03.01.2020 | News-Bericht

Learjet übernimmt Verlegung von Säugling

  • Ein Ambulanzflugzeug der DRF Luftrettung steht auf Asphalt.
    Ein zwei Monate alter Junge kann nach einer speziellen Handlung in ein Krankenhaus in der Nähe seiner Eltern verlegt werden.

Als an einem Oktobertag das Telefon in der Zentralen Koordinierungsstelle (ZKS) für Intensivtransporte in Baden-Württemberg klingelt und Einsatzkoordinator Carsten Atrops den Anruf entgegen nimmt, ist der Auftrag schnell klar: Ein zwei Monate alter Junge kann nach einer speziellen Behandlung in einer Stuttgarter Kinderklinik zurück in ein Krankenhaus im Ruhrgebiet in die Nähe seiner Eltern. Doch aufgrund unbeständiger Wetterbedingungen ist viel Geduld gefordert. Im Interview erzählt Carsten Atrops, wie der Einsatz durchgeführt wurde und welche Herausforderungen dabei bewältigt werden mussten.

DRF Luftrettung: Was war das Besondere an diesem Einsatz?
Carsten Atrops: Zum einen ist es immer besonders ergreifend und berührend, wenn ein Mensch, bereits so kurz nach der Geburt schwer krank und auf Hilfe angewiesen ist. Zum anderen ist gerade in der Herbstzeit das Wetter oft zu unbeständig für weite Transporte mit dem Hubschrauber. Aber nicht nur das Wetter, sondern auch andere Faktoren, wie zum Beispiel die Verfügbarkeit von Inkubator (eine Art Brutkasten für Säuglinge) oder die Aufnahmemöglichkeit in der Zielklinik. Es müssen also mehrere Faktoren zusammenkommen. Daher arbeiteten wir in diesem Fall bereits frühzeitig an einem Plan B.

Wie sah dieser Plan B aus?
Hier an unserem Operation Center am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden haben wir das Glück, dass nicht nur die ZKS in der Einsatzzentrale angesiedelt ist, sondern ein Platz weiter das Alarmtelefon unseres Ambulanzflugbetriebs ebenfalls rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr besetzt ist. Hier haben wir die Kollegen frühzeitig ins Spiel gebracht und eventuell verfügbare Kapazitäten für eine mögliche Verlegung mit einem unserer Learjets überprüfen lassen.

Welcher Plan wurde letztlich umgesetzt und was war ausschlaggebend dafür?
Als die Wetteraussichten nach der dritten Verschiebung der Verlegung per Hubschrauber am Morgen des vierten Tages immer noch nicht besser waren, haben wir in der Einsatzzentrale beschlossen, der Transport soll mit einem unserer Learjets durchgeführt werden. Ansonsten hätten wir eine Ausführung in den nächsten Tagen nicht garantieren können. Das und die wartenden Eltern im Ruhrgebiet waren letztendlich die ausschlaggebenden Punkte für unsere Entscheidung.

Was passierte nach der Entscheidung die Verlegung per Ambulanzflugzeug durchzuführen?
Da wir die Planungen zwei Tage lang parallel geführt hatten, wurde bereits in der Nachtschicht vor der Entscheidung die Flugplanung erstellt: Welche Flughäfen werden angeflogen? Wie viel Sprit wird für den Flug benötigt und wie schwer ist der Learjet dann bei der Landung? Somit konnte der Transportauftrag dann zum Glück zügig noch am selben Tag umgesetzt werden. Dafür wurden dann die Crewmitglieder (Piloten, Ärztin und Notfallsanitäter) alarmiert und weitere Planungen, wie zum Beispiel die Bodentransporte zwischen Flughafen und Klinik, vorgenommen.

Wie verlief dann die Verlegung und wissen Sie wie es dem Kind heute geht?
Nach vielen Verschiebungen im Vorfeld verlief die eigentliche Verlegung dann erwartungsgemäß und ohne besondere Vorkommnisse, und der kleine Patient ist gut in der Zielklinik angekommen. Wie es dem Kind heute geht, wissen wir leider nicht. Aber wir sind immer froh, wenn wir Menschen in Notsituationen helfen konnten.

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