06.07.2011 | Rettungsbericht

Rückflug Ambulanzklasse

Mit Kind und Kegel fliegen Dirk Bruhn und seine Freundin im Juli 2011 nach Mallorca. Für die Familie aus Schleswig-Holstein sollte es der erste Urlaub auf der Mittelmeerinsel sein. Doch schon am dritten Tag stürzt der 43-Jährige vom Balkon seiner Pension und verletzt sich dabei schwer.

Endlich Urlaub!

Dirk Bruhn freut sich auf die gemeinsame Zeit mit den Kindern und seiner Freundin Dagmar. Samstags sind sie angekommen – montags steht der erste Strandtag auf dem Programm. Er will nur noch die Badetücher auf dem Balkon der kleinen Pension ausschütteln. Dabei lehnt er sich über das Geländer – und stürzt mitsamt der Brüstung fünf Meter in die Tiefe. Auf der Terrassenmauer bleibt er bewusstlos liegen. Zunächst bleibt der Unfall unbemerkt. Dann entdeckt Tochter Chiara (15), dass ein Teil des Balkongeländers fehlt, und sieht ihren Vater regungslos am Boden. „Papa ist runtergefallen!“, ruft sie aufgeregt. Dagmar alarmiert den mallorquinischen Vermieter, der sofort einen Notruf absetzt. Kurze Zeit später ist notfallmedizinische Hilfe vor Ort. „Die Rettungskräfte haben Dirk Drainagen gelegt, um die Lunge zu entlasten, und ihm Sauerstoff und Medikamente verabreicht. Er kam wieder zu Bewusstsein, wollte sogar aufstehen“, erinnert sich seine Freundin. Doch Bruhn ist schwer verletzt und wird in das Krankenhaus in La Palma eingeliefert. „Wir waren völlig aufgelöst, keiner konnte uns sagen, was mit Dirk ist, denn wir sprechen kein Spanisch und die Ärzte kein Englisch.“ Bruhn selbst kann sich an den Unfall nicht erinnern. „Als ich im Krankenhaus wieder aufwachte, habe ich immer nur nach meiner Familie gefragt. Ich dachte, wir hätten einen Autounfall gehabt und seien eine Böschung hinabgestürzt.“ Erst eine Dolmetscherin hilft seiner Erinnerung auf die Sprünge und übersetzt auch die Diagnose: Rippenserienfraktur, beide Lungenflügel von den Rippenfrakturen perforiert, Lungenquetschung, Frakturen beider Handgelenke, gebrochene Wirbelfortsätze, Quetschung von Leber und Nieren. „Da erst wurde mir klar, wie schwer verletzt ich tatsächlich war“, sagt der Inhaber eines Angelfachgeschäfts. Er möchte so schnell wie möglich in die Kieler Uniklinik nach Deutschland verlegt werden, denn auf Mallorca fühlt er sich aufgrund der Sprachbarriere hilflos.

Erlösende Nachricht

Da der 43-Jährige seit Jahren mit seiner Familie Förderer der DRF Luftrettung ist, ruft Freundin Dagmar die Alarmzentrale am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden an. Nach Abklärung der medizinischen Fakten durch den Einsatzdisponenten erhält Bruhn schon kurze Zeit später die erlösende Rückmeldung: „Wir fliegen Sie zurück nach Deutschland.“ 

Die Klinikärzte haben die Transportfähigkeit des Patienten bestätigt. In der Alarmzentrale der DRF Luftrettung laufen indes die Vorbereitungen für die Rückholung auf Hochtouren. Die Einsatzkoordinatoren organisieren den vollständigen Transport des Patienten von Bett zu Bett und kümmern sich um alle Details der Flugvorbereitung. Das heißt, sie klären unter anderem Landegenehmigungen und Tankstopps und informieren die dienstbereiten Piloten. Am Morgen des 30. Juli starten Flugkapitän Udo Kordeuter und Copilot Marcus Schwab vom Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden und nehmen Kurs auf Mallorca, wo die Besatzung zwei Stunden später landet. Im Krankenhaus in Palma klärt die Notärztin der DRF Luftrettung alle medizinischen Fragen in fließendem Spanisch. „Sie ist bis in die Kieler Uniklinik nicht von meiner Seite gewichen“, erinnert sich Bruhn. „Wegen der Lungenverletzung sind wir auf ‚Sea-Level‘ geflogen, das ist schonender für den Patienten“, erklärt der begleitende Rettungsassistent Harald Hartmann.

Gut aufgehoben und beeindruckt

„Während des Rücktransports nach Deutschland fühlte ich mich sehr gut aufgehoben. Ich bin noch heute beeindruckt von der hohen Professionalität der Besatzung, bei der ich mich nochmals ausdrücklich bedanken möchte!“, betont Bruhn.  Jetzt freut er sich darauf, die letzten Flugstunden für seine private Pilotenlizenz zu absolvieren: „Mein Fliegerarzt hat mich wieder flugtauglich geschrieben!“

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