07.04.2014 | Rettungsbericht

Nie mehr ohne Helm

  • Helmut Behr ist erleichtert über den positiven Ausgang des Unfalls am Gardasee, bei dem u. a. seine Stirnhöhlenvorderwand zertrümmert wurde..
    Helmut Behr ist erleichtert über den positiven Ausgang des Unfalls am Gardasee, bei dem u. a. seine Stirnhöhlenvorderwand zertrümmert wurde..
  • Auf einen Fahrradhelm wird Helmut Behr in Zukunft nicht mehr verzichten, auch nicht bei kurzen Strecken.
    Auf einen Fahrradhelm wird Helmut Behr in Zukunft nicht mehr verzichten, auch nicht bei kurzen Strecken.

Seit vielen Jahren machen Gabi und Helmut Behr Urlaub am Gardasee. Die Landschaft dort ist wunderschön und im Ferienhaus eines Freundes fühlen sich die beiden sehr wohl. Doch im Sommer 2012 sollte alles anders kommen.

Freitagnachmittag in Riva: Die Behrs haben ihren Urlaub gerade erst begonnen, da ist er auch schon vorbei. „Wir wollten mit den Fahrrädern nur kurz in den Ort, um nach einem Restaurant für den Abend Ausschau zu halten, als mir auf einer abschüssigen Straße plötzlich das Vorderrad wegrutschte“, schildert Helmut Behr im Rückblick. Kopf voraus prallt er in eine Mauer. Eigentlich trägt er immer einen Helm, wie der Familienvater betont. Doch gerade an diesem Tag nicht.

Benommen steht der 59-Jährige auf und setzt sich auf die Mauer. Blut rinnt ihm über Stirn und Wangen. Passanten, die den Unfall beobachtet haben, alarmieren die Carabinieri und den Rettungsdienst. „Schmerzen hatte ich keine, doch ich wollte mich hinlegen. Aber meine Frau hat mich daran gehindert und gesagt, ich solle sitzen und bei Bewusstsein bleiben“, erinnert sich Helmut Behr.

Im Krankenhaus in Arco wird sein Schädel geröntgt. Die Bilder zeigen, dass das Jochbein gebrochen ist und die Stirnhöhlenvorderwand zertrümmert. Seine Wunden an Kopf und Gesicht werden gereinigt, genäht und verbunden. „Mehr ist nicht geschehen. Ich wurde zu einem älteren Herrn ins Zimmer geschoben, während der Nacht hat niemand nach mir gesehen.“ Die Verständigung mit dem Klinikpersonal ist nur sehr eingeschränkt auf Englisch möglich.

Gabi Behr ist höchst besorgt und ruft noch am Abend des Unfalltages die Alarmzentrale der DRF Luftrettung an. „Wir sind 2002 nach dem schweren Motorradunfall unserer Tochter Fördermitglied geworden, sie wurde damals von einem Hubschrauber der DRF Luftrettung schnell in eine Klinik transportiert, das hat ihr das Leben gerettet“, erzählt sie. Und hofft, dass die DRF Luftrettung auch ihrem Mann helfen kann. „Wie heißt Ihr Mann? ... Wie alt ist er? ... Liegt in der Klinik in Arco, Italien, ok ... Was ist gebrochen?“ Der Einsatzdisponent in der Alarmzentrale möchte es ganz genau wissen. „Machen Sie sich keine Sorgen. Wir setzen uns jetzt mit den Klinikärzten in Verbindung und halten Sie über alles Weitere auf dem Laufenden“, beruhigt er die besorgte Ehefrau. Dass Helmut Behr zur Operation in eine deutsche Klinik transportiert werden muss, wird dem diensthabenden Arzt der Alarmzentrale im Gespräch mit seinem italienischen Kollegen schnell klar. Er informiert sich sehr genau über die Verletzungen, die Helmut Behr erlitten hat, um später die Flugroute planen zu können. „Manche Patienten dürfen aufgrund ihrer Verletzungen keinen großen Druckunterschieden ausgesetzt sein, dann muss die Flughöhe entsprechend angepasst werden“, erklärt Dr. Michael Engel, leitender Arzt Ambulanzflugzeuge.

„Habe gespürt, in guten Händen zu sein“

Der diensthabende Arzt gibt grünes Licht für die Rückholung, woraufhin der diensthabende Rettungsassistent die Crew alarmiert. So startet am Sonntag um 9:00 Uhr nach lokaler Zeit ein rot-weißes Ambulanzflugzeug am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden mit Ziel Verona: An Bord sind Flugkapitän Frank Borner, Copilot Rainer Godon, Rettungsassistent Marc Schwehr und Notärztin Dr. Magdalena Sungu. „Als die Luftretter gegen 12 Uhr zu mir in die Klinik kamen, hatte ich mit einem Mal keine Angst mehr“, erzählt Helmut Behr. „Ich habe sofort gespürt, dass ich jetzt in guten Händen bin, und habe mich geborgen gefühlt.“ Da die Alarmzentrale der DRF Luftrettung auch die Transporte zwischen Flughafen und Klinik organisiert, wartet vor dem „Presidio Ospedaliero di Arco“ bereits ein Rettungswagen, der den Patienten und die medizinische Flugzeugbesatzung zum Flughafen nach Verona bringt. Am Airport wird Helmut Behr umgebettet, in den Learjet verbracht und an den Überwachungsmonitor angeschlossen. „So haben wir während des Transports stets die Vitalwerte wie Herzfrequenz, Blutdruck und Sauerstoffsättigung im Blick und können sofort reagieren, sollte einer der Werte die Norm verlassen“, erklärt Rettungsassistent Marc Schwehr.

Doch der Flug an diesem heißen, leicht gewittrigen Sommertag von Verona nach Giebelstadt verläuft ruhig und ohne besondere Vorkommnisse. „Die Crew hat immer gefragt, wie es mir geht, ich fühlte mich sehr gut betreut“, berichtet Behr. Auch auf dem Weitertransport vom Verkehrslandeplatz bis in die Uniklinik Würzburg sind Marc Schwehr und Dr. Magdalena Sungu an Helmut Behrs Seite, um ihren Patienten den Klinikärzten zu übergeben. „Anderntags wurde meine zertrümmerte Stirnhöhlenvorderwand in einer mehrstündigen Operation mit einer Titanplatte gerichtet“, erzählt der 59-Jährige. Sieben Tage später darf er die Klinik verlassen und ist glücklich, wieder bei seiner Frau zu sein. Erst Wochen später steigt er erstmals wieder aufs Fahrrad. „Bei meiner ersten Tour war ich noch etwas unsicher, aber ich muss Sport machen und mich bewegen, sonst fühle ich mich nicht wohl“, so der Geschäftsführer eines Hotels. Eines hat er sich und seiner Familie jedoch versprochen: Keinen Meter mehr ohne Helm!

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