14.06.2019 | News-Bericht

Leitstellensymposium in Köln: Expertenaustausch zum Arbeitsalltag und der Zukunft des Rettungswesens

  • Dr. Krystian Pracz begrüßte rund 120 Teilnehmer beim dritten Leitstellensymposium - dieses Jahr in Köln.
    Dr. Krystian Pracz begrüßte rund 120 Teilnehmer beim dritten Leitstellensymposium - dieses Jahr in Köln.
  • Im Fokus der Veranstaltung stand der gegenseitige Erfahrungsaustausch und Fragen rund um die Rettung aus der Luft.
    Im Fokus der Veranstaltung stand der gegenseitige Erfahrungsaustausch und Fragen rund um die Rettung aus der Luft.
  • Zwei Experten der DRF Luftrettung, Marcus Sandrock (im Bild) und Dr. Ulf Aschenbrenner, erläuterten den Teilnehmern ihre ganz neue Arbeit zur Disponierung nach der sogenannten „Next-Best-Strategie“.
    Zwei Experten der DRF Luftrettung, Marcus Sandrock (im Bild) und Dr. Ulf Aschenbrenner, erläuterten den Teilnehmern ihre ganz neue Arbeit zur Disponierung nach der sogenannten „Next-Best-Strategie“.

Im Notfall muss es schnell gehen. Binnen Sekunden entscheiden Leitstellendisponenten, welches Rettungsmittel sie alarmieren. Doch wann und wie kann ein Rettungs- bzw. Intensivtransporthubschrauber optimal eingesetzt werden? Zum dritten Mal veranstaltete die DRF Luftrettung am Donnerstag, gemeinsam mit der ADAC Luftrettung, ein Symposium für integrierte Leitstellen des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen – dieses Jahr im Krankenhaus Merheim in Köln. Im Fokus der Veranstaltung stand der gegenseitige Erfahrungsaustausch und Fragen rund um die Rettung aus der Luft.

Austausch und Transparenz fördern das gegenseitige Verständnis – eine unabdingbare Basis für die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Leitstellen und Rettungsdienstorganisationen. Das betonte auch Dr. Krystian Pracz, Vorstandsvorsitzender der DRF Luftrettung, in seinen Grußworten an die rund 120 Teilnehmer und unterstrich die herausragende Bedeutung der Arbeit der Disponenten. Aus dem ganzen Bundesland – von Steinfurt bis Olpe – hatten sich die interessierten Besucher der Leitstellen in Köln eingefunden.

Zwischen Notrufeingang, -abfrage und Alarmierung des geeigneten Rettungsmittels vergehen nur wenige Augenblicke. Der Leitstellendisponent muss daher die regionale Klinik- und Rettungslandschaft bestens kennen. In das Leistungsspektrum einer Klinik der Maximalversorgung gab daher Prof. Dr. Bertil Bouillon, Direktor der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie & Sporttraumatologie, Kliniken der Stadt Köln, am Beispiel des Krankenhauses Merheim einen Einblick. Dabei konnte er auf eine 35-jährige Erfahrung im Rettungsdienst zurückblicken. Über den Status quo der Luftrettung in NRW, die konkrete Disposition sowohl der RTH als auch der ITH vor dem Hintergrund landesspezifischer Besonderheiten berichtete Prof. Dr. Alexander Lechleuthner, ärztlicher Leiter der Berufsfeuerwehr Köln. Im Fokus seines Vortrages standen die verschiedenen Hubschrauberstandorte sowie typische Einsatzindikationen für Luftrettungsmittel.

Zwei Experten der DRF Luftrettung, Marcus Sandrock und Dr. Ulf Aschenbrenner, erläuterten den Teilnehmern ihre ganz neue Arbeit zur Disponierung nach der sogenannten „Next-Best-Strategie“. Diese verbessert die Disposition und damit den Outcome für den Patienten, in dem die Eintreff- und Prähospitalzeit minimiert wird und die Zuweisung in die nächste geeignete Klinik erfolgt. Für Leitstellen bedeutet die „Next-Best-Strategie“ eine Abkehr von der reinen Hilfsfristorientierung hin zu einer ganzheitlichen Betrachtung der prähospitalen Versorgung und damit eine deutlich umfassendere Entscheidung bei der Auswahl und Alarmierung der geeigneten Rettungsmittel.

„Die gute Themenwahl zeigte sich in den angeregten Diskussionen nach jedem Beitrag“, sagte Dr. Christian Afflerbach, leitender Notarzt der DRF Luftrettung an der Station Dortmund, nach den Vorträgen am Vormittag.

Ein Novum beim diesjährigen Leitstellensymposium: Hintergrundwissen zu den Abläufen im Schockraum, den wesentlichen Schritte bei einem ECMO-Transport sowie den medizinischen Maßnahmen eines Verbrennungszentrums bei Schwerbrandverletzten wurde den Teilnehmern in einzelnen Workshops vermittelt.

Abgerundet wurde der Tag durch die Vorstellung wichtiger digitaler Helfer im Rettungswesen: Das digitale System „RescueWave“ unterstützt die Einsatzkräfte bei der Bewältigung von Großschadenslagen, in dem es den schnellen Überblick und die Organisation in komplexen Einsatzsituationen erleichtert. Seit 2007 kommt bundesweit ein System zur Einsatzdisposition von Rettungshubschraubern zum Einsatz, das die DRF Luftrettung zusammen mit der Firma Convexis entwickelt hat. Es heißt „rescuetrack“ und ermöglicht den Leitstellen, Hubschrauber in Echtzeit zu orten und damit noch schneller und effizienter einzusetzen. Mit georeferenzierten Daten unterstützt das System somit die Disponierung der geeigneten und nächst gelegenen Rettungsmittel. Den Teilnehmern wurde die technische Möglichkeit eines Voralarms vorgestellt, der die Dispositions- und Ausrückzeit für einen Rettungshubschrauber verkürzen kann. Über die bisherigen und zukünftigen Anwendungsmöglichkeiten eines Telenotarztsystems, berichtete Dr. med. Frederik Hirsch vom Telenotarztdienst P3 telehealthcare GmbH. Das System „EmergencyEye“ erlaubt den Disponenten den Fernzugriff auf Smartphonefunktionen des Anrufers, ohne dass eine Vorinstallation auf dem Smartphone des Anrufenden notwendig ist. Nach Zustimmung durch den Anrufenden kann der Disponent zum Beispiel eine sichere und zuverlässige Ortung durchführen oder eine stabile Videoverbindung aufbauen.

Die Organisatoren zeigten sich nach dem Symposium sehr zufrieden und freuten sich über das aufgeschlossene Fachpublikum. „Rückblickend war auch die dritte Veranstaltung ein großer Erfolg und die Resonanz durchweg positiv, was sich auch in den Teilnehmerzahlen widerspiegelt, sodass eine Fortsetzung im kommenden Jahr bereits in Planung ist“, so Marcus Sandrock, Leiter medizinische Einsatztaktik der DRF Luftrettung. „Einmal mehr konnten wir uns als festen Bestandteil der Luftrettung in NRW präsentieren.“

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