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Im Dunkeln sehen

Miau! Miiaaauu!!! Das Maunzen von Kater Tom wird aufdringlich. „Ach Paul, jetzt lass doch endlich mal den Kater rein! Es ist schon ganz dunkel draußen!“ Sina ist sichtlich genervt, schon drei Mal hat sie ihren Bruder gebeten, dem Kater die Tür zu öffnen. Lustlos schlappt Paul zur Terrassentür und zieht den Vorhang zurück. Mit großen Augen schaut der Kater zu ihm auf. „Krass! Sina, komm her, das musst du dir ansehen, Toms Augen sind ganz grün! Sieht aus wie bei Papa, wenn er seine Nachtsichtbrille auf hat ...“

Katzenaugen und Nachtsichtgeräte haben tatsächlich etwas gemeinsam: Sie verstärken das in der Dunkelheit vorhandene Restlicht, das vom menschlichen Auge kaum wahrgenommen wird. Das wissen auch die Piloten der DRF Luftrettung, denn an einigen Stationen wie in München, Regensburg und Berlin wird nachts geflogen. Dort werden diese speziellen Nachtsichtbrillen eingesetzt, die ursprünglich für das Militär entwickelt worden waren. Seit 2009 darf die DRF Luftrettung als erste Luftrettungsorganisation in Deutschland diese sogenannten Night Vision Goggles auch in der Luftrettung, also für zivile Zwecke, nutzen. Das Luftfahrtbundesamt hat hierfür seine Genehmigung erteilt. Diese Brillen dienen den Piloten als optische Unterstützung, da sie die Orientierung über unbekanntem Gelände während der Nacht erleichtern. Das wiederum erhöht die Flugsicherheit.

Elektronen vermehren sich

Doch wie funktionieren diese Nachtsichtbrillen eigentlich? Im Grunde ganz einfach: Im Nachtsichtgerät trifft das schwache Restlicht auf einen elektrischen Leiter, die sogenannte Photokathode. Die Lichtwellen lösen aus der Kathode elektrisch geladene Teilchen heraus, die Elektronen. Sie werden durch winzige Kanäle geleitet. Jedes Mal, wenn sie dort die Wand berühren, entstehen neue Elektronen, die wiederum an die Wand stoßen, und so weiter. Am Ende der Kanäle treffen die vielen Elektronen auf einen Leuchtschirm, der sie wieder in Licht umwandelt. So entsteht genug Licht, um auch in der Dunkelheit zu sehen – vorausgesetzt, etwas Restlicht ist vorhanden! Hierfür genügt schon der Mondschein oder das Licht der Sterne. Grün ist das Bild, weil die Elektronen das Material des Leuchtschirms grün strahlen lassen. Wer euch also erzählt hat, in der Nachtsichtbrille sitze eine Katze, der hat euch etwas vorgeflunkert.