10.06.2016 | Rettungsbericht

„Wir wussten oft nicht, ob sie die Nacht überleben würden“

  • Vor einem Jahr stand das Leben der Zwillinge Nick und Leon auf der Kippe. Dass es ihnen heute gut geht, verdanken sie auch der schnellen Hilfe durch die DRF Luftrettung.
    Vor einem Jahr stand das Leben der Zwillinge Nick und Leon auf der Kippe. Dass es ihnen heute gut geht, verdanken sie auch der schnellen Hilfe durch die DRF Luftrettung.

Es waren bange Stunden, die Nicole und ihr Mann nach der Geburt ihrer Zwillinge erlebten, voller Hoffnung und Verzweiflung. Wie steht es um meine Kinder? Was passiert mit ihnen? Werden sie es schaffen? Immer wieder stellte sich Nicole diese quälenden Fragen. Aus Stunden wurden Tage, aus Tagen wurden Wochen. Der Mutter schnürt es noch heute das Herz zusammen, wenn sie an die schwierige Anfangszeit im Leben ihrer Jungs zurückdenkt.

Ende März 2015 waren Nick und Leon auf die Welt gekommen – viel zu früh, ihr Leben hing an einem seidenen Faden. Mit jeweils nur rund 1.000 Gramm Geburtsgewicht waren sie sehr klein und sie hatten frühchentypische lebensbedrohliche Komplikationen entwickelt. Schnellstmöglich mussten die beiden mit dem Hubschrauber von Hof in die hochspezialisierte Kinderklinik Erlangen Transport werden. Es war der erste Einsatz der Nürnberger Luftretter mit der neuen H 145.

„Der Transport so kleiner Frühchen erfordert ein besonders hohes Maß an Sorgfalt und Abstimmung mit den Kollegen in den Krankenhäusern“, weiß Notfallsanitäter Alexander Schuricht, der den Transport damals begleitete. „Wenn man diese kleinen Wesen sieht, möchte man alles besonders gut machen.“ Der Transport funktionierte reibungslos, für die Luftretter endete der Einsatz schließlich mit der Übergabe der kleinen Patienten. Doch für Mutter Nicole war dies erst der Anfang einer Zeit zwischen Hoffen und Bangen: „Die Tage in der Intensivstation in Erlangen waren hart. Wir wussten oft abends nicht, ob unsere Kinder die Nacht überleben würden.“ In solchen Nächten war für die Eltern an Schlaf kaum zu denken.

Ein Kampf ums Überleben

Rund um die Uhr wurden Nick und Leon überwacht, die Ärzte kämpften um das Leben der kleinen Patienten. Und tatsächlich: Die unmittelbare Lebensgefahr konnte abgewendet werden, nach sechs Wochen durften die Zwillinge zurück in ihre Geburtsklinik in Hof. Den Eltern fiel ein riesiger Stein vom Herzen: „Die Erleichterung war groß. Allerdings war das Ziel noch nicht erreicht, denn beide konnten noch nicht selbstständig trinken. Außerdem mussten sie weiterhin an Gewicht zulegen und ihre Körpertemperatur auch ohne Wärmebettchen halten können.“ Auch in diesen Tagen verbrachte Nicole jede mögliche Minute bei ihren Kindern, ließ sie nicht aus den Augen und beobachtete jede Regung.

Mitte Juni, zweieinhalb Monate nach der Geburt, war es dann so weit: Nicole und ihr Mann konnten die Zwillinge endlich nach Hause holen. Es war der Beginn des lang ersehnten Alltags als Familie, den es beinahe nicht gegeben hätte. Für die beiden ein unbeschreiblicher Moment des Glücks. Behutsam starteten sie in diese Zeit, Tag für Tag machten die Brüder seither Fortschritte. Inzwischen halten die beiden aufgeweckten Jungs ihre Eltern ordentlich auf Trab. „Leon ist ein echter Draufgänger, Nick eher ruhig. Er lässt sich aber gerne von seinem Bruder mitziehen“, beschreibt die stolze Mutter ihre Kinder. „Laut Kinderarzt haben sie den körperlichen Rückstand durch ihren Frühstart sogar schon aufgeholt, was uns natürlich sehr glücklich macht.“

Der Blick nach vorn

„Für uns war das damals ein unvergesslicher Einsatz. Auch wir haben gebangt und uns hin und wieder nach dem Zustand der Zwillinge erkundet“, so der Nürnberger Notfallsanitäter Alexander Schuricht, der sich über die Nachrichten der Familie freut: „Es ist toll zu hören, dass es den beiden Jungs gut geht und sie sich prima entwickeln. Wir drücken alle fest die Daumen, dass sie gesund bleiben und eine unbeschwerte Kindheit erleben.“

Auch Mutter Nicole blickt nach vorn: „Das letzte Jahr war sehr anstrengend und aufregend für uns. Wir hoffen, dass Nick und Leon weiter so gute Fortschritte machen werden wie bisher. Wir danken von Herzen allen Menschen, die dazu beigetragen haben, dass wir heute zwei gesunde, fidele Kinder haben. Besonders den Ärzten und Schwestern der Kliniken in Hof und Erlangen und natürlich dem Team der DRF Luftrettung.“

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