25.09.2013 | Rettungsbericht

Und plötzlich steht es still

  • Schon immer sportlich, will Achim Bauer nun langsam wieder in sein normales Leben zurück.
  • Achim Bauer (m.) und seine Ersthelfer beim Treffen an dem Ort, wo wenige Wochen zuvor sein Herz plötzlich stehen blieb

Es ist der 7. Spieltag der Senioren-Bezirksliga Niederbayern, der TSV Abensberg gastiert beim TV Schierling. Nach einem beherzten Schuss läuft Stürmer Achim Bauer gerade zurück zur Mittellinie, als er plötzlich zusammenbricht. „Meine Mitspieler sahen, dass ich überall am Körper verkrampft und blau angelaufen war, und meinten, dass ich womöglich die Zunge verschluckt hätte. Doch sie bemerkten schnell, dass es das Herz sein musste.“

Das Herz – ausgerechnet! Ließ er es doch seit seiner Vorbereitung auf eine Trekking Tour, die ihn im Jahr 2010 auf den Kilimandscharo führte, regelmäßig checken. „Ich wollte einfach nicht, dass meine Familie irgendwann plötzlich auf mich verzichten muss.“ Dieser Gedanke beschäftigte den 53-jährigen Niederbayer häufiger, nachdem im vergangenen Jahr im Nachbarort ein Senioren-Fußballspieler in der Kabine plötzlich an einem Herzinfarkt gestorben war. „Erst im Frühjahr traf es dann noch einen bekannten Schwimmer aus der Region, ebenfalls ein Herzinfarkt. Er war gerade einmal 49 Jahre alt“, erzählt Achim Bauer.

Er selbst fühlte sich jedoch fit und durch die regelmäßigen Gesundheitschecks auch sicher, denn deren Ergebnisse waren immer gleich: „Alle Werte waren sehr gut, es gab nichts Auffälliges.“ Verwunderlich war das nicht: Schon immer war Achim Bauer sehr sportlich, übte mehrere Sportarten aus und achtete auf seine Ernährung. „Ich dachte, mich kann nichts aus der Bahn werfen.“

Schnelle Rettung dank Ersthelfer und DRF Luftrettung

Dies änderte sich am 15. Juni 2013 kurz nach seinem Torschuss in der 31. Spielminute. Sofort eilten Spieler und Zuschauer herbei, um zu helfen, darunter auch ein Bundeswehrsoldat. Durch regelmäßige Kurse bestens mit Erster Hilfe vertraut, übernahm dieser die Initiative und begann mit abwechselnder Unterstützung weiterer drei Personen mit der Laienreanimation. Zeitgleich ging der Notruf bei der Leitstelle Regensburg ein, die sofort den Hubschrauber der DRF Luftrettung alarmierte.

Nur wenige Minuten später erreichte die Regensburger Besatzung rund um Pilot Georg Fuhrmann den Fußballplatz in Schierling. „Ein Ersthelfer vor Ort hatte bereits mit einem Laiendefibrillator ein Elektrokardiogramm (EKG) geschrieben, auf dem sich lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen zeigten, sogenanntes Kammerflimmern. Deshalb begann er sofort zu defibrillieren, das heißt der Herzrhythmus wurde durch einen Elektroschock reguliert“, erklärt Rettungsassistent Florian Zweckerl. Als er und Hubschraubernotarzt Dr. Andreas Redel den Patienten erreichten, schlug dessen Herz bereits wieder, doch die Atmung blieb unregelmäßig. Daher leiteten sie eine assistierte Beutel-Maskenbeatmung ein, bei der Achim Bauer von Hand über einen Beatmungsbeutel mit Luft versorgt wurde. Kurz darauf erlangte der 53-Jährige das Bewusstsein wieder.

„Meine Erinnerung setzt aber erst in dem Moment wieder ein, als ich im Schockraum der Uniklinik Regensburg lag“, erzählt Achim Bauer. „Was dazwischen passierte, habe ich nachträglich und stückweise erfahren.“ Zum Beispiel bei einem Treffen auf dem Schierlinger Sportplatz, wohin der 53-Jährige alle Ersthelfer einlud, um sich bei ihnen für ihren Einsatz zu bedanken. „Ohne ihre sofortige Hilfe hätte ich das vielleicht nicht unbeschadet überstanden.“

Keine Angst, wieder Sport zu treiben

Dass ihn die DRF Luftrettung gerettet hat, hat er ebenfalls erst später erfahren, „durch einen Bekannten, der den anonymisierten Einsatzbericht auf der Website der DRF Luftrettung gelesen hatte und meinte: ‚Bist das nicht du?!‘“ Mehrfach schon hatte Achim Bauer den rotweißen Hubschrauber im Landkreis Regensburg fliegen sehen; dass er ihn jedoch selbst einmal benötigen würde, damit hatte er nicht gerechnet. „Als ich davon erfuhr, schrieb ich gleich meinen Dank an die Besatzung des Regensburger Hubschraubers, die an diesem Tag im Einsatz war. Ich habe auch eine Antwort erhalten und werde in Kürze die Station besuchen. Darauf freue ich mich schon sehr!“

Inzwischen weiß Achim Bauer, wie es zum plötzlichen Herztod während des Fußballspiels kommen konnte: „Cholesterin hatte sich im Randbereich des linken Herzkranzgefäßes festgesetzt und sich plötzlich gelöst, was zum sofortigen Herzstillstand führte. Es kam ohne Vorankündigung und ohne Schmerzen.“ Erst kürzlich aus der Rehabilitation entlassen, will der 53-Jährige nun langsam in seinen Alltag zurückfinden und auch wieder mit dem Sport beginnen. „Ich muss mir Zeit lassen. Natürlich bin ich noch etwas unsicher und werde genau darauf achten, was geht und was nicht. Aber ich habe keine Angst davor, wieder Sport zu treiben, und möchte auch wieder Fußball spielen.“

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