09.07.2020 | News-Bericht

Tröpfchenfreisetzung im Hubschrauber: Feldversuch der DRF Luftrettung

  • Fluoreszierende Partikel in der Luft (Cockpit)
    Fluoreszierende Partikel in der Luft (Cockpit)
  • Nachweis an der Oberfläche mittels Fluoreszenz (Kabine)
    Nachweis an der Oberfläche mittels Fluoreszenz (Kabine)

Wie groß ist das Gefährdungspotential der Hubschrauberbesatzungen bei Tröpfchenfreisetzungen durch infektiöse Patienten? Breiten sich Erreger von der Kabine in das Cockpit aus? Fragen, die nicht nur während der Corona-Pandemie hochaktuell sind. Die DRF Luftrettung hat in Kooperation mit dem Deutschen Beratungszentrum für Hygiene (BZH) in Freiburg einen ersten wissenschaftlich begleiteten Feldversuch durchgeführt. Dessen Ergebnisse lassen erste Rückschlüsse über die Verbreitungswege zu, auf die das Hygienemanagement der DRF Luftrettung aufbauen kann

Im Rahmen des Projekts wurden an Bord der H145 und der EC135 insgesamt 16 Versuchsdurchgänge durchgeführt, davon 11 am Boden und 5 in der Luft. Im Wesentlichen wurden zwei Szenarien abgebildet und im weiteren Verlauf diversifiziert: ein Worst-Case-Szenario, bei dem ein starker Erregerausstoß simuliert wurde, und ein zweiter Aufbau, bei dem ein wechselnder, leichter Erregerausstoß dargestellt wurde. Die Tröpfchenfreisetzung wurde mittels eines Sauerstoffverneblers in Höhe des Patientenkopfes modellhaft nachgebildet. Mittels Fluoreszenz wurden die Luftströme und somit die Bewegung der Tröpfchen detektiert, die Verteilung wurde mit ultraviolettem Licht sichtbar gemacht. Um Rückschlüsse daraus ziehen zu können, ob und in welchem Umfang Erreger von der Kabine ins Cockpit gelangen, wurden die Versuche sowohl mit als auch ohne einen Vorhang, der das Cockpit von der Kabine trennt, dargestellt.

Ergebnisse: Möglichkeit des Erregereintrags ins Cockpit

Im Allgemeinen lässt sich aus den Versuchen ableiten, dass bei einem spontan atmenden Patienten die Gefahr besteht, dass sich die Erreger nicht nur in der Kabine, sondern auch im Cockpit ausbreiten. Die Wahrscheinlichkeit einer Infektion hängt von verschiedenen Faktoren wie Erregerart, Übertragungsweg und Expositionszeit ab. Im Worst-Case-Szenario, also bei einem massiven Austritt von Tröpfchen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich die Erreger nicht nur in der gesamten Kabine auf den Flächen absetzen, sondern sich auch bei einer fehlenden Abtrennung im Cockpit ausbreiten. Bei Vorhandensein eines Vorhangs setzen sich die Partikel darauf ab. Beim zweiten Versuchsaufbau, einem kurzen Tröpfchenausstoß, der in der Realität mit einem Husten oder einer kurzen Separation vom Beatmungsschlauch gleichzusetzen ist, findet sich ein Niederschlag um den Patienten herum, aber nicht im Cockpit. Daraus lässt sich folgern, dass die Dauer der Tröpfchenfreisetzung die Reichweite und den Grad der Kontamination bestimmt. Variablen wie Lüftungseinstellung von Heiz- oder Frischluft, Flugrichtung oder Flugmanöver wurden mitberücksichtigt. Aus den Ergebnissen lassen sich unterschiedliche Maßnahmen bezüglich des Patienten- und Arbeitsschutzes ableiten, z.B. Reinigung aller Oberflächen in der Kabine, das Tragen Persönlicher Schutzausrüstung. 

DRF Luftrettung legt Wert auf höchste Hygienestandards

„Das Hygienemanagement der DRF Luftrettung hat es sich zum Ziel gesetzt, die ohnehin in der Notfallmedizin geltenden hohen Hygienestandards über die gesetzlichen Richtlinien hinaus zu optimieren. Vor diesem Hintergrund war auch die Idee dieses wissenschaftlich begleiteten Feldversuchs entstanden. Dass das Thema im Zuge der Corona-Pandemie eine solch aktuelle Brisanz bekommen sollte, war zu Beginn der Versuche nicht abzusehen, macht jedoch umso mehr die Tragweite unserer Arbeit deutlich,“ berichtet Raimund Kosa, Koordinator Hygienemanagement bei der DRF Luftrettung, der das Projekt mit Unterstützung des BZH maßgeblich betreut hat. Begleitet wurde das Projekt zudem vom Wissenschaftlichen Arbeitskreis (WAK) der DRF Luftrettung, der u.a. Forschungsideen- und -vorhaben unterstützt, die zur Optimierung der Luftrettung beitragen. Gefördert wurde das Vorhaben von der DRF Stiftung Luftrettung.

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