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14.09.2017 | News-Bericht

„Wir wissen nie, was uns den Tag über erwartet"

  • Häufig werden die Luftretter zu Patienten alarmiert, die einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt erlitten haben.
    Häufig werden die Luftretter zu Patienten alarmiert, die einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt erlitten haben.
  • Auch nach einem schweren Unfall muss es schnell gehen, denn Patienten mit lebensbedrohlichen Mehrfachverletzungen, einem sogenannten Polytrauma, müssen schnellstmöglich in Spezialkliniken versorgt werden.
    Auch nach einem schweren Unfall muss es schnell gehen, denn Patienten mit lebensbedrohlichen Mehrfachverletzungen, einem sogenannten Polytrauma, müssen schnellstmöglich in Spezialkliniken versorgt werden.

Morgens an der Göttinger Station der DRF Luftrettung. Pilot Mathias Mader führt wie jedes Mal vor Dienstbeginn einen gründlichen Vorflugcheck durch. Rund eine halbe Stunde lang nimmt er die rot-weiße EC 135 nach einem festgelegten Ablauf unter die Lupe, prüft, ob irgendwo Öl ausläuft, etwas locker ist. Auch zum Rotor und seinen Steuerstangen steigt er dabei hinauf. Dann nickt er zufrieden: Das rund 1.500 PS starke Fluggerät ist einsatzbereit. Jetzt wendet sich der erfahrene Rettungsflieger dem Wetter zu und sieht sich die Vorhersagen für den Tag an.

Zeitgleich haben der Notarzt und der Rettungsassistent, die mit ihm heute Dienst haben, die medizinische Ausrüstung des Hubschraubers geprüft. Jetzt sind alle startklar, für den ersten Einsatz des Tages. Manchmal schrillt der Alarmmelder schon direkt nach dem Anmelden bei der Leitstelle, manchmal dauert es etwas länger. Im Schnitt fliegen die Besatzungen drei bis vier Einsätze täglich, dass Christoph 44 an einem Tag gar nicht alarmiert wird, kommt sehr selten vor.

Mathias Mader erzählt: „Die Tatsache, dass wir morgens nie wissen, was der Tag bringen wird, macht die Arbeit für viele von uns so interessant. Wir müssen uns sehr schnell auf den jeweiligen Einsatz einstellen. Ich, was Anflug und Landemöglichkeiten angeht, Notarzt und Rettungsassistent im Hinblick auf den Patienten, den sie vor Ort vorfinden. Einige Meldebilder treffen wir aber natürlich häufiger an als andere. Womit wir immer wieder konfrontiert werden, sind schwer verletzte Patienten nach einem Autounfällen. So wie an dem Tag, als wir nach Alsfeld alarmiert wurden. Eine ältere Frau war bei einem frontalen Zusammenstoß zwischen zwei Autos so schwer verletzt worden, dass sie in akuter Lebensgefahr schwebte. Die besondere Herausforderung bestand darin, dass unsere medizinische Crew sie schon versorgte, als sie von der Feuerwehr noch aus dem Autowrack befreit wurde. Dann bereiteten sie unser Hubschraubernotarzt und der Rettungsassistent für den Flug vor. Wenig später konnten wir sie in stabilem Zustand dem Schockraumteam der Uniklinik Marburg zu übergeben."

Einen großen Anteil am Einsatzaufkommen von Christoph 44 machen auch Herzinfarkt und Schlaganfall aus. Die medizinischen Fachgesellschaften sagen klar: Je schneller ein Patient nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall in einer Spezialklinik versorgt wird, desto höher sind seine Chancen zu überleben und wieder gesund zu werden. Die Luftretter haben hier oft einen entscheidenden Zeitvorteil, überfliegen sie doch Staus und enge Straßen ohne Verzögerung. Nach der notärztlichen Versorgung vor Ort erreichen sie mit ihren Patienten auch weiter entfernte Krankenhäuser innerhalb kurzer Zeit.

Schnell musste es auch im Fall einer älteren Frau gehen, die von ihrer Enkeltochter leblos in ihrer Wohnung gefunden wurde. Die junge Frau rief den Rettungsdienst, ein bodengebundener Notarzt und ein Rettungswagen waren schnell zur Stelle. Da alles auf eine lebensgefährliche Hirnblutung hinwies, alarmierte der Notarzt Christoph 44 für den schellen und schonenden Transport der Patientin nach. Der Hubschraubernotarzt legte die Frau in Narkose, schloss sie an das Beatmungsgerät des Hubschraubers an und bereitete alles für den Transport in die Uniklinik Marburg vor, die wenig später erreicht war.

„Die Tatsache, dass wir nicht wissen, was uns erwartet, sorgt dafür, dass mein Beruf auch nach vielen Jahren noch interessant und spannend ist", unterstreicht Mathias Mader. „Dass wir täglich Menschen helfen und Leben retten, gibt meiner Crew ein befriedigendes Gefühl und macht uns auch ein wenig Stolz."

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