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17.11.2016 | News-Bericht

Startschuss für den neuen Rendsburger Rettungshubschrauber

Am Freitag startet der neue Christoph 42 zu seinem ersten Einsatz, ein Hubschrauber des Typs EC 145 ersetzt dann die bisher eingesetzte BK 117. Für die Rendsburger Besatzung ist dies in vielerlei Hinsicht ein Fortschritt – und für die Patienten ein großer Vorteil, gerade auch bei nächtlichen Notfällen. „Der modernere Hubschrauber ist optimal für Einsätze bei Nacht ausgestattet. Das ist uns besonders wichtig, denn Christoph 42 ist der einzige 24-h-Rettungshubschrauber in ganz Schleswig-Holstein. Für die Bewohner der Inseln und Halligen ist er im Notfall sogar oft alternativlos“, so Dr. Florian Reifferscheid, leitender Arzt der Rendsburger Luftrettungsstation. „Generell ist der neue Hubschrauber schneller, leistungsstärker, hat eine größere Reichweite und bietet mehr Platz für die Versorgung unserer Patienten.“

Besonders für die Piloten, von denen nachts gleich zwei im Cockpit sitzen, bedeutet der neue Hubschrauber eine Arbeitserleichterung. „Das liegt zum einen am verbesserten Autopiloten, dank dem sich der Hubschrauber noch präziser steuern und stabiler in der Luft halten lässt“, erklärt der Rendsburger Pilot Dirk Kugel. „Zum anderen verfügt er über ein digitales Glascockpit, das uns entlastet, indem es immer nur die jeweils relevanten Werte anzeigt. So haben wir noch mehr Ressourcen für die Anforderungen des jeweiligen Einsatzes frei.“

Damit die insgesamt elf Rendsburger Piloten den neuen Hubschrauber überhaupt fliegen dürfen, mussten sie eine Musterberechtigung für die EC 145 erlangen. „Dafür benötigten wir ein Jahr Vorlauf“, erzählt Pilot Dirk Kugel, „denn nach zwei Wochen Theorie- und Praxisunterricht und einer weiteren Woche des Trainings im Simulator ging es darum, Flugerfahrung im Einsatzalltag zu sammeln: zehn Flugstunden unter Supervision und mindestens zehn weitere Stunden alleinverantwortlich.“ Diese Erfahrung sammelten die Rendsburger Piloten an den Luftrettungsstationen in Bad Berka, Berlin, Halle und Hannover.

„Ein wichtiger Teil davon war die Nachtflugerfahrung“, ergänzt Pilot Sebastian Hilliger. „Denn nächtliche Notfalleinsätze unterscheiden sich gerade in fliegerischer Hinsicht stark von Einsätzen bei Tageslicht. Schon allein wegen der schwierigeren Sichtverhältnisse.“ Die EC 145 verfügt über einen Hochleistungsscheinwerfer, der die Sicht während des Flugs bei Nacht verbessert. „Für die Landung jedoch benötigen wir die Unterstützung der Feuerwehr, die u. a. die Landeplätze für uns ausleuchtet. Das gehört jedoch nicht zu den originären Aufgaben der Feuerwehren, die in Schleswig-Holstein größtenteils Freiwillige Feuerwehren sind. Daher muss diese Zusammenarbeit geschult und geübt werden.“

Erst Ende Oktober fand eine Nachtlandeplatzschulung mit der Freiwilligen Feuerwehr Gnissau statt. „Im Rettungsdienst arbeiten wir alle Hand in Hand. Für uns ist es daher eine Selbstverständlichkeit, die Funktion der Ausleuchtung zu übernehmen, wenn wir gebraucht werden“, sagt Wehrführer Ernst-Otto Kickbusch-Eck. „Die Schulung war für uns sehr lehrreich, denn nun wissen wir, was alles im Umgang mit dem Hubschrauber zu beachten ist, dass wir zum Beispiel den Platz vorher begehen und mögliche Hindernisse, die herumliegen, beseitigen müssen. Und auch, wie wir die Beleuchtung optimal durchführen, sodass die Piloten nicht geblendet werden und feste Hindernisse deutlich erkennbar sind.“

In Gnissau befindet sich einer von rund 45 dokumentierten Nachtlandeplätzen in Schleswig-Holstein, auch auf allen Inseln und Halligen wurden Nachtlandemöglichkeiten ausfindig gemacht. Bereits vor drei Jahren hatten die Rendsburger Piloten Sebastian Hilliger und Dirk Kugel die Idee, ein standardisiertes Nachtlandeplatzdatenblatt zu erstellen, in dem die Besonderheiten für jeden einzelnen Landeplatz einheitlich erfasst sind. So kann sich jeder Pilot einen schnellen Überblick verschaffen, bevor er einen der Plätze anfliegt. Ein Vierteljahr haben sie an dem Grundgerüst des deutschlandweit einzigartigen Datenblatts gearbeitet und dafür jeden der Landeplätze einzeln begutachtet. Seither werden die Dokumente fortlaufend aktualisiert bzw. für neue Landeplätze erstellt. „Und es ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Schulung“, so Pilot Sebastian Hilliger.

Damit nicht nur die Landung bei Nacht gelingt, sondern die gesamte Rettungskette optimal funktioniert, wurde Ende Oktober mit der zukünftigen Einsatzmaschine ein kompletter Notfalleinsatz trainiert. Das realistische Szenario: ein Autounfall bei Nacht in entlegener Region. Zunächst wurde der bodengebundene Rettungsdienst zur Erstversorgung des „Patienten“ im Pkw-Wrack angefordert. Zur Weiterbehandlung durch einen Notarzt und zum späteren schnellen Transport ins Klinikum wurde die Besatzung von Christoph 42 alarmiert. Die Einsatzleitung übernahm Björn Baumann, Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Süderstapel: „Für uns war dieses Einsatzszenario eine großartige Möglichkeit, gleich mehrere Dinge auf einmal zu üben: die technische Hilfe beim Verkehrsunfall, die Ausleuchtung des Landeplatzes, das Zusammenspiel mit der Luftrettung sowie den Transfer der Kollegen von Christoph 42 zur Unfallstelle.“ Bereits im März 2015 hatte die Freiwillige Feuerwehr Süderstapel auch an der Nachtlandeplatzschulung der DRF Luftrettung teilgenommen. „Die Luftrettung ist in unserer Region unverzichtbar, denn der Rettungshubschrauber ist in der Regel deutlich schneller als der bodengebundene Notarzt. Und wir von der Feuerwehr Süderstapel wollen zu jeder Tageszeit optimal mit den Luftrettern zusammenarbeiten.“

Seit über 40 Jahren ist Christoph 42 der zentrale Rettungshubschrauber für ganz Schleswig-Holstein. Das wird auch mit dem neuen Hubschrauber so bleiben. Die Rendsburger Besatzung der DRF Luftrettung ist optimal vorbereitet – nun kann es losgehen. „Wir freuen uns auf die Indienststellung der EC 145 am Freitag“, so Hubschraubernotarzt Dr. Florian Reifferscheid. „Ob bei Tag oder Nacht: Mit dem neuen Christoph 42 werden wir auch zukünftig sicherstellen, dass die Menschen in Schleswig-Holstein im Notfall schnellstmöglich medizinisch versorgt werden.“

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