Sie sind hier

01.11.2015 | News-Bericht

Mit letzter Kraft zum Hof geschleppt

  • Beim Beladen seines LKWs an einem Maissilo bricht ein Mann zusammen. Mit letzter Kraft schleppt er sich in Richtung Straße, um gefunden zu werden. Doch kann die Hallenser Besatzung ihm noch rechtzeitig zur Hilfe kommen?
    Beim Beladen seines LKWs an einem Maissilo bricht ein Mann zusammen. Mit letzter Kraft schleppt er sich in Richtung Straße, um gefunden zu werden. Doch kann die Hallenser Besatzung ihm noch rechtzeitig zur Hilfe kommen?

In diesem Jahre haben die Bauern ihre Getreideernte landauf landab deutlich früher eingefahren als 2014. Auch den Mais, der immer häufiger angebaut wird. Kuhbauern benötigen die Maissilage für ihre Rinder, andere wiederum verarbeiten den Mais zu Häcksel, die an Betreiber von Biogasanlagen verkauft werden. Ein Mitarbeiter eines Fuhrunternehmens ist am Morgen gerade dabei, seinen 40-Tonner mit Maishäckseln zu beladen, als er plötzlich starke Kopfschmerzen bekommt. Er steigt vom Traktor, dann wird ihm übel und er muss sich übergeben. Mit letzter Kraft schleppt sich der 60-Jährige auf den Hof, wo er in Sichtweite zur Kreisstraße bewusstlos zusammenbricht.

Autofahrer entdecken den Mann an diesem Spätsommertag zufällig von der Straße aus, machen kehrt und fahren auf den Hof. Da der Mann nur bedingt ansprechbar ist, setzen sie sofort einen Notruf ab. Dieser geht um kurz nach acht bei der Rettungsleitstelle Halle ein. „Wie viele Personen? Ist der Mann ansprechbar? Wo genau sind Sie jetzt? Bitte bleiben Sie bei ihm, gleich wird Hilfe eintreffen“, leitet der Einsatzdisponent die Person am anderen Ende der Telefonverbindung an.

Nur sieben Minuten nach der Alarmierung trifft der Hallenser Rettungshubschrauber der DRF Luftrettung gemeinsam mit bodengebundenen Einsatzkräften von Feuerwehr und Rettungsdienst am Unglücksort in Brachstedt (Saalekreis) ein. Noch während die Rotorblätter sich drehen, verlassen Notarzt Thomas Mahring und Notfallsanitäter Marco Seydel den Hubschrauber und vergessen dabei nicht, Notfallrucksack und Corpuls3 mit zum Patienten zu nehmen. „Das Corpuls3 ist ein für unsere Zwecke sehr wichtiges Gerät, das unter anderem ein Elektrokardiogramm (EKG) darstellen kann, mit einem Monitoring ausgestattet ist und einen integrierten Defibrillator besitzt. Dabei ist es vor allem klein, handlich und wiegt im Unterschied zu vergleichbaren Geräten nicht so viel“, erklärt Notfallsanitäter Marco Seydel. Pilot Mark Forst unterstützt, nur 25 Meter von der Landestelle entfernt, die medizinische Crew.

Der LKW-Fahrer ist nach wie vor nur bedingt ansprechbar und reagiert kaum noch. Hubschraubernotarzt Mahring leuchtet dem Patienten in die Augen, um zu sehen, wie schnell die Pupillen auf den Lichteinfall reagieren und ob beide Augen die gleiche Reaktion zeigen. Dies ist nicht der Fall, der Verdacht einer Hirnblutung liegt nahe, den die Vitalwerte des Patienten noch erhärten. Notarzt und Notfallsanitäter stabilisieren den Mann. Da akute Lebensgefahr besteht, legt ihn Thomas Mahring in Narkose, um ihn anschließend intubieren und künstlich beatmen zu können – eine Maßnahme, die seinen Atemweg sichert. Da bei Hirnblutungen die Gefahr einer Hirnschwellung (Ödem) besteht, wobei der Druck im Schädel stark ansteigt, entscheidet die medizinische Besatzung, ihren lebensbedrohlich erkrankten Patienten in das Berufsgenossenschaftliche Klinikum Bergmannstrost nach Halle zu transportieren, das nur wenige Flugminuten vom Einsatzort entfernt ist. Dort hat der LKW-Fahrer im Neurozentrum mit angegliederter Frührehabiliation die besten Chancen auf eine gute Genesung.

Notfallsanitäter Marco Seydel kündigt das Eintreffen des Patienten telefonisch an, sodass Klinikmitarbeiter bereits alles für die weiteren stationären Untersuchungen vorbereiten können. Kaum haben die Kufen von Christoph Halle den Boden des Dachlandeplatzes berührt, wird der Patient in den Schockraum und weiter in den Computertomograph gebracht. Dort bestätigt sich der Verdacht der Hirnblutung. Während die Neurochirurgen die OP vorbereiten, verabschieden sich die Hallenser Luftrettung vom Patienten und kehren zur Station zurück.

Die Station zum Beitrag:

Standorte DRF Luftrettung

Auswählen und mehr erfahren

Von wo starten unsere Hubschrauber und Ambulanzflugzeuge zu ihren Einsätzen? Wer koordiniert eine Patientenrückholung aus dem Ausland? Und wo wird unsere Flotte eigentlich gewartet? Lernen Sie die Hubschrauberstationen, das Operation-Center und den Ambulanzflugbetrieb der DRF Luftrettung kennen. Mit einem Klick auf eine unserer Stationen können Sie den jeweiligen Einsatzradius des Hubschraubers erkennen. Weitere Einblicke und Hintergrund- informationen erhalten Sie auf den Stationsseiten.

Minuten- und Kilometerzahl sind durchschnittliche Angaben

Alle Standorte

Mehr zur Station:

Kurz nachdem der Alarm die DRF Luftrettung in Halle erreicht hatte, konnte der Pilot die H 135 schon am Unfallort aufsetzen. Notarzt und Notfallsanitäterin begannen unverzüglich mit der Versorgung der Verletzten. Symbolbild.
27.08.2018 | News-Bericht
Eine Ferienlagerfahrt endete für fünf Mitglieder einer Freiwilligen Jugendfeuerwehr und ihre Betreuerin mit einem Schock: Auf der Heimreise kollidierte ihr Fahrzeug auf der B100…