12.05.2015 | News-Bericht

Seit 40 Jahren unverzichtbar

Als Marcus Sandrock einen Blick auf die Einsatzzahlen des Karlsruher Rettungshubschraubers im ersten Quartal wirft, fällt ihm auf, dass gleich jeder der ersten drei Monate heraussticht. „Im Januar hatten wir bereits 100 Einsätze, im Februar 135, im März 146 – alles überdurchschnittliche Werte“, so der leitende Notfallsanitäter der DRF Luftrettung in Karlsruhe. „Und im April hatten wir die 100 schnell überschritten. Das insgesamt gute Wetter spielte hier natürlich eine Rolle.“ Doch Zufall ist die große Anzahl an geflogenen Einsätzen keineswegs. Seit Jahren führt die Station die Statistik der DRF Luftrettung in Baden-Württemberg an, 1.666 Einsätze waren es im vergangenen Jahr, deutschlandweit war nur die Station in Halle stärker (1.818), an der allerdings zwei Hubschrauber zum Einsatz kommen, einer davon sogar rund um die Uhr.

Aber warum wird gerade der Karlsruher Rettungshubschrauber so häufig alarmiert? „Ein Vorteil ist mit Sicherheit die geografische Lage, wir decken zahlreiche Landkreise ab und unser Gebiet hat sehr wenige Schnittmengen mit anderen Rettungshubschraubern“, erklärt Michael Niegisch, Pilot und Stationsleiter der DRF Luftrettung in Karlsruhe.

Am häufigsten ist die Besatzung von Christoph 43 im Karlsruher Umkreis im Einsatz, von Malsch bis hoch nach Philippsburg, von der französischen Grenze bis zur Goldstadt Pforzheim, wo sich das Einsatzgebiet mit dem des Leonberger Rettungshubschraubers der DRF Luftrettung leicht überschneidet. „In den Stadtgebieten ist der bodengebundene Rettungsdienst allerdings gut besetzt, daher sind wir hauptsächlich in der Peripherie unterwegs, wo der Hubschrauber einen zeitlichen Vorteil hat, der oft lebensrettend ist“, so Marcus Sandrock.

Zu den Alarmierungsgründen im vergangenen Jahr zählten vor allem schwere Unfälle und Erkrankungen wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle. Hinzu kamen Ertrinkungsunfälle, häufig von Kleinkindern, verunglückte Motorradfahrer oder Personen, die beim Grillen mit Spiritus hantiert und dabei schwere Brandverletzungen erlitten haben. „Generell haben wir sehr viele Freizeitunfälle. Motorradfahrer, Mountainbiker, Gleitschirmflieger, Kletterer an den Sandsteinfelsen – das Einsatzspektrum ist vielfältig. Und da die Einsatzorte vom Boden aus häufig nur schwierig oder, wie z. B. im Nordschwarzwald, nicht schnell genug erreichbar sind, wird der Rettungshubschrauber alarmiert.“

Ein weiterer Grund für die hohen Einsatzzahlen ist die Nähe zur Südpfalz: „Geografisch gesehen decken wir einen Großteil der Süd- und Südwestpfalz ab, bis tief hinein in den Pfälzer Wald“, sagt Pilot Michael Niegisch. „Gerade in der Südpfalz sind wir der Rettungshubschrauber erster Wahl, dorthin fliegen wir zu einem beträchtlichen Teil unserer Einsätze. Auch hier sind es meist schwere Erkrankungen wie Schlaganfälle oder Herzinfarkte, oft aber auch Freizeitunfälle oder Arbeitsunfälle von Waldarbeitern. Unter den Leitstellen, von denen wir angefordert werden, liegt die Leitstelle Südpfalz hinter der in Karlsruhe auf Platz zwei, gefolgt von der Leitstelle Mittelbaden, die für den Landkreis Rastatt und den Stadtkreis Baden-Baden zuständig ist.“ Weiterhin wird Christoph 43 regelmäßig von den Leitstellen Ortenau, Pforzheim, Calw, Heilbronn und Rhein-Neckar angefordert.

Mit der A5, der A8 und der A65 liegen zudem große Streckenabschnitte von gleich drei Autobahnen im Einsatzgebiet, „doch noch mehr Verkehrsunfälle passieren auf den Land- und Kreisstraßen, die eben mit dem Hubschrauber oft schneller zu erreichen sind“, erklärt Notfallsanitäter Marcus Sandrock. „Und selbst wenn der bodengebundene Notarzt zu einem Notfall alarmiert wird, bleibt häufig die große Entfernung zu sogenannten Krankenhäusern der Maximalversorgung beziehungsweise zu den auf Unfallversorgung spezialisierten Kliniken. Dann werden wir für einen schnellen und schonenden Transport von Patienten nachalarmiert.“

Viele dezentral gelegene Gebiete, weite Strecken zu geeigneten Krankenhäusern – der Karlsruher Hubschrauber Christoph 43 ist für die Region seit nunmehr vier Jahrzehnten ein unverzichtbares Rettungsmittel. Seit 1975 gibt es die drittälteste Station der DRF Luftrettung bereits, im September feiert sie ihr 40-jähriges Bestehen. Damals wie heute befindet sie sich an den St. Vincentius-Kliniken Karlsruhe, der derzeitige Hangar samt Sozialräumen wurde am 10. Juni 1987 eingeweiht. Neben der EC 135 kommt auch ein Hubschrauber des Typs BK 117 zum Einsatz, die Piloten sind auf beide Muster geschult. „Aufgrund der Nähe zum Operation-Center am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden schafft dies eine Flexibilität bei der deutschlandweiten Flottenplanung“, erklärt Michael Niegisch. „Sollte das eine Muster woanders benötigt werden, können wir jederzeit auf das andere wechseln.“ Insgesamt vier Piloten, fünf Notfallsanitäter/Rettungsassistenten und rund 15 Notärzte werden derzeit an Bord von Christoph 43 eingesetzt, um Menschen in Not zu helfen. Jeden Morgen um 7:00 Uhr beginnt der Dienst der jeweiligen Besatzung, der erst zum Sonnenuntergang endet. Auch heute werden sie wieder Leben retten.

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