27.03.2020 | News-Bericht

#wirhubschraubern: Ein Blick hinter die Kulissen der DRF Luftrettung

  • Am 19. März rückte die DRF Luftrettung die tägliche Arbeit aller Luftretterinnen und Luftretter einen Tag lang in den Fokus.
    Am 19. März rückte die DRF Luftrettung die tägliche Arbeit aller Luftretterinnen und Luftretter einen Tag lang in den Fokus.

Einen Tag lang hinter die Kulissen der Luftrettung blicken und den Einsatztag der Stationen verfolgen: Das ermöglichte die DRF Luftrettung am 19. März 2020 auf ihren Social-Media-Kanälen. Grund für die Online-Aktion war die Initiierung des fortan jährlich stattfindenden „Tag der Luftretter“ am 19. März 2020. Zielsetzung dieses Tags ist es, über die wichtige Arbeit aller Luftretterinnen und Luftretter aufzuklären und zu informieren. Deshalb gewährte die gemeinnützige Organisation auf ihren Social-Media-Kanälen tagesaktuelle Einblicke in die Abläufe auf ihren bundesweit 29 Stationen und alle Interessierte konnten den Besatzungen bei zahlreichen Tätigkeiten direkt über die Schultern schauen.

 

Die Highlights des Tages im Überblick

6.30 Uhr – Suhl

Dienstbeginn an der Station. Jeden Morgen prüft der diensthabende Pilot die Maschine im sogenannten Vorflugcheck, wie auch heute Morgen Martin in Suhl. Er schaut, ob z. B. Öl ist, wo keines hingehört oder mit den Triebwerken alles in Ordnung ist. Denn: Sicherheit steht an erster Stelle. Gleichzeitig überprüft Notfallsanitäter Tobias das medizinische Einsatzequipment, unter anderem das Beatmungsgerät, das EKG-Gerät, die Spritzpumpen und auch den Notfallrucksack, an Bord.

6.55 Uhr – Greifswald

Die Hangartüren öffnen sich und Pilot Sebastian fährt die Plattform samt Hubschrauber ins Freie. Bis 7 Uhr hat die Crew alle Checks und Vorbereitungen erledigt und meldet sich bei der zuständigen Leitstelle einsatzbereit.

Seit Juli 2019 hat Christoph 47 als erster Hubschrauber in Deutschland optional Blut- und Plasmakonserven bei seinen Einsätzen mit an Bord. Dafür holt die/der diensthabende Notarzt/Notärztin die Blutprodukte jeden Morgen aus der Notaufnahme und verstaut diese in einem temperatursicheren Behälter in der Einsatzmaschine.

7.45 Uhr - Leonberg

Vormittags ist es an der Station ruhig und die Crew wird vorerst nicht alarmiert. Genug zu tun haben die Luftretter trotzdem: Büro- und Hausarbeit steht an. Aber auch für ein gemeinsames Frühstück hat die Besatzung Zeit. 

12.43 Uhr - Karlsruhe

Die Crew von Christoph 43 wird zu einem Patienten mit Atemnot gerufen. Kaum ist die Besatzung an die Station zurückgekehrt, geht der Melder erneut: Ein Verkehrsunfall zwischen einem Fahrradfahrer und einem Motorradfahrer. Unsere Luftretter leisten schnelle medizinische Hilfe vor Ort. 

Danach wird Christoph 43 zu einem Einsatz in ein Altenheim gerufen. Gegen 16 Uhr kehrt die Crew zur Station zurück, dort werden erst einmal alle fliegerischen und medizinischen Daten zu den Einsätzen erfasst, bevor die Luftretter ein verspätetes Mittagessen zu sich nehmen.

13.15 Uhr – Greifswald

Der Melder schrillt, auf geht's zum Hubschrauber. Die Greifswalder Crew ist in weniger als zwei Minuten in der Luft und auf dem Weg zum Einsatzort. Die Leitstelle hat Christoph 47 nach Usedom zu einem sogenannten Rendezvouz alarmiert. An einem vorher vereinbarten Ort übernehmen Notarzt Sergey und Notfallsanitäterin Alessia einen Patienten mit akuten Bauch- und Brustschmerzen von den bodengebundenen Einsatzkräften. Mit rund 250 km/h fliegt die Crew ihn ins Uniklinikum Greifswald und übergibt ihn für die weitere Behandlung an die Kolleg*innen vor Ort.

Der erste Einsatz des Tages führt die Greifswalder Crew nach Usedom.
Der erste Einsatz des Tages führt die Greifswalder Crew nach Usedom.

