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14.06.2016 | News-Bericht

Vierjähriger kämpft um sein Leben – Nachteinsatz für Christoph Niedersachsen

  • Ob bei Tag oder Nacht: Seit über 25 Jahren ist der Hubschrauber der DRF Luftrettung in Hannover rund um die Uhr einsatzbereit, um Menschen in Not zu helfen. (Foto: Maike Glöckner)
    Ob bei Tag oder Nacht: Seit über 25 Jahren ist der Hubschrauber der DRF Luftrettung in Hannover rund um die Uhr einsatzbereit, um Menschen in Not zu helfen. (Foto: Maike Glöckner)

Nur noch ein paar Sonnenstrahlen finden ihren Weg über den Horizont. Allmählich bricht über Papenburg die Dunkelheit herein. Im Marienkrankenhaus dagegen herrscht hektisches Treiben. Ein vierjähriger Junge wurde mit einer Lungenentzündung eingeliefert. Der Junge zeigt eine schnelle und flache Atmung, zudem sind rasselnder Atem und vermehrtes Husten zu vernehmen. Die Ärzte stellen ein Lungenödem fest, das in Folge der Lungenentzündung entstanden ist.

Erstickungsängste

„Bei einem Lungenödem sammelt sich Flüssigkeit im Bindegewebe der Lunge an, wodurch betroffene Lungenbläschen keinen Sauerstoff mehr aufnehmen können. Durch das Wasser in der Lunge wird die Membran in den Lungenbläschen, durch die der Sauerstoff in das Blut aufgenommen wird, dicker, quillt auf und verhindert so die Sauerstoffweitergabe. So entsteht letztendlich ein Sauerstoffmangel im Blut“, erklärt Hubschraubernotarzt Dr. Jörg Ahrens. Durch das Lungenödem kann der Junge nicht mehr richtig atmen. Er wird immer unruhiger, hat Angst zu ersticken. Diese Angst ist von seinem Gesicht abzulesen. Die Ärzte beschließen aufgrund des Krankheitsbildes, einen Hubschrauber für den schnellen Transport in eine Spezialklinik in Hannover anzufordern, die bessere Therapiemöglichkeiten bietet.

Als der Transport mit dem rot-weißen Hubschrauber beginnt, ist der Junge wach. „Wir haben ihn zur Überwachung der Vitalfunktionen an die üblichen Geräte angeschlossen, aber nicht intubiert, da sein Zustand weitgehend stabil war und wir ihm den Stress einer Narkose ersparen wollten. So haben wir den Patienten mit einer Atemmaske, die direkt an eine Sauerstoffflasche angeschlossen war, versorgt und die Atemfrequenz und den Sauerstoffgehalt im Blut während des Fluges ständig kontrolliert“, erklärt der Notarzt. Die Mutter des Jungen ist den ganzen Flug über bei ihrem Sohn. „Dies war wichtig, um beruhigend auf ihn einwirken zu können und Panik zu unterbinden. Denn Stress bedeutet einen höheren Sauerstoffverbrauch“, so Dr. Jörg Ahrens.

Nachttransport nach Hannover

Inzwischen ist die Nacht hereingebrochen. Für die erfahrenen Luftretter aus Hannover sind Einsätze bei Dunkelheit sichere Routine. Seit der Gründung im Jahr 1995 ist Christoph Niedersachsen der DRF Luftrettung rund um die Uhr einsatzbereit, um lebensnotwendige Patiententransporte zwischen Kliniken durchzuführen. Dank der Schnelligkeit des Hubschraubers können so wertvolle Minuten im Wettlauf gegen die Zeit gewonnen werden. „Für die bestmögliche Weiterversorgung mussten wir den kleinen Patienten in das rund 180 Kilometer entfernte Klinikum nach Hannover transportieren“, erklärt Pilot und Stationsleiter Achim Bickel. „Nachts sind wir sogar der einzige Hubschrauber, der Intensivpatienten in niedersächsische Kliniken transportiert.“ Für den Vierjährigen ein Glücksfall.

In Hannover angekommen, übergibt die medizinische Hubschrauberbesatzung den Jungen in die Obhut der dortigen Ärzte. Die Medizinische Hochschule in Hannover ist auf Krankheiten dieser Art spezialisiert und bietet gleichzeitige Dialyse und Beatmung bei Kindern an. Der Kleine ist hier auch kein Unbekannter. Bereits in jüngerer Vergangenheit war der Vierjährige zu Untersuchungen im Krankenhaus, weil er an einer Autoimmunerkrankung leidet. Dabei greift das Immunsystem körpereigenes Gewebe an und entzündet sich. Der Körper bekämpft sich also selbst. Aufgrund dieser Autoimmunerkrankung besitzt der junge Patient generell eine erhöhte Infektionsgefahr, wodurch er an jener Lungenentzündung erkrankte, in deren Folge es zur Wassereinlagerung in der Lunge kam. Ein Teufelskreis, dem man medizinisch entgegnen muss. Die Besatzung von Christoph Niedersachsen jedenfalls ist froh, ihren Teil dazu beigetragen zu haben, dass der Vierjährige nun die bestmögliche Weiterbehandlung erhält. „Wir senden dem Kleinen die besten Genesungswünsche“, so Pilot Achim Bickel.

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