsatztag erzählt, betont er auch, wie wichtig dieses kleine Gerät und die gemeinsamen Schulungen von Notfallsanitätern und Ärzten sind. „Das ist absolut exzellent bei der DRF Luftrettung! Es verbessert die Versorgungsqualität erheblich. Wir haben dadurch erweiterte Möglichkeiten zur Diagnose und zur optimalen Versorgung eines Notfallpatienten. Und das dient letztendlich auch der Patientensicherheit“.