15.00 Uhr – Friedrichshafen

An unserem heutigen Tag der Luftretter wollen wir natürlich auch DANKE sagen. Stellvertretend für alle Stationen hat das Team aus Friedrichshafen eine kleine Botschaft aufgenommen: Wir sagen Danke an den bodengebundenen Rettungsdienst und die Leitstellen, an alle Kolleginnen und Kollegen in Krankenhäusern und Kliniken, an Polizei und Feuerwehr, und an alle anderen Einsatzkräfte. Danke, dass Ihr uns immer unterstützt! Danke, für die super Zusammenarbeit! Nur gemeinsam sind wir stark und können für andere da sein!

16.15 Uhr - Nürnberg / Christoph 27

Am Nachmittag steht der regelmäßige Windencheck an. Der in Nürnberg stationierte Rettungshubschrauber Christoph 27 verfügt über eine fest installierte Rettungswinde mit 90 Metern Seillänge. Windenoperator Markus und Notarzt Jo überprüfen die Rettungswinde. Einsätze führen den Hubschrauber unter anderem in die Klettergärten und Waldgebiete der Fränkischen Schweiz sowie an die Fränkische Seenplatte. Darüber hinaus kann die Rettungswinde auch überregional angefordert werden. In speziellen Windentrainings wird in intensiven Trainingseinheiten der Umgang mit der Rettungswinde perfektioniert.

16.45 Uhr – München

Alarm für die Besatzung von Christoph München, eine Patientin muss aus einem Krankenhaus in Kaufbeuren in eine Spezialklinik in Günzburg transportiert werden. Unser Notarzt lässt sich vom abgebenden Krankenhaus die nötigen Informationen durchgeben, um sich auf den Transport vorzubereiten. Nach 20 Flugminuten ist die Crew vor Ort und wickelt routiniert und professionell die Übergabe mit den Ärzt*innen und Pfleger*innen der Intensivstation ab. Die Patientin hat eine Hirnblutung und muss schnellstmöglich operiert werden. Die intensivmedizinische Versorgung kann aufgrund der hochmodernen Ausrüstung des Hubschraubers lückenlos fortgeführt werden. Am Zielort erfolgt die Übergabe an die Spezialisten und die Besatzung kehrt an die Station zurück.

18.35 Uhr – Leonberg

An vielen unserer Stationen ist der Einsatztag mit dem Sonnenuntergang zu Ende gegangen. So auch für die Kollegen in Leonberg. Notfallsanitäter Arndt desinfiziert zum Abschluss des Tages noch den Innenraum des Hubschraubers. So steht dem erneuten Einsatz der Luftretter ab morgen um 7.00 Uhr nichts mehr im Weg.

18.50 Uhr – München

Feierabend für die Kollegen der Tagschicht, Dienstbeginn für die Nachtcrews. An insgesamt zehn unserer Stationen sind die Hubschrauber rund um die Uhr einsatzbereit.

Kaum ist der obligatorische Vorflugcheck am Hubschrauber in München erledigt, da meldet sich schon die Leitstelle: Notfalleinsatz in Eichenau, eine Person ist gestürzt und benötigte schnelle medizinische Hilfe. Die Triebwerke gehen an und die rot-weiße Maschine verschwindet in die Nacht.

23.15 Uhr – München

Nach zwei weiteren Einsätzen kehrt die Crew gegen 23.15 Uhr an die Station am Klinikum Großhadern zurück.

Aus Sicherheitsgründen sind bei Nachteinsätzen immer zwei Piloten im Dienst. Außerdem nutzen die beiden bei ihren nächtlichen Einsätzen Nachtsichtbrillen, sogenannte Night Vision Goggles. Die DRF Luftrettung war die erste zivile Luftrettungsorganisation, die ihren Piloten diese High-Tech-Geräte nach einer langen Zulassungsphase seit 2009 zur Verfügung stellt. Sie bieten noch mehr Sicherheit im Einsatz und helfen den Piloten beispielsweise bei der Landeplatzerkundung.

7.00 Uhr (20.03.20) – München

Die weitere Nacht verlief ruhig und die Besatzung musste nicht mehr ausrücken. Am nächsten Morgen um 7 Uhr geht es dann auch für die Nachtbesatzung in den Feierabend und die Crew der Tagschicht übernimmt wieder.

Damit geht nach 24 Stunden Einsatz der erste Tag der Luftretter zu Ende. Vielen Dank an alle Luftretterinnen und Luftretter für diesen tollen Tag und die zahlreichen Impressionen.

Sonnenaufgang.
Mit dem neuen Tag steht auch ein erneuter Schichtwechsel an: Die Tagesbesatzung übernimmt.

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