22.12.2015 | News-Bericht

Schwerer Treppensturz – Weidener Luftretter im Einsatz

  • Beeindruckendes Naturschauspiel für de Besatzung: kurz vor dem Einsatzort endet die Nebelgrenze.
    Beeindruckendes Naturschauspiel für de Besatzung: kurz vor dem Einsatzort endet die Nebelgrenze.

Das Fichtelgebirge – ein reizvoller Landstrich nahe der tschechischen Grenze. Die ländliche Region mit bewaldeten Bergen ist ein Eldorado für Wanderer und Naturliebhaber. Das unwegsame Gelände hat für die Anwohner jedoch auch einen entscheidenden Nachteil: schlechte Erreichbarkeit – vor allem im Notfall, wenn jede Minute zählt.

An jenem Morgen des 7. Dezember saßen Pilot Andreas Spiering, Rettungsassistent Florian Schwamberger und Notärztin Dr. Ilona Boccali am Schreibtisch der Weidener Station der DRF Luftrettung. Der Blick aus dem Fenster gen Himmel verhieß nichts Gutes. Schlechtes Wetter, tiefhängende Wolken und kaum Sicht in der ganzen Region: keine guten Flugbedingungen. Nebel kann einen Einsatz verhindern, doch ein wetterbedingter Ausfall kommt nur sehr selten vor.

Um 10:19 Uhr ertönte plötzlich der Alarm. Die Leitstelle Hof rief Christoph 80 nach Schirnding. Ein 81-jähriger Mann war in seinem Haus die Treppe hinuntergestürzt und hatte sich dabei lebensgefährlich verletzt. Der bodengebundene Notarzt forderte daher nach dem Eintreffen sofort einen Rettungshubschrauber für einen schnellen und schonenden Transport nach.

Über Weiden tat sich eine Wolkenlücke auf, weshalb sich die Crew sogleich für einen Start entschied. Der erfahrene Pilot schraubte die EC 135 durch die Lücke in der Wolkendecke hindurch und überwand so die etwa 100 m dicke Schicht. Bei strahlend blauem Himmel flogen die Luftretter über die ansonsten geschlossene Wolkendecke hinweg Richtung Einsatzort. Die Rettungskräfte in Schirnding hatten schon bei der Alarmierung das Wetter berücksichtig und berichtet, dass der Ort nicht von Nebel betroffen sei. Beim Blick aus dem Cockpit war dies kaum zu glauben, denn unter dem Hubschrauber war nichts außer grauen Wolken und Nebel zu erkennen.

Doch kurz vor dem Flugziel lichtete sich die Nebelfront und ein beeindruckendes Schauspiel ereignete sich vor den Augen der Besatzung, die Nebelgrenze endete keine 500 Meter vom Einsatzort entfernt. Für Pilot Andreas Spiering war dies in doppelter Hinsicht ein besonderer Augenblick: Genau in diesem Moment erreichte er seine 10.000. Flugstunde.

Nach der Landung neben dem Haus des Patienten übernahm die medizinische Hubschrauberbesatzung dessen Betreuung und bereitete ihn auf den Transport vor. Durch den Sturz hatte sich der 81-Jährige ein schweres Schädelhirntrauma zugezogen und schwebte in akuter Lebensgefahr. Notärztin und Rettungsassistent stabilisierten seinen Körper auf einer Vakuummatratze und legten ein Stiffneck um den Hals. So werden Bewegungen des Kopfes und damit zusätzliche Schädigungen der Halswirbelsäule unterbunden.

Auf direktem Wege über den Wolken brachten die rot-weißen Luftretter den Patienten in das Vogtlandklinikum Plauen. Der Weg über die Straße stand zu keiner Zeit zur Debatte, denn dem 15-minütigen Flug nach Plauen stand eine Odyssee über das Fichtelgebirge gegenüber, die per Rettungswagen rund eine Stunde in Anspruch genommen hätte.

„Gerade für die Notfallversorgung der Region ist der Weidener Rettungshubschrauber deshalb von großer Bedeutung“, so Pilot Andreas Spiering. „Als schneller Notarztzubringer, aber vor allem auch für den schnellen Transport aus der ländlichen Region in ein geeignetes Krankenhaus führt in vielen Fällen kein Weg an einem Hubschrauber vorbei.“ Seit dem 1. April 2011 starten daher von der damals neu gegründeten Station der DRF Luftrettung in Weiden die rot-weißen Hubschrauber täglich zu Einsätzen in den Regionen Weiden und Amberg, aber auch Hof, Regensburg und Bayreuth.

